Japanische Teezeremonie für zu Hause?

Words by Annekathrin Walther
Photography: Jason Leung via Unsplash
Grüne Paste in einer Glasschüssel wird mit Wasser aufgegossen, eine Hand hält einen Bambuspinsel daneben

Japanische Teezeremonie. Auch wenn man nicht wirklich weiß, was das ist, klingt es irgendwie gut. Doch was verbirgt sich dahinter? Und wie kann man dieses Ritual in fünf Schritten zu Hause durchführen?

 

Stellt man sich eine Teezeremonie vor, so denkt man wahrscheinlich zunächst einmal an das schlichte Servieren und Konsumieren von Tee. Der Zusatz »Zeremonie« verlagert diese sehr alltägliche Angelegenheit ins Feierliche. Denn eine Zeremonie, so weiß es der Duden, ist eine »in bestimmten Formen bzw. nach einem Ritus ablaufende feierliche Handlung«.  

Tatsächlich ist eine japanische Teezeremonie – auf Japanisch: Chadō – eine überaus komplexe Angelegenheit. So wie sie noch heute in Japan praktiziert wird, fußt sie auf einer Tradition, die viele Jahrhunderte alt ist. Ihr Aufbau und ihre Abläufe wurden von Sen no Rikyū (1522-1591) entscheidend geprägt. Er war es auch, der die Teezeremonie, noch enger als die Teemeister vor ihm, mit dem Zen-Buddhismus verknüpfte. 

 

Die Teezeremonie ist ein im Zen beheimatetes Ritual.

Vereinfacht gesagt, geschieht bei einer japanischen Teezeremonie Folgendes: Die Teemeisterin – oder der Teemeister – empfängt die Gäste in einem eigenes für die Teezeremonie eingerichteten Zimmer oder einem Teehaus. In Anwesenheit der Gäste wird dann der Tee vorbereitet, wobei diese Vorbereitung, mit ihren Handgriffen und Gesten, bis ins kleinste Detail festgelegt und geprobt ist. Selbst das Falten des Seidentuchs, mit dem das Teegeschirr ausgewischt wird, gehorcht bestimmten Regeln. Üblicherweise wird Matcha-Tee serviert. Außerdem werden kleine Süßigkeiten und Sake gereicht, auch um den bitteren Geschmack des Matcha ein wenig abzuschwächen. Ist der Tee fertig, wird er in einer oder mehreren Schalen herumgereicht. Wenn während einer Teezeremonie überhaupt gesprochen wird, dann nur über Dinge, die unmittelbar mit dem gerade stattfindenden Ritual verknüpft sind: Dazu gehört zum Beispiel, dass die Gäste das Teegeschirr, insbesondere die Matcha-Schalen, bewundern. Insgesamt kann eine Teezeremonie bis zu vier Stunden dauern. 

Leuchtkasten mit der Aufschrift Macha Macha
Die Teestube Macha Macha in Berlin – Neukölln

 

Wenn nun selbst das Falten des Seidentuchs geprobt werden muss, ist es dann überhaupt möglich, eine Teezeremonie zu Hause durchzuführen? Ja, ist es, sagt eine Person, die sich besser auskennt als wir: Jennifer Swann ist Japanologin und arbeitet in der Teestube Macha Macha in Berlin. »Zu Hause würde ich es allerdings nicht Teezeremonie nennen«, betont Jennifer. »Dafür ist der Begriff zu bedeutend. Ich würde im privaten Rahmen eher von einem Teemoment sprechen.«

Entscheidend ist, dass ich mich, wenn ich den Tee zubereite, ganz im Moment bewege.

Den eigenen Teemoment kann nun jede ganz nach persönlichen Vorlieben gestalten und so mit dem Tee eine Beziehung eingehen. Wichtig ist, dass man sich Zeit nimmt und sich vielleicht auch den Ort, an dem man den Teemoment erleben möchte, ein wenig dekoriert. Jennifer erklärt weiter: »Entscheidend ist, dass ich mich, wenn ich den Tee zubereite, ganz im Moment bewege.« Der sehr spirituelle Akt der Teezeremonie lässt sich so auch im kleinen Rahmen ein wenig nachempfinden. Wichtig ist es, die einzelnen Schritte achtsam auszuführen: Den Tee zum Beispiel also erst zu riechen und vielleicht zu fühlen, bevor man ihn in die Schale füllt. Wer noch etwas weiter gehen will, kann sich ins Bewusstsein rufen, dass kein Moment, der erlebt wird, reproduziert werden kann und letztlich alles vergänglich ist. Vielleicht wird das Öffnen der Teedose zu einem anderen Erlebnis, wenn man sich vor Augen führt, dass man es genau so nur ein einziges Mal in seinem Leben machen wird. Als geeigneten Ort für den Teemoment empfiehlt Jennifer den Boden oder einen niedrigen Tisch, zum Beispiel einen Couchtisch. 

DIY Teemoment Grundausstattung

Draufsicht auf eine Teekanne, einen Macha Pinsel, Macha Pulver, eine Tasse, eine Schüssel und ein Handtuch
Die Grundausstattung für eine kleine Teezeremonie, besser gesagt, einen Teemoment zu Hause.

Tatsächlich braucht es nicht viel, um zu Hause einen Teemoment zu kreieren. Was vielleicht nicht jede im Haus hat, ist ein Bambusbesen zum Schlagen von Matcha. Solche Besen gibt es für ca. 15 € in Bio- oder Teeläden zu kaufen. Unerlässlich ist außerdem Matchapulver. Welches das Richtige ist, ist natürlich Geschmackssache. In Teeläden kann man sich beraten lassen, oder man springt ins kalte Wasser und probiert einfach erstmal aus. Es empfiehlt sich, darauf zu achten, dass der Tee Bioqualität hat.

Ansonsten sind notwendig: eine Matcha- oder Frühstücksschale, ein Gefäß oder eine Kanne mit heißem Wasser, eine Schale für gebrauchtes Wasser, ein Teelöffel und ein Geschirrhandtuch. Jennifer empfiehlt allen, die sich etwas eingehender mit Matcha befassen wollen, sich über kurz oder lang eine entsprechende Matchaschale zuzulegen. Genau wie Wein aus ganz bestimmten Gläsern getrunken wird, funktioniert auch Matcha noch besser, wenn er in einer Matchaschale serviert wird. Für die ersten Versuche ist eine Frühstücksschale jedoch absolut ausreichend. Alles bereit? Dann kann es losgehen.

Schritt 1: Das Erwärmen von Schale und Bambusbesen

Gepunktete Porzellanschale mit heißem Wasser und einem Bambuspinsel darin
Schale und Bambusbesen werden in heißem Wasser erwärmt.

 

Gieße heißes Wasser in die Teeschale. Lege den Bambusbesen ins heiße Wasser. Dies ist notwendig, damit der Bambus ein wenig aufweicht und nicht beim Schlagen zerbricht. Lasse beides so einige Minuten stehen. 

 

Schritt 2: Wasser abgießen und Schale auswischen

Macha Tasse mit heissem Wasser, Macha Schale mit Handtuch
Das Wasser ist jetzt in der Macha-Tasse.

Gieße das Wasser aus der Teeschale in die Schale für das gebrauchte Wasser. Trockne die Teeschale mit einem Küchentuch. 

 

Schritt 3: Matchapulver wird in die Teeschale gefüllt

Hand hält Teeloeffel mit Macha Pulver über eine Schale
Ein Teelöffel Matcha in die Schale füllen.

Fülle einen Teelöffel Matchapulver in die Schale. Matcha wird hergestellt, indem die Grünteesorte Tencha mit Steinmühlen zu sehr feinem Pulver vermahlen wird. Matcha ist zehnmal feiner als Mehl und fühlt sich entsprechend toll an!

 

Schritt 4: Matchapulver wird mit 80 ml Wasser aufgegossen

In einer Schale wird das Macha Pulver von Wasser ueberflutet
80 ml Wasser werden zum Macha Pulver hinzugefügt.

Gieße das Matchapulver mit 80 ml Wasser auf. Das Wasser sollte eine Temperatur von ungefähr 80°C haben. Man muss aber kein Teethermometer in Anschlag bringen: Es reicht, das Wasser nach dem Kochen ca. 10 Minuten abkühlen zu lassen. So kann sich auch der Kalk im Wasser absetzen und gelangt nicht in den Aufguss.

 

Schritt 5: Wasser und Pulver werden mit dem Bambusbesen aufgeschlagen

Hand bewegt Bambuspinsel schnell durch Grünteebrühe in einer Schale
Sorgfältig wird der Machta geschlagen.

Schlage Pulver und Wasser nun mit dem Bambusbesen auf. Jennifer betont, dass die Körperhaltung beim Schlagen entscheidend ist: Idealerweise stellt man sich hin oder richtet sich auf den Knien auf. Beim Schlagen bewegt sich nur das Handgelenk, der Rest des Körpers bleibt ruhig. Das Pulver wird kreisförmig oder im Zick-Zack-Muster aufgeschlagen und beginnt so, leicht zu schäumen. 

Eine Tasse mit Macha steht neben einem Kaktus auf einer grauen Fläche
Ein fertiger Matcha.

Jetzt kann man den fertigen Tee genießen. Wenn man zu mehreren ist, kann man sich den Spaß machen, alle reihum aus der gleichen Schale trinken zu lassen. Das ist in Japan absolut üblich und verschönert den Moment. Vielleicht will man sich unterhalten. Vielleicht will man aber auch nur ganz in Ruhe ein paar Schlucke trinken.

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DIYGenussTee

Annekathrin Walther

Freie Redakteurin

Annekathrin Walther spielt mit Text seit ihr Lesen und Schreiben möglich ist. Auf ihr Studium der LIteraturwissenschaft folgten Exkursionen ins Stadttheater und den Buchhandel. Seit 2013 liegt sie als Freiberuflerin vor Anker und schreibt als solche für Theater, Audio und Internet.

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