Starker Wandel: 57% der Deutschen wollen nachhaltige Mode

Words by Arzu Gül
Photography: Freepik
Lesezeit: 2 Minuten
nachhaltige Mode - Frau steht am Schaufenster mit Einkaufstüten

Die Modeindustrie gehört zu den größten Verursachern des Klimawandels. Doch wie vielen Deutschen ist eine nachhaltige Produktion ihrer Kleidung überhaupt wichtig? Wir haben nachgefragt. Und es wird deutlich: die Deutschen wollen nachhaltige Mode!

 

Auf der diesjährigen Berlin Fashion Week gab es ein großes Überthema: nachhaltige Mode. Ob JournalistInnen, Fashion-AktivistInnen oder Brands – die Notwendigkeit von neuen, umweltschonenden Ressourcen und fairen Produktionsketten ist Branchen-ExpertInnen inzwischen bewusst. Immer mehr Modemarken rüsten nun intern um, entwerfen »grüne« Kollektionen oder verschreiben sich ganz und gar einer nachhaltigen Produktion. 

Doch wie hoch ist die Nachfrage nach Fair-Fashion-Angeboten in Deutschland überhaupt? Gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey haben wir eine exklusive Umfrage durchgeführt und gefragt, wie wichtig es Einzelpersonen ist, dass ihre Textilien nachhaltig produziert werden. Das Ergebnis zeigt, dass Fair Fashion längst kein Nischenthema mehr ist. 

Die Mehrheit der Deutschen will nachhaltige Mode!

Wurde nachhaltig produzierte Kleidung vor wenigen Jahren noch als »Öko« abgestempelt, so ist es heute für über 57 % der Deutschen wichtig bis sehr wichtig, dass ihre Kleidung unter fairen Bedingungen hergestellt wurde. Etwa 16 % haben noch keine feste Meinung dazu und stimmten für ein »Unentschieden«. Nur 26,6 % der Deutschen ist ein nachhaltiger Aspekt in Kleidungsfragen wenig bis gar nicht wichtig.

Dabei haben Männer generell ein geringeres Interesse an nachhaltig produzierter Kleidung. Von ihnen geben etwa 29,5 % an, dass ihnen die genauen Produktionsbedingungen nicht wichtig sind, wohingegen es bei den Frauen nur 23,4 % sind, die bei Kleidung kaum Wert auf Nachhaltigkeit legen. 

Fair Fashion ist vielen zu teuer

Obwohl das Interesse an nachhaltig produzierter Kleidung also grundsätzlich hoch ist, bedeutet dies im Umkehrschluss allerdings nicht, dass alle mit »Ja« abstimmenden Personen tatsächlich ausschließlich Textilien aus nachhaltiger Produktion kaufen. Wir wollten daher wissen, welches die ausschlaggebenden Kriterien dafür sind, die letztlich vom Kauf abhalten.

Für 25 % der Deutschen sind alternative Modelabels schlicht noch zu teuer. Aufgrund der hochwertigen Materialien, aufwendigeren Produktionsbedingungen und fairen Bezahlungen aller beteiligten HerstellerInnen und MitarbeiterInnen liegen natürlich auch die Preise weit über denen von Fast-Fashion-Marken. Einige Marken versuchen hier inzwischen, die KonsumentInnen aufzuklären, indem sie ihre gesamten Kosten und Margen nachvollziehbar aufdecken.

Weitere 25 % geben an, es fehle ihnen das entsprechende Angebot in der näheren Umgebung, um auf Fair-Fashion-Alternativen auszuweichen. 18 % der Deutschen finden hingegen das Design der Kleidung nicht ansprechend genug. 

Die steigende Nachfrage führt aber dazu, dass es immer mehr nachhaltige Modelabels gibt, die trendbewusste Designs erstellen und auch durch Online-Shops die Verfügbarkeit der Kollektionen in ganz Deutschland sicherstellen.

Fast Fashion trägt hohe Mitschuld am Klimawandel

Ein wachsendes Angebot an nachhaltiger Mode ist begrüßenswert. Fast Fashion ist, nach der Erdölindustrie, aktuell der zweitgrößte Verursacher des Klimawandels. Dies liegt an einem immensen Pestizideinsatz, giftigen Chemikalien, der Produktion von Mikroplastik und langen Transportwegen. Etwa 90 % der hergestellten Kleidung stammen aus asiatischen Ländern. Da in den Fabriken häufig keine entsprechenden Filtervorrichtungen vorhanden sind, gelangen die unzähligen Chemikalien in die Gewässer und damit auch ins Trinkwasser und in Nahrungsmittel. 

Aufgrund der Kleidungsproduktion gelangen jährlich etwa 1,2 Milliarden Tonnen CO2 in die Atmosphäre sowie Unmengen von Mikroplastik in Meere und Ozeane. Doch nicht nur die Umwelt leidet unter Fast Fashion, sondern auch die Menschen, die in den produzierenden Ländern leben und arbeiten. Die Dokumentation »True Cost« zeigt, dass es in indischen Baumwollanbaugebieten weitaus häufiger zu Geburtsfehlern, Krebserkrankungen und geistigen sowie körperlichen Behinderungen bei Kindern kommt als in weniger pestizidbelasteten Regionen. Hinzu kommen gefährliche Arbeitsbedingungen und eine Bezahlung unter dem Existenzminimum.

Das große Angebot an Alternativen stellt somit eine gute Möglichkeit dar, die oben genannten Bedingungen nicht weiter zu unterstützen und damit die Nachfrage nach Fast Fashion einzudämmen. Auch indem man Textilien weitergibt, tauscht oder repariert, kann man den Lebenszyklus von Kleidungsstücken um ein Vielfaches erhöhen. So können nicht zuletzt auch diejenigen 25 %, bei denen ein umweltverträglicherer Kleidungsstil bislang noch am Geld scheitert, für mehr Nachhaltigkeit in ihrem Kleiderschrank sorgen und sich so gegen den Massenkonsum stellen. 

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Arzu Guel

Redakteurin

Nach einem MBA in Medienmanagement und Stationen in der Produktentwicklung, Objektleitung und Vermarktung von Magazinen, hat Arzu Guel zurück zu ihrer eigentlichen Leidenschaft, dem Schreiben und Kreieren von Content, gefunden. Seit September 2019 schreibt sie nicht nur für Monda Magazin, sondern entwickelt auch Formate für unseren Instagram-Kanal. Sie brennt für die Themen Digitalisierung, Future Trends und für Menschen mit einzigartigen Geschichten.

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