Piraten: Alles über den Mythos und Gefahren der Gegenwart

Words by Arzu Gül
Photography: Austin Neill via Unsplash
Lesezeit: 3 Minuten
Piraten Schiff

Der Mythos um Piraten ist auch heute noch aktuell - welche Gefahren die Seeräuberei selbst im 21. Jahrhundert noch darstellt und wo sie ihren Ursprung hat. 

 

Eine Rum-Flasche in der Hand, ein Holzbein und eine Augenklappe: Schon ist das Klischee-Bild eines Piraten erfüllt. Die Piraterie hat eine lange Geschichte. Sie ist so alt wie die Seefahrt selbst. Unser Bild von Seeräubern deckt sich allerdings nur mit einem kleinen Teil dieser Geschichte. Welche Arten von Piraten gab es überhaupt? Und welche Gefahren gehen auch heute noch von der Piraterie aus? 

Die Anfänge der Piraterie

In der Antike (800 v. Chr.-600 n. Chr) war die Piraterie gängige Praxis. Im Grunde gab es damals in allen ans Meer grenzenden Ländern Piraten, und die Piraterie beschränkte sich meist auf die Küstenbereiche, in denen vorbeifahrende oder ruhende Schiffe von Piraten auf Ruderbooten überfallen wurden. Mit der Entwicklung größerer Ruderschiffe (der sogenannten Galeeren) wurde es später auch möglich, Schiffe auf See zu verfolgen und sie mitten im Meer anzugreifen. Zu dieser Zeit breitete sich die Piraterie sehr stark aus. Besonders für die römische Republik und die griechischen Inseln stellte sie damit eine existenzielle Bedrohung dar, was dazu führte, dass beide Völker den Seeräubern den Kampf ansagten und diese nachhaltig bekämpften.

Aufstieg der Wikinger

Ein weiterer einschneidender Aufstieg der Piraterie wurde Ende des 8. Jahrhunderts verzeichnet, als skandinavische Seeräuber – die Wikinger – mit schnellen, großen Wikingerschiffen die Küsten Nordeuropas heimsuchten. Die Wikinger plünderten etliche Küstenstädte und machten auch vor Kirchen und Klöstern keinen Halt. Bis heute stehen sie im Ruf, sehr gewalttätig gewesen zu sein. Der Legende nach sollen sie viele Menschen getötet oder versklavt haben, sobald diese sich ihnen in den Weg stellten. Ihre Vorherrschaft endete zu Beginn des 11. Jahrhunderts, als die skandinavischen Länder zu Königreichen erklärt wurden und das Christentum an Einfluss gewann. Viele Wikinger integrierten sich dann in die regulären Heere der Könige und gaben die Seepiraterie auf. 

Mythos bis heute: das Goldene Zeitalter

Das goldene Zeitalter beschreibt die Zeit von 1690 bis 1739 – die Zeit, in der auch »Blackbeard«, der wohl berühmteste Pirat überhaupt, sein Unwesen trieb. Romane, Bilder, Hollywood-Filme – fast alle Erzählungen, die wir heute über Piraten kennen, basieren im Grunde auf dieser Zeit, ebenso wie das romantisch verklärte Bild des Piraten als Abenteurers und Freiheitsheld. Das Seeräubertum konzentrierte sich damals auf die Seestraßen zwischen Europa und Amerika, vor allem aber auf die Region im Karibischen Meer.

Mit dem Ziel, an den Reichtümern der »Neuen Welt« teilzuhaben, beauftragten sogar die seefahrenden europäischen Nationen selbst Piratenschiffe, die mit so genannten »Kaperbriefen« an Bord die offizielle Erlaubnis erhielten, andere Schiffe und Konkurrenten anzugreifen. Die gesamte Südsee galt in dieser Zeit als rechtsfreier Raum – Spanien, England und Frankreich trugen etliche Schlachten aus. 

