Smartphone für Kinder: Ab welchem Alter ist es sinnvoll?

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: Freepik
Lesezeit: 3 Minuten
Welcher Alter ist das perfekte für das erste Smartphone?

Irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem sich Eltern fragen, ob ihr Kind reif für ein eigenes Smartphone ist. Ab welchem Alter sollte man es ihnen erlauben? Experten sind sich einig und geben folgenden Rat.

Es ist eine Frage, der viele Eltern gern aus dem Weg gehen würden. Mit den Worten »Wann bekomme ich endlich ein eigenes Smartphone oder »Alle aus meiner Klasse haben schon ein Smartphone, wann bekomme ich endlich auch eins?« beginnt unter Umständen ein eher unangenehmes Gespräch mit dem Nachwuchs. Umso wichtiger, dass man sich vorher schon seine Gedanken gemacht hat und seinen Standpunkt notfalls mit der nötigen Festigkeit vertreten kann. Gerade das Argument »alle anderen dürfen auch« darf bei der Frage nach dem Smartphone keine allzu große Rolle spielen, denn ob ein Kind reif für den Umgang mit einem solchen Gerät ist, hängt nicht allein vom Alter ab.

Kinder & Smartphones: Starre Altersgrenzen gibt es nicht

Zum einen spielt es eine Rolle, wie verantwortungsbewusst sich ein Kind verhält. So gibt es bereits 6-Jährige, die ganz genau wissen, was in bestimmten Situationen allgemein als »richtig« und »falsch« gilt. Andere tun sich auch mit zehn oder elf Jahren noch eher schwer damit, Verantwortung zu tragen. Starre Altersgrenzen lassen sich also kaum bestimmen. Zum anderen kommt es auch darauf an, wie hoch die Medienkompetenz des jeweiligen Kindes ist. Eltern wird empfohlen, den Umgang mit einem gesicherten Smartphone oder Tablet zunächst altersgerecht zu gestalten und intensiv zu begleiten. Da wir das Interesse am bunten Bildschirm bereits in den ersten Lebensmonaten forcieren – immerhin beobachten uns die Kleinsten beinah von Anfang an, wie viel Spaß wir selbst mit den technischen Geräten haben – ist ein absolutes Verbot kaum möglich. 

Schon die Kleinsten werden täglich mit dem Smartphone konfrontiert.

Kinder & Smartphones: »Gelegentlich eine halbe Stunde…«

Doch gibt es klare Empfehlungen zur Nutzungsdauer und dazu, ab welchem Alter man über ein erstes eigenes Smartphone nachdenken kann. Die Medienratgeber-Initiative »Schau hin!« des Bundesfamilienministeriums rät Eltern dazu, Kinder bis zum fünften Lebensjahr nur gelegentlich mal eine halbe Stunde Bildschirmzeit zu erlauben. »Ein eigenes Smartphone eignet sich für Kinder ungefähr im Alter zwischen elf und zwölf Jahren, wenn sie schon genug Erfahrung und Reife besitzen, mit den vielen Funktionen verantwortungsvoll umzugehen«, lautet die Empfehlung. 

Um den Umgang so verantwortungsbewusst und sinnvoll wie möglich zu gestalten, gibt es zudem noch konkrete Handlungsvorschläge, die Kinder vor einer Art Handysucht bewahren sollen. Wir Erwachsenen kennen es selbst, und viele von uns dürften sich schon einmal nach einem Blick auf die eigene Bildschirmzeit erschrocken haben. Feste und klare Absprachen über die tägliche oder wöchentliche Dauer, die das Kind am Smartphone verbringen darf, sind daher besonders wichtig.

Darüber hinaus gibt es sogar Apps, mit denen sich die Nutzungsdauer anderer Anwendungen und des gesamten Smartphones pro Tag regeln lässt . Mit den richtigen Einstellungen schließt sich die Anwendung, wenn die eingestellte Zeit rum ist. So kann übrigens auch die allgemeine Zeit am Handy reguliert werden. Zusätzlich sollte man noch einige andere Vereinbarungen treffen, die dann auch für die Eltern gelten. Zum Beispiel: Das Handy kommt nicht mit an den Esstisch, nachts wird es komplett ausgeschaltet, und während der Hausaufgaben liegt es nicht griffbereit auf dem Schreibtisch, sondern stummgeschaltet in der Küche.  

 

Handy ja, aber welches ist das richtige? 

Für jüngere Kinder ist es besonders wichtig, dass das Gerät robust und stoßfest ist. Somit muss es auch noch nicht das teuerste und neuste Handy sein, dann ist es auch nicht ganz so schlimm, wenn es doch mal runterfällt oder gar verloren geht. Auch Apps wie WhatsApp, YouTube, Instagram, TikTok oder Snapchat sollten noch nicht gleich von Anfang an auf dem Smartphone installiert werden. Mit Prepaid-Handys, speziellen Kindertarifen oder einem nur den Eltern bekannten Passwort für den App-Store kann man vermeiden, dass Kinder eigenmächtig eventuell unpassende Downloads vornehmen. Ohnehin ist zu beachten, dass alle Plattformen auch eine Altersbegrenzung haben und für unter 13-Jährige vielleicht sogar offiziell noch gar nicht erlaubt sind. 

Als Einstieg für sehr junge Kinder von vier bis zehn Jahren ist beispielsweise das VTech Kidicom Max geeignet. Mit dem kleinen Mini-Computer lässt es sich zwar nicht telefonieren, aber über W-lan viele Smartphone-nahe Eigenschaften kennenlernen und testen. Mit dem Handy auf Android Basis kann man fotografieren, über eine Messenger-Funktion chatten,  eigene Stimmaufnahmen machen und sich mit mehreren vorinstallierten Geschicklichkeits- und Lernspielen beschäftigen. Zudem ist es robust und im Vergleich relativ günstig. Mit zunehmendem Alter empfehlen sich Geräte, die sich weiterhin gut kontrollieren lassen, jedoch mehr können, wie etwa das Samsung Galaxy A20e, das sehr günstige Ulefone Note 7, das übrigens auch über einen GPS-Tracker verfügt, oder das Blackview A60 Pro ohne Vertrag. 

Im Alter verschieben sich die Interessen – das Smartphone benötigt weitere Features.

Sicher im Netz surfen

Auch Kinder wollen schon im Netz surfen – und oft wird es sogar für die Hausaufgaben schon von ihnen verlangt. Um sicherzustellen, dass sie dabei nur kindgerechte Inhalte angezeigt bekommen, raten ExpertInnen von Google, Bing und Co. ab und empfehlen stattdessen spezielle Kindersuchmaschinen wie »Blinde Kuh«, »fragFinn« und »Helles Köpfchen«. Alle Ergebnisse leiten die Kids auf pädagogisch geprüfte und verständliche Informationsseiten weiter. Sind die Kinder dann älter und kennen sich mit dem Internet schon ganz gut aus, kann man sie an Google heranführen und zusätzlich einen Filter wie Google SafeSearch in den Sucheinstellungen aktivieren, um die Gefahr für das Auftauchen unerwünschter Seiten zu verringern. 

Neben allen Maßnahmen und Empfehlungen ist es am Ende jedoch besonders wichtig, dass die Kinder genau wissen, dass man ihnen auch Vertrauen entgegen bringt und dass sie sich umgekehrt auch jederzeit an ihre Eltern wenden können, wenn sie etwas beunruhigt oder sie bei irgendetwas Hilfe benötigen. 

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Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

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