Dürre, Starkregen, Hitzewellen: Klimawandel in Deutschland

Words by Arzu Gül
Photography: v.ivash via Freepik
Lesezeit: 3 Minuten
Vertrocknete Sonnenblumen auf einem Feld - Klimawandel Deutschland

2020 ist das dritte Jahr in Folge, das von einer starken Hitzewelle und wenig Niederschlag gekennzeichnet ist. Wie sieht Deutschlands Zukunft aus, wenn der Klimawandel weiter voranschreitet?

Gleißende Hitze, Temperaturen über 30 Grad und kein Regen. Deutschland erlebte 2020 wahrlich einen rekordverdächtigen Sommer. Während viele aufgrund der Corona-Pandemie ihren Urlaub absagen mussten und sich über die warmen Temperaturen hierzulande freuten, hat das heiße Klima einen sehr ernsten Hintergrund. Die Folgen des Klimawandels sind nun auch in Deutschland sehr deutlich spürbar. Das dritte Jahr in Folge erleben wir einen heißen und trockenen Sommer, was zu Dürren, Wassermangel und Waldsterben führt und Folgen für die Vegetation und die Wirtschaft hat. Worauf muss sich Deutschland in den kommenden Jahren gefasst machen? Und gibt es einen Ausweg?

Die letzten Jahre gehörten zu den heißesten Jahren seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Von 1881 bis 2019 hat sich die mittlere Lufttemperatur in Deutschland um 1,6 Grad erhöht. Allein in den letzten sechs Jahren lag der Anstieg bei 0,4 Grad. Besonders besorgniserregend: Der Temperaturanstieg in Deutschland ist damit überdurchschnittlich hoch, nämlich ein halbes Grad höher als der globale Temperaturanstieg während des gleichen Zeitraums.

 

Drei Jahre in Folge Sommerdürre

2018 und 2019 waren bereits von einer starken Sommerdürre gezeichnet, und zwar nicht nur in Deutschland, sondern in weiten Teilen Mitteleuropas. Die Entwicklungen sind so gravierend, dass ForscherInnen von der schlimmsten Dürre seit 1766 sprechen. Und auch 2020 scheint sich dieser Trend fortzusetzen. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes war der diesjährige April der dritttrockenste April seit Messbeginn in Deutschland im Jahr 1881.

Die Folgen für Menschen und Umwelt sind fatal. Mehrere aufeinanderfolgende trockene Sommer mit wenig Niederschlag im Winter könnten zukünftig negative Auswirkungen auf die Wasserverfügbarkeit haben – in einigen Gemeinden, zum Beispiel dem niedersächischen Lauenau, wurde schon in diesem August das Trinkwasser knapp. Hamburger Umweltsenator Jens Kerstan sprach bereits von einem so hohen Wasserverbrauch in diesem Jahr, wie es ihn noch nie zuvor gegeben habe. Im ganzen Land muss die Landwirtschaft die Bewässerung der Felder sicherstellen, Ernteerträge fallen niedrig aus, Wälder leiden unter der Trockenheit und sind anfälliger für Schädlinge, selbst die Schifffahrt könnte zukünftig von den Entwicklungen betroffen sein. Obwohl wir in Deutschland noch keinen Wasserstress verzeichnen, wird von PolitikerInnen bereits jetzt empfohlen, sparsamer mit Wasser umzugehen.

Der Wassernutzungsindex gibt an, wie hoch die Wasserentnahmen gemessen an den erneuerbaren Wasserressourcen in Deutschland sind. Wenn 20 % oder mehr des Wasserdargebots genutzt werden, wird in internationalen Vergleichen von Wasserstress gesprochen. Eine zu starke Wassernutzung kann zu Umweltproblemen führen und die ökonomische Entwicklung behindern. In Deutschland liegt der Wassernutzungsindex aktuell bei 12,8 Prozent.
(Quelle: Umweltbundesamt)

Doch Wassermangel ist nur eine von vielen Folgen, die der Klimawandel mit sich bringen wird. Auch extreme Wetterereignisse treten immer häufiger auf. So werden beispielsweise die Küstenregionen Deutschlands zukünftig mit einem Anstieg des Meeresspiegels umgehen müssen. Schleswig-Holstein stellt sich bereits auf zunehmende Erosionen ein und verstärkt den Hochwasserschutz. In Mittel- und Süddeutschland können Starkregenfälle und Sturzfluten als Folge des Klimawandels Schäden verursachen. Im Alpenraum besteht zudem die Gefahr von Felsstürzen und Geröll-Lawinen.

