Scheinehen: Banden kassieren Zehntausende Euro

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: David Thomaz auf Unsplash
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Ein paar geht eine Scheinehe ein
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Scheinehen bedeuten für einige Menschen die Hoffnung auf ein besseres Leben. Für andere sind sie ein lukratives Geschäft, das vor allem viel Geld verspricht. 

 

Im Jahr 2017 gab es in Deutschland insgesamt 407.493 Eheschließungen – wie die polizeiliche Kriminalstatistik offenlegt, stehen etwa 202 davon unter Verdacht, nicht aus Liebe stattgefunden zu haben, sondern »lediglich«, um mit Hilfe einer gültigen oder gefälschten Eheurkunde automatisch ein dauerhaftes Bleiberecht zu erhalten. 191 weitere Eheschließungen sollen vollzogen worden sein, um ein Visum zu bekommen. 

Scheinehen: Aus diesen Gründen werden sie geschlossen

Wer eine Scheinehe eingeht, verspricht sich einen großen Vorteil und die Möglichkeit auf ein Leben fernab der eigenen Heimat. Wie das Bundeskriminalamt (BKA) erklärt, ist die Scheinehe daher immer eine Verbindung, »bei der keine gemeinsame Lebensführung angestrebt wird«. Es gehe dabei vor allem darum, einen privilegierten Aufenthaltsstatus für die ausländische Partnerin oder den Partner zu erschleichen, der dieser bzw. diesem ansonsten nicht zustünde. Hierbei gibt es zwei Varianten: »Zum einen die Organisation einer tatsächlichen Eheschließung zwischen einem Drittstaatsangehörigen und einem Angehörigen eines EU-Mitgliedstaates. Zum anderen werden entsprechende Eheschließungen mittels unautorisiert ausgestellter Heiratsurkunden vorgetäuscht. In beiden Fällen sind es häufig kriminelle Netzwerke, die die Schleusungen durchführen.«

Organisierte Banden vermitteln Scheinehen

Es sehen also nicht nur Menschen, die sich eine Aufenthaltsgenehmigung erschleichen wollen, einen Vorteil: Auch Mittelsfrauen und -männer gehen systematisch vor, um an der Vermittlung von Scheinehen zu verdienen. Bei Ermittlungen der Bundespolizei konnte eine in Deutschland ansässige Heiratsagentur entdeckt werden, die in Dänemark, Mexiko und den USA. Eheschließungen organisierte.

 

Mit erschlichenen Schengen-Visa soll die Heiratsagentur unter anderem vor allem Personen aus Nepal, Indien und Pakistan nach Deutschland geschleust haben bzw. in Deutschland ansässige Asylbewerber*innen gegen Zahlungen rekrutiert haben, um diese mit Scheinehepartnerinnen und -partnern aus Bulgarien, Rumänien und Portugal zu verheiraten. Und dabei fließt eine Menge Geld. Menschen, die sich dazu bereit erklären, eine andere Person zum Schein zu ehelichen, sollen dafür etwa 1.000 bis 7.000 Euro erhalten. Menschen, die eine solche Heiratsagentur beauftragen, zahlen bis zu 15.000 Euro und mehr an die Organisatoren. 

Scheinehen: So sollen sie schneller entdeckt werden

Viele dieser kriminellen Handlungen bleiben unentdeckt. Das Problem ist, dass sich eine Scheinehe grundsätzlich nur schwer nachweisen lässt: »Die Schwierigkeit bei Ermittlungen im Bereich Scheinehe liegt in der subjektiven Komponente der Nachweisführung. Hierbei ist zu belegen, dass die Ehepartner von Beginn an nicht die Absicht hatten, eine eheliche Lebensgemeinschaft zu begründen«, heißt es in dem Bericht zur »Schleusungskriminalität« der Bundespolizei und des Bundeskriminalamtes aus dem Jahr 2017.

Zudem sei die Bereitschaft der Beteiligten, über die Scheinehe zu sprechen, in den meisten Fällen sehr gering. Im Grunde gibt es nämlich keine Geschädigten. Im Prinzip wissen alle beteiligten Parteien, worauf sie sich einlassen – die Zahlungen erfolgen freiwillig und nicht unter Zwang. Aus diesem Grund wurde die Operation »Bride« gegründet. Es handelt sich um einen Zusammenschluss von Bundespolizei und den Sicherheitsbehörden anderer EU-Staaten sowie der Schweiz und Serbien. Durch die intensivierte Polizeiarbeit sollen kriminelle Banden schneller entlarvt und gestoppt werden. Denn bisher wurden Scheinehen vor allem durch aufmerksame Mitarbeiter in Jobcentern oder in Ausländerbehörden bemerkt, und nicht durch die Polizei selbst. Dies soll sich künftig ändern. 

Und trotz der vermeintlichen Vorteile dürften es viele bereuen, den Schritt in die Scheinehe gewagt zu haben. In einem Interview von »WDRforyou« berichtet Gelareh, wie sie durch eine erkaufte Eheschließung aus dem Iran nach Deutschland gekommen ist und wie schlecht es ihr seitdem geht. Inzwischen wünscht sie, sie hätte sich niemals darauf eingelassen. 

 

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Alltag

Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

1 Kommentar

Heinz-Gerd Hinsen
#1 — vor 2 Monaten
mal ganz ehrlich, wo kann man überhaupt noch Vertrauen zu unserem Rechtsstaat haben ????
Defizite und Kontrollverluste was das Zeug hält.
Ich habe das Vertrauen schon sehr lange aufgegeben.

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