Lena Schaumann mischt den Möbelhandel auf

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: Lumizil
Lena Schaumann
Lena Schaumann ist 28 Jahre jung und Gründerin von Lumizil – einem Onlinehandel für Lampen. Doch hinter ihrer Geschäftsidee steckt noch viel mehr. Ihr großer Plan ist es, den eingestaubten Möbelhandel zu revolutionieren…

Eine große Portion Mut, der Wille zur Veränderung und der Rückhalt und die Expertise ihres Vaters, eines Möbelhändlers in dritter Generation, haben Lena Schaumann dazu bewogen, ihr eigenes Unternehmen zu gründen. Mit Möbel Schaumann im Rücken hatte sie es bei der Gründung leichter als andere. Doch ihr Vorhaben ist und bleibt ein großes.

Lumizil gründete sie im September 2014. Mit knapp 20.000 Lampen ist dies einer der größten Lampen-Onlineshop. Lenas Vision: Den Möbelmarkt entstauben und mit der Online-Welt verbinden. Inzwischen hat sie 12 Mitarbeiter und führt drei “begehbare Onlineshops” in Kassel, Korbach und Homburg. Vor Ort können die Produkte live erlebt werden. Das Neue: Im Geschäft installierte iPads geben einen größeren Einblick in das Sortiment. Bestellt werden kann sofort – geliefert wird schnell innerhalb von zwei Tagen.

Im Interview erzählt uns Lena von ihrem großen Vorhaben und einer Revolution, die bereits begonnen hat.

ICH BIN MIR SICHER, MULTICHANNEL IST DIE ZUKUNFT.

LUMIZIL: EIN NEUES KONZEPT REVOLUTIONIERT DEN MÖBELMARKT

Wie kam es zur Gründung von Lumizil? Wieso hast du dich explizit für einen Onlineshop für Lampen entschieden?

Die Grundidee meiner Gründung resultierte daraus, dass ich einen neuen Weg finden wollte, das Familienunternehmen zu digitalisieren, was sich innerhalb von Möbel Schaumann als schwierig erwies. Daher entschied ich mich für eine Ausgründung. Ich wollte mehr Online-Wissen sammeln, um Möbel Schaumann in Kombination mit Lumizil langfristig multichannelfähig zu machen. Die Lampen haben wir gewählt, da man sie aus dem Direktversand beim Hersteller verschicken kann und wir so kein Lager benötigen.

Urail
Pendelleuchte URAIL

Welche Philosophie verfolgst du mit deinem Unternehmen?

Ich bin mir sicher, Multichannel ist die Zukunft. Der Möbelhandel ist gerade in einem starken Umbruch – die Kunden ändern sich, und so müssen auch wir uns im ständigen Wandel bewegen. Wir müssen auf der Suche nach neuen, innovativen Ideen sein, um den Möbelhandel konstant attraktiv zu halten. Und eigentlich ist ein Möbelkauf sehr emotional – aber wie ich finde, ist der Gang in ein Möbelgeschäft momentan nicht besonders spaßig. Das wollen wir ändern. Unsere Philosophie ist: “Anfangen hilft – wir lernen auf dem Weg.”

 

Inwiefern spiegelt sich die Philosophie in deiner täglichen Arbeit und der Mitarbeiterführung wieder?

Sehr direkt, denn ich will, dass die Leute Spaß haben und wir gemeinsam Dinge erschaffen. Ohne den benötigten Spaß haben meine Mitarbeiter schließlich auch keine Lust, zur Arbeit zu gehen, und die innovativen Ideen bleiben aus. Ich versuche, sehr nah an meinen Mitarbeitern zu führen und gebe ihnen regelmäßiges Feedback. Außerdem gibt es bei uns sehr flache Hierarchien. Wir arbeiten mit Zielsetzungen, sodass alle ihre Erfolge sehen und feiern können.

 

Du möchtest das Möbelgeschäft revolutionieren. Wie genau sieht deine Vision aus?

Ich würde mir wünschen, dass es genauso spaßig wäre, im Möbelhandel einzukaufen wie in einem Schuhgeschäft – ohne Wartezeiten von vielen Wochen und ohne Verkäufer, die meinen, vieles besser zu wissen. Auch liegt es mir am Herzen, die “Möbelfriedhöfe” zu dezimieren, sprich: keine Aufreihung von beliebigen Sofas ohne Konzept dahinter. Es soll die Möglichkeit geschaffen werden, in einer großen Auswahl schnell das zu finden, wonach man gerade auf der Suche ist und was zu einem passt.

Lena Schaumann, CEO
Lena Schaumann, CEO

Lumizil ist von Berlin nach Kassel gezogen. Wie kam es zu dieser Entscheidung und welche Vor- oder Nachteile bieten die jeweiligen Städte?

Der Hauptgrund war, dass das Familienunternehmen in Kassel sitzt und wir näher an Möbel Schaumann sein wollten, damit wir das Multichannel-Konzept weiter ausbauen und entwickeln können. Der Vorteil ist, dass wir uns hier mehr auf uns konzentrieren können und uns weniger mit anderen großartigen Start-ups vergleichen. Dadurch dass die Ablenkung fehlt, können wir uns besser auf uns selbst konzentrieren. Ein kleiner Nachteil wäre wohl, dass wir in Kassel weniger Sparringpartner haben, und es so weniger Innovationen gibt.

 

Wie sah dein Leben vor der Gründung aus?

