Naturkrauses Haar gilt nun auch vor dem Gesetz als »normal«

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: Shawn Fields auf Unsplash
Naturkrauses Haar gilt nun auch vor dem Gesetz als "normal"
Anfang Juli 2019 unterzeichnete der Gouverneur von Kalifornien den sogenannten »Crown Act«, einen Gesetzesentwurf, der es Arbeitgebern verbietet, Menschen mit natürlichem Haar zu diskriminieren. 
 

Naturkrause Locken, Dreads, Twists oder Braids sind völlig normale Frisuren – dürfte man meinen. In den USA jedoch konnte bis vor Kurzem die Art und Weise, wie eine Person ihre Haare trug, in vielen Fällen die Chance auf einen Job verringern. Selbst wenn die Kandidaten oder Kandidatinnen von den Qualifikationen her für die Stelle geeignet waren, ist es in der Vergangenheit oft vorgekommen, dass sie wegen ihrer naturgegebenen Haarstruktur oder ihrer Entscheidung für eine als »typisch schwarz« empfundene Frisur abgelehnt oder später am Arbeitsplatz diskriminiert wurden.

Wegen Dreadlocks gefeuert: Gericht erklärte Rausschmiss als »nicht rassistisch«

Frisuren werden auch heute immer wieder als »unprofessionell« oder »ungepflegt« beschrieben, wenn sie nicht einem gewissen Standard oder dem Mainstream entsprechen. Im Internet viral gingen Geschichten wie die von Chastity Jones, die 2010 angab, von einem Versicherungsunternehmen in Alabama entlassen worden zu sein, weil sie ihre Haare in Dreadlocks trug. Als sie dagegen klagte, befanden die Gerichte das Verhalten ihrer Vorgesetzten für nicht rassistisch, der Fall war damit erledigt. Ähnlich erging es Rachel Sakabo. Sie arbeitete im renommierten New Yorker Hotel St. Regis, bis sie 2013 mit der Begründung entlassen wurde, ihre »Kultur« passe nicht zum Unternehmen. 

Eine von Dove mitfinanzierte Studie offenbarte zudem, dass die Wahrscheinlichkeit bei schwarzen Frauen um das anderthalbfache erhöht ist, schon einmal wegen ihres Haars von der Arbeit nach Hause geschickt worden zu sein oder eine andere schwarze Frau zu kennen, der es so ergangen ist. 

»Crown Act« verbietet Diskriminierung von Menschen mit naturkrausem Haar

Um die ständige Diskriminierung zu beenden, verabschiedete die kalifornische Staatsversammlung einstimmig ein Gesetz, das Arbeitgebern die Benachteiligung von Menschen mit natürlichem bzw. naturkrausem Haar untersagt. Der Gesetzentwurf, der als »Crown Act« bezeichnet wird und von der demokratischen Senatorin von Los Angeles, Holly Mitchell, eingeführt wurde – einer schwarzen Frau, die ihr natürliches Haar geflochten trägt. Der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom erweiterte die Definition der Rassendiskriminierung daraufhin um »Merkmale, die historisch mit der Rasse verbunden sind, einschließlich, aber nicht beschränkt auf Haartextur und Schutzfrisuren«, berichtete der Nachrichtensender CNN.

Glamour gegenüber erläuterte Senatorin Mitchell, sie wolle mit dem Gesetz dafür sorgen, dass sich die schwarze Bevölkerung endlich nicht mehr ausgegrenzt fühlen muss und das Selbstvertrauen erlangen kann, die eigenen Haare zu lieben. Weiterhin erklärte sie: »Unser Wissen und unsere Vorstellungen darüber, was ›angemessen‹, was ›professionell‹, was ›schön‹ ist, basieren auf einem sehr eurozentrischen Standard.« – also auf Grundlage der von Europäern entwickelten Werte und Normen. Darüber hinaus möchte sie eine Diskussion darüber anstoßen, inwieweit am Arbeitsplatz und in Schulen eine gewisse Kleider- und Haarordnung im Jahr 2019 überhaupt noch vertretbar ist. 

Unternehmen müssen bei Verstößen Geldstrafen zahlen

Der Gesetzesentwurf folgt den kürzlich von der New York City Commission on Human Rights verabschiedeten neuen Antidiskriminierungsrichtlinien, die die Benachteiligung von Menschen aufgrund ihrer Haare oder ihrer Frisur bei der Arbeit, in der Schule oder im öffentlichen Raum als Rassendiskriminierung ansehen. Nach den neuen Richtlinien können Personen, die aufgrund ihrer Frisur diskriminiert wurden, rechtliche Schritte einleiten, und Unternehmen können für Verstöße mit einer Geldstrafe von bis zu 250.000 US-Dollar bestraft werden.

Der »Crown Act« ist ein Gesetz, auf das viele Afroamerikaner gewartet haben und ein Schritt in die richtige Richtung. Doch bisher haben lediglich 2 von insgesamt 50 Bundesstaaten dem Gesetz zugestimmt. Wie CNN berichtete, arbeiten jedoch auch Gesetzgeber in den anderen Staaten daran, Gesetze einzuführen, die dem »Crown Act« ähneln. 

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Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

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