Grüner Knopf: Hat er irgendetwas verbessert?

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: Fran Hogan auf Unsplash
Lesezeit: 2 Minuten
Was hat der Grüne Knopf bisher bewirkt?

Im Oktober 2019 haben wir über den »Grünen Knopf«, das erste staatliche Siegel, das fair und ökologisch produzierte Kleidung sichtbar machen soll, berichtet. Heute fragen wir uns: Was hat sich seitdem getan? 

Mit sehr viel skeptischer