Genial: Start-up stellt Wolle aus Hundehaar her

Words by Arzu Gül
Photography: Olivia hutcherson via Unsplash
Lesezeit: 2 Minuten
Wolle aus Hundehaar - Frau setzt Hund lachend eine Wollmütze auf

Das deutsche Start-up Modus Intarsia verarbeitet als erstes Unternehmen weltweit Wolle aus Hundehaar und schafft damit eine neue, nachhaltige Ressource für die Produktion von Kleidung.

 

Wenn es um eine nachhaltige Modeproduktion geht, wird auch immer wieder die Verwendung neuer Ressourcen diskutiert. Ann Cathrin Schönrock und Franziska Uhl ist etwas gelungen, was bisher noch niemand geschafft hat: Sie verarbeiten Hundehaar zu Wolle und haben damit ein neues hochwertiges Material für die Textilproduktion geschaffen. Ihr Projekt ist so erfolgreich, dass sie nun sogar ihren ersten Start-up Preis gewonnen haben.

Es ist naheliegend, klingt aber dennoch verrückt: Kleidung aus Hundehaaren herzustellen. Dabei besitzen viele Menschen in Deutschland einen Vierbeiner und wissen nur allzu gut, wie viel winterliches Unterhaar die Tiere im Frühjahr und Sommer lassen. Da können schon einmal gut und gerne mehrere Kilogramm zusammenkommen.

Unterhaar: In den Kleiderschrank statt auf den Müll

Mit dieser Beobachtung fing auch die Geschichte von Modus Intarsia an, dem Start-up von Ann Cathrin und Franziska. Als Ann Cathrin eines Tages ihrer Mutter bei der Hundepflege zusah, fiel ihr auf, dass sie das ausgekämmte Unterhaar mit der Begründung aufbewahrte, es sei doch zum Wegwerfen zu schade. Als Modedesignerin mit Sinn für Nachhaltigkeit stellte sich für Ann Cathrin sofort die Frage, ob es nicht möglich sei, aus diesem Unterhaar Garn zu spinnen – der Startschuss für ihr eigenes Unternehmen war gefallen.

Gemeinsam mit der Textilingenieurin Franziska Uhl machte sich Ann Cathrin auf die Suche nach Methoden, um aus Hundehaar eine neue, natürliche Ressource für die Textilproduktion zu schaffen. Gemeinsam mit ProbestrickerInnen und Wollläden schauten sie sich die Zusammensetzung von Hundehaar an und definierten, welche Zusammensetzung die Wolle für die Umsetzung ihrer Vision benötigen würde.

Das Ziel: eine bisher verschwendete Ressource nutzbar zu machen und ein qualitativ hochwertiges Produkt daraus zu erstellen, um so perspektivisch auch die Produktion von Plastikfasern einzudämmen. 

Hundebesitzer*innen können 40 Euro pro Kilogramm verdienen

Gesagt, getan. Die beiden Unternehmerinnen gründeten das Portal »Modus Intarsia«, ein Sammler-Netzwerk für Hunde-Unterwolle. HundebesitzerInnen können die ausgekämmte Wolle sammeln und anschließend per Post an Ann Cathrin und Franziska schicken. Wichtig ist, dass die Unterwolle eine Faserlänge von 8 bis 15 cm hat. Mithilfe einer Spinnerei in Sachsen kann daraus anschließend eine geruchsfreie, kuschelige Wolle in Naturfarben produziert werden. SammlerInnen werden für ihren Beitrag natürlich auch entlohnt: Modus Intarsia zahlt pro Kilogramm Rohwolle bis zu 40 Euro – das ist mehr als der Betrag, der beispielsweise für hochwertiges Kaschmir gezahlt wird.

Doch kann das Hundehaar qualitativ mit anderen Materialien herhalten? Ja, sagen die Gründerinnen. Das sogenannte »Chiengora« sei bis zu 80 % wärmer als Schafwolle, könne den Wärme- und Kältehaushalt bestens regulieren und sei vergleichbare mit Cashmere, Alpaka und Mohair.

Auf Instagram präsentiert Modus Intarsia diverse Kleidungsstücke und Accessoires, die aus der Wolle hergestellt wurden. Das Feedback der Community ist durchweg positiv, sowohl seitens der StrickerInnen, als auch der HundebesitzerInnen. 

Aufgrund der positiven Resonanz und des bisherigen Erfolgs, legen Ann Cathrin und Franziska in diesem Jahr den Fokus auf die Erweiterung und Sicherung des Unterwolle-Sammler-Netzwerkes:

Wir wollen in diesem Jahr 800kg Unterwolle vor der Tonne retten. Neben dem Netzwerk arbeiten wir in der Produktentwicklung daran ein Garn zu entwickeln, welches auch in der Industrie Verwendung finden kann. Wir haben für Anfang des Jahres schon viele Presse und Fernseh-Anfragen, da es ein Thema ist, das polarisiert. Das wird uns sicherlich beim Sammler-Netzwerk helfen. Jeder kennt einen Hund dessen Unterwolle fälschlicherweise in der Tonne landet, erzählt es also weiter! Jeder Hundehalter mit passendem Hund kann mitmachen, Geld verdienen, spenden, Ressourcen retten!

Ann Cathrin Schönrock

Wer das Hundehaar gerne selbst einmal in der Verwertung testen möchte, kann sich über die Webseite als »Sample Knitter« anmelden und Probestricken. Zu kaufen gibt es die Wolle aktuell offline im »Loops« in Berlin und im »Casa Lana« Shop in Erlangen. 

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Arzu Guel

Redakteurin

Nach einem MBA in Medienmanagement und Stationen in der Produktentwicklung, Objektleitung und Vermarktung von Magazinen, hat Arzu Guel zurück zu ihrer eigentlichen Leidenschaft, dem Schreiben und Kreieren von Content, gefunden. Seit September 2019 schreibt sie nicht nur für Monda Magazin, sondern entwickelt auch Formate für unseren Instagram-Kanal. Sie brennt für die Themen Digitalisierung, Future Trends und für Menschen mit einzigartigen Geschichten.

1 Kommentar

nora blum
#1 — vor 6 Monaten
so ein Blödsinn - neu endeckt ich verspinne die ausgekämmte Unterwolle meiner Chow Chows schon seit über 40 Jahren und verstricke diese

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