Tablet & Handy: Warum Kinder den Umgang früh lernen sollten

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: Diego Passadori auf Unsplash
Lesezeit: 4 Minuten
Warum Kinder digital erzogen werden sollten

Ab welchem Alter sollten sich Kinder mithilfe von Smartphones und Tablets im Internet bewegen oder ganz allgemein die Technik beherrschen? So früh wie möglich, raten Experten. 

 

Es ist eines der meistdiskutierten Themen unter Eltern und PädagogInnen: Ab wann dürfen sich Kinder regelmäßig mit dem Smartphone oder Tablet beschäftigen? Eine Frage, die für viele nur schwer zu beantworten ist. Zwar steht fest, dass digitale Medien schon auf die Kleinsten faszinierend wirken und oft auch sehr früh eine Rolle in ihrem Leben spielen. Die Erwachsenen sind jedoch verunsichert und fürchten, Kinder könnten in ihrer Entwicklung gestört werden. Doch sollte man etwas verbieten oder massiv einschränken, was inzwischen längst zur Kindheit dazu gehört und in der Erwachsenenwelt eine so große Rolle spielt? 

Kinder im Netz: Das Internet ist nicht schuld, wenn etwas schiefgeht

Wie so oft kommt es auch bei dieser Frage nicht so sehr auf das »Ob« an, sondern auf das »Wie«. Wie in allen anderen Lebensbereichen auch, müssen Kinder hier erst noch lernen, was genau es damit auf sich hat, welche Regeln es gibt und welche Verhaltensweisen in Ordnung sind und welche nicht. Entsprechend ist es natürlich wichtig, dass Kinder behutsam an das Internet und die neuen Medien herangeführt werden und lernen, was es zu beachten gilt. Aber: Nur wenige Kindergärten und Schulen in Deutschland nähern sich dem Thema ernsthaft an. Zu teuer und zu zeitintensiv gestaltet sich der Weg zur digitalen Erziehung. Und auch in so manchen Elternhäusern fehlen bisweilen Lust und Geduld, den Nachwuchs im Umgang mit den modernen Medien zu schulen.

Wenn dann mal etwas »schiefgeht«, werden schnell bestimmte Plattformen direkt verantwortlich gemacht. Dabei wird übersehen, dass es vor allem in der Erziehungsverantwortung der Eltern liegt, wie sich ihr Kind im Internet verhält oder in welchem Umfang es die vorhandene Technik nutzt. In anderen Bereichen suchen wir die Verantwortung ja auch nicht ausschließlich woanders. So geben wir schon den Kleinsten mit, dass es nicht in Ordnung ist, eine Spielkameradin oder einen Spielkameraden zu schlagen. Haut das Kind in der Kita dann doch zu, ist dafür ja schließlich auch nicht ausschließlich die Einrichtung verantwortlich.

Sollten Kinder so früh wie möglich mit der Technik & dem Internet in Berührung kommen?

Kinder im Netz: Die digitale Erziehung liegt in erster Linie bei den Eltern 

All das, was wir unseren Schützlingen für den respektvollen Umgang mit anderen Menschen und generell für ein angenehmes und ausgeglichenes Leben in der analogen Welt mitgeben und »antrainieren«, sollte laut ExpertInnen genauso aufs Internet und auf die aktuellsten technischen Neuerungen übertragen werden. Doch wie bringen wir unseren Kindern diesen verantwortungsvollen Umgang bei?

Eine Pauschalantwort auf diese Frage gibt es nicht. Wichtig zu beachten ist, dass jedes Kind über eine ganz eigene Ausgangsbasis verfügt und vom Wesen her eventuell mehr oder eben weniger Begeisterung für neue Medien zeigt. So wie es Kinder gibt, die schon vor dem Klettergerüst auf dem Spielplatz Respekt haben, während andere jeden Baum erklimmen und erst oben merken, dass sie eigentlich gar nicht wissen, wie sie da wieder runterkommen sollen, so haben auch einige Kinder von Natur aus ein sensibleres Gespür für Gefahren im Netz, während sich andere weniger vorsichtig verhalten.