Aus dieser Zeit stammt auch der Mythos um verborgene Schätze, welche die Piraten auf den karibischen Inseln versteckt haben sollen. So besagt die Legende, dass bis heute noch unentdeckte Schätze ihrer Entdeckung harren – beispielsweise auf den Galapagos-Inseln (Ecuador), auf Oak Island (Kanada) oder auf der Kokos-Insel (Costa Rica). Trotz zahlreicher Bemühungen, die Verstecke auszumachen, konnte bis heute kein Beweis dafür gefunden werden, dass diese Schätze überhaupt existieren. 

Das goldene Zeitalter endete um 1690 herum, als die kämpfenden Großmächte anfingen, den Seehandel zu sichern, und aufhörten, sich gegenseitig zu schwächen. Stattdessen taten sie sich zusammen und bekämpften nun gemeinsam die Piraterie. Die Seeräuber wurden geächtet und suchten vielerorts Zufluchtsstätten.

Piraterie von heute – eine Gefahr?

Heute konzentriert sich die Piraterie überwiegend auf die Küsten vor Südamerika und Afrika sowie auf die Meeresengen zwischen den angrenzenden Inseln. Von 2000 bis 2011 erregten immer häufiger Übergriffe vor der Küste Somalias die Aufmerksamkeit der Medien. So wurden mehrfach Kreuzfahrtschiffe, Jachten und Frachter von Piraten aus der Region angegriffen und gekapert, es kam sogar vor, dass Menschen als Geiseln genommen wurden. 

Laut International Maritime Bureau (IMB) gab es im ersten Halbjahr 2019 weltweit rund 78 Vorfälle, wobei deren Anzahl im Vergleich zum Vorjahr um rund 20 Prozent gesenkt werden konnte. Das größte Risikogebiet ist aktuell der Golf von Guinea, also der Meerbusen, der im Norden und Osten von der Küste Westafrikas eingegrenzt wird und unter anderem an Nigeria grenzt. Rund 73 Prozent aller Entführungen auf See und 92 Prozent der Geiselnahmen, die vom IMB verzeichnet wurden, fanden in dieser Region statt. Für die entführten Seeleute wird häufig ein hohes Lösegeld verlangt, und bei bewaffneten Raubüberfällen werden ganze Ladungen entwendet. Der erbeutete Gewinn fließt anschließend oft in Drogenhandel, Prostitution und andere organisierte Verbrechen. 

Die Dunkelziffer ist hoch

Generell ist Piraterie verboten und kann nach dem Weltrechtsprinzip von jedem Land strafrechtlich verfolgt werden. Im Zuge der Bekämpfung kooperieren inzwischen viele Nationen miteinander, die ansonsten außenpolitisch wenig gemeinsam haben. Gleichzeitig werden Schiffe international stärker geschützt und ausgerüstet, sodass die Übergriffszahlen deutlich sinken.

Ein Problem stellt heute aber vor allem die Zahl der nicht-dokumentierten Fälle dar. Die Dunkelziffer von Piratenangriffen ist nach wie vor hoch, da viele Seeleute aus Scham oder aus Angst vor steigenden Versicherungsbeiträgen und sinkender Reputation die Attentate nicht melden. ExpertInnen zweifeln daher daran, dass eine Bekämpfung nur durch militärische oder juristische Maßnahmen sinnvoll ist. Vielmehr müsse stattdessen Entwicklungshilfe geleistet werden, um die strukturellen und politischen Probleme der Regionen anzugehen. 

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Arzu Guel

Redakteurin

Nach einem MBA in Medienmanagement und Stationen in der Produktentwicklung, Objektleitung und Vermarktung von Magazinen, hat Arzu Guel zurück zu ihrer eigentlichen Leidenschaft, dem Schreiben und Kreieren von Content, gefunden. Seit September 2019 schreibt sie nicht nur für Monda Magazin, sondern entwickelt auch Formate für unseren Instagram-Kanal. Sie brennt für die Themen Digitalisierung, Future Trends und für Menschen mit einzigartigen Geschichten.

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