Die Folgen für unsere Gesundheit

In direkter Abhängigkeit von der Umwelt hat der Anstieg der Durchschnittstemperatur aber auch weitreichende Folgen für die menschliche Gesundheit. AllergikerInnen und Asthmakranke bekommen die Klimaerwärmung besonders deutlich zu spüren. Die Pollensaison beginnt inzwischen immer früher und dauert auch länger an. Gleichzeitig siedeln sich durch die Hitze neue Pflanzen an, die wiederum Heuschnupfen begünstigen. Aber auch die Tierwelt reagiert auf die steigenden Temperaturen. So bleiben beispielsweise Zecken länger aktiv, wodurch sich das Übertragungsrisiko für gefährliche Krankheiten wie Borreliose und FSME erhöht. Künftig könnten sich hierzulande auch exotische Mückenarten ansiedeln, die wiederum weitere Krankheiten auf den Menschen übertragen.

Das Bewusstsein dafür, dass akuter Handlungsbedarf besteht, ist weit verbreitet. Doch was wir brauchen, sind Taten. Und so wie der Klimawandel jede/n betrifft, ist es auch eine Gemeinschaftsaufgabe von Bund und Ländern, aber auch von uns Bürgerinnen und Bürgern, schnellstmöglich Anpassungsmaßnahmen vorzunehmen und umzusetzen.

Klimaschutz ist eine Gemeinschaftsaufgabe

Die wohl wichtigste Aufgabe besteht darin, Maßnahmen zu entwickeln, um die Vereinbarungen des Pariser Klimaschutzabkommens umzusetzen und den weltweiten Temperaturanstieg und dessen Folgen zu begrenzen. Doch schon heute sind die Klimaveränderungen allgegenwärtig und werden uns in den nächsten Jahren vor vielfältige Herausforderungen stellen. Städte und Länder müssen daher Strategien entwickeln, um das Leben und die Gesundheit auch bei extremen Wetterereignissen sicherzustellen. Gebäude brauchen Sonnenschutz, in Städten müssen mehr Schattenplätze und Trinkwassereinrichtungen zur Verfügung gestellt werden. Weitere Grünflächen könnten dazu beitragen, den Regenwasserrückhalt zu sichern und die Luftqualität zu verbessern.

Da die Regionen in Deutschland sehr unterschiedlich vom Klimawandel betroffen sind, gibt es inzwischen ganz unterschiedliche Bemühungen. Aktuelle Maßnahmenpakete können beim Umweltbundesamt unter »Anpassung auf Länderebene« abgerufen werden.

Ziel eines jeden sollte es sein, die eigenen CO2-Emissionen weitestgehend zu reduzieren. Das geht u.a. mit alternativen Transportmethoden.

Was kann ich selbst tun?

Im Alltag klimaneutral zu leben – das sollte das Ziel einer jeden Person sein. Natürlich ist dies nicht immer zu hundert Prozent umsetzbar, aber jede Bemühung leistet immerhin einen Beitrag. Um die Klimaziele Deutschlands zu erreichen, ist es unbedingt notwendig, unsere CO2-Emissionen zu begrenzen. Die größten Ausstöße werden hierzulande durch Mobilität, Wohnen und Ernährung verursacht.

 

Öfter einmal das Fahrrad oder öffentliche Verkehrsmittel nutzen, statt mit dem Auto zu fahren, Flüge freiwillig kompensieren, den Strom- und Heizverbrauch im Haushalt reduzieren, weniger tierische Produkte essen, up- und recyceln, statt ständig neu zu kaufen – es gibt unzählige Tipps, wie wir täglich zu einem umweltfreundlicheren Lebensstil beitragen und etwas gegen den Klimawandel tun können.

Wer ein Gefühl dafür entwickeln möchte, wie es um den eigenen ökologischen Fußabdruck bestellt ist und in welchen Lebensbereichen noch Optimierungsbedarf besteht, kann dies mit dem »Fußabdruck-Test« der Organisation »Brot für die Welt« herausfinden.

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Arzu Guel

Redakteurin

Nach einem MBA in Medienmanagement und Stationen in der Produktentwicklung, Objektleitung und Vermarktung von Magazinen, hat Arzu Guel zurück zu ihrer eigentlichen Leidenschaft, dem Schreiben und Kreieren von Content, gefunden. Seit September 2019 schreibt sie nicht nur für Monda Magazin, sondern entwickelt auch Formate für unseren Instagram-Kanal. Sie brennt für die Themen Digitalisierung, Future Trends und für Menschen mit einzigartigen Geschichten.

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