 

In jedem Fall gilt: Smartphone, Tablet, Laptop und Co. sind nicht per se gut oder schlecht, geeignet oder ungeeignet. Aber: Diese Geräte sind nicht dafür gedacht, Kinder damit zu beschäftigen und ruhigzustellen, damit man selbst in Ruhe eine Serie schauen oder einen Kaffee trinken kann. Eine digitale Erziehung ist unumgänglich! Um Kindern so früh wie möglich digitale Kompetenzen zu vermitteln, gibt es inzwischen unzählige Ratgeber, die einem dabei helfen können, den richtigen Weg einzuschlagen und dafür zu sorgen, dass die Kinder Tablets, Smartphones und das Internet vor allem für kreative und produktive Dinge nutzen. 

Digitale Kompetenzen vermitteln: So kann es funktionieren  

Eltern und pädagogische Fachkräfte können sich beispielsweise auf digikids.online in Sachen Medien unterstützen lassen. Hier lassen sich unter anderem interessante Beiträge zu den Themen »Apps für Kinder« und »Digitale Balance für Kinder und Eltern« finden. Orientierung und wichtige Tipps gibt es auch bei »SCHAU HIN!«, einer Initiative des Bundesfamilienministeriums und von ARD und ZDF. So wird hier zum Beispiel die Frage beantwortet, wie man erkennt, dass das eigene Kind reif für ein Smartphone ist. 

Ebenfalls hilfreich ist »scoyo« – das Online-Magazin für Eltern rund um Schule, Familienleben & Medienkompetenz. Hier heißt es: »Kinder müssen von klein auf lernen, wie neue Medien funktionieren und welche Regeln es zu beachten gibt. Denn auch die sogenannten »digital natives« sind nicht von Geburt an echte Profis, was kritische und aufgeklärte Mediennutzung angeht. Das »Surfschein-Quiz des Internet-ABCs« für Grundschulkinder ist hier ein guter Anfang, um das Kind für Chancen und Gefahren zu sensibilisieren. Ein Einsteiger-Wissens-Paket sozusagen, kindgerecht erklärt.« Neben dem Surfschein-Quiz lassen sich hier noch viele weitere Tipps zur digitalen Erziehung finden. 

So sei es unter anderem wichtig, Vertrauen zu schaffen, um das Selbstbewusstsein zu stärken. Nur so könnten Kinder lernen, mit Souveränität auf unvorhergesehene Situationen zu reagieren – eine Fähigkeit, die übrigens nicht nur in der digitalen, sondern auch in der analogen Welt hilfreich ist. Ein weiterer Tipp: Mit den Kindern gemeinsam lernen. Ob erwachsen oder nicht: Niemand kann alles wissen und über jede neueste App Bescheid wissen. Um das Vertrauen aufrechtzuerhalten, wird empfohlen, sich auch mal vom eigenen Kind erklären zu lassen, was gerade angesagt ist und was genau daran so faszinierend ist. Im Anschluss können Vor- und Nachteile besprochen werden. Ein ganz wichtiger Punkt ist zudem, dass auch Eltern lernen müssen, als Vorbild zu fungieren. Dazu heißt es: »Gerade in Bezug auf Wertebildung, Priorisieren und Regeln hilft es immens, selbst mit gutem Beispiel voranzugehen. Gleichzeitig können Sie Ihrem Kind den klugen Einsatz der vielen digitalen Helferlein ganz natürlich beibringen, sodass es digitale Technologien von Beginn an aktiv für sich nutzen lernt.« Auch ein Blick auf Elternblogs lohnt sich, denn nichts hilft mehr, als über die Erfahrungen zu lesen, die andere bereits mit diesem Thema gemacht haben. 

All diese Initiativen, Blogs und Websites zeigen uns vor allem eines: Die Digitalisierung und mit ihr eben auch die digitalen Medien gehören zu unserem täglichen Leben und werden auch in Zukunft immer weiter mit diesem verschmelzen – eine Tatsache, die für Jung und Alt gleichermaßen gilt. Niemand wird seine Kinder auf Dauer von den neuen Medien fernhalten können. Mit einem strikten Verbot nimmt man sich nur die Chance, seine Kinder beim Umgang mit diesen Medien zu begleiten. Und nur mit einer aufmerksamen und liebevollen Begleitung kann man eine verantwortungsvolle Balance zwischen der digitalen und der analogen Welt erreichen.

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Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

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