Es hat sich tatsächlich nicht allzu viel in meinem Alltag geändert, denn ich habe mich auch vorher zu 100 Prozent in ein Projekt gestürzt. Vor Lumizil habe ich studiert und neben der Uni einen Kongress für Finanzen (den größten europäischen Studentenkongress für Finanzen, Campus for Finance – New Year‘s Conference) mitorganisiert. Daher hatte ich nach der Gründung einen ähnlichen Alltag, nur dass ich halt nicht mehr studierte.

DIE VERANTWORTUNG GIBT MIR VIEL FREIHEIT.

LENA SCHAUMANN: STEHENBLEIBEN IST KEINE OPTION

 

Wie haben deine Eltern reagiert, als du ihnen von deiner Entscheidung für eine Gründung erzählt hast? Und welchen Einfluss hatten deine familiären Erfahrungen und Kontakte?

Es gab nicht den einen Tag, an dem ich gesagt habe: “So werde ich das machen.” Mein Vater war den ganzen Weg über und während des Entstehungsprozesses von Lumizil mit all meinen Entscheidungen dabei. Es war somit sehr fließend, aber ich kann sagen, dass er mich immer vollstens unterstützt hat. Ich habe sehr viel von meiner Familie lernen können, denn sie haben mir nicht nur den Rückhalt gegeben, sondern ich bin mit einer unternehmerischen Denkweise aufgewachsen in einer Familie, in der Selbstständigkeit die Norm war. Und natürlich bekam ich dadurch viele tolle Kontakte, besonders was den Einkauf betraf.

Paulmannleuchten
Paulmannleuchten

Welche Form der Unterstützung war für dich auf dem Weg zur Gründung die wichtigste?

Die mentale Unterstützung durch den Rückhalt meiner Familie und meiner Freunde – sowohl aktiv als auch von denjenigen, die passiv agierten und mir einfach zugehört haben.

 

Hattest du vor der Gründung eine Art Elevator-Pitch und wenn ja, welcher Aspekt daran war der wichtigste?

Nein, den hatte ich in der Form tatsächlich nicht, daher habe ich ihn nie speziell ausgearbeitet. Aber natürlich gab es eine innerliche Zusammenfassung meines Traums, der den zukunftsorientierten Möbelkauf erklärt.

 

Gibt es irgendetwas, was du für das Unternehmen aufgeben musstest?

Manche würden vielleicht meinen, dass es die Freiheit ist, da man Tag und Nacht beschäftigt ist und immer etwas zu tun hat. Für mich ist das jedoch der Inbegriff von Freiheit, da ich immer so agiere, dass ich möglichst schnell ans Ziel komme. Die Verantwortung gibt mir außerdem viel Freiheit, da ich die Dinge so gestalten kann, wie ich es für richtig halte. Das einzige, was ich aufgeben musste, war, dass ich auf niemanden mehr hören muss, und das fehlt mir natürlich nicht besonders.

 

Welche Erfahrungen und Tipps kannst du jungen Gründern mit auf den Weg geben?

Fang an! Fehler wird jeder machen, und es gibt immer von vielen Seiten Kritik. Das sollte einen jedoch niemals daran hindern loszulaufen, und dann hat man es meist schon viel weiter geschafft als die vielen Kritiker.

ICH BIN KEINE KLASSISCHE GRÜNDERIN, DIE GRÜNDET, UM ZU GRÜNDEN.

LUMIZIL SOLL GRÖSSER & STÄRKER WERDEN

 

Wenn du Ideen hast, wie entscheidest du, welche du konsequent weiterverfolgen möchtest?

Zuerst handle ich meist sehr impulsiv, aber mein Team holt mich dann zurück auf den Boden. Gemeinsam analysieren wir dann, welche Idee den größeren Hebel hat und starten damit.

 

Denkst du viel darüber nach, was andere von deiner Arbeit halten?

Leider passiert das hin und wieder. Aber ich werde immer besser darin, diese Gedanken in den Hintergrund zu stellen, denn am Ende bringen sie Lumizil und mich nicht nach vorne, und man macht sich kleiner, als man in Wahrheit ist.

 

Wo siehst du dich und dein Unternehmen in den nächsten 5 Jahren?

Wir sind größer. Wir sind stärker. Wir sind noch näher an unserer Vision.
Im Ganzen wird Lumizil dann ein Möbelshop mit allen Warengruppen sein, und mein Team wird weiterhin spannende Ideen umsetzen.

Pendelleuchte Gutta
Pendelleuchte Gutta

 Könntest du dir vorstellen, noch einmal zu gründen?

Jein. Ich bin keine klassische Gründerin, die gründet, um zu gründen. Ich habe damals gegründet, da es meine einzige Chance war, meine Idee umzusetzen. Ich kann es mir schon noch einmal vorstellen, Lumizil gebe ich aber unter keinen Umständen ab. Also, ein neues Projekt bedarf in meinem Fall erst der „Schließung des Alten“, und hoffentlich wird das nie nötig sein.

 

Welches Möbelstück ist aktuell ein Lieblingsteil in deinem Zuhause?

Das war schon immer mein Bett, und das wird auch für immer so bleiben!

 

Wo kann man dich finden, wenn du runterkommen und entspannen möchtest?

Egal ob am Meer, am See oder in den Bergen – Hauptsache, es ist in der Natur. Oder aber auch in einem Restaurant mit möglichst vielen Freunden.

 

Vielen Dank für das spannende Interview!

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Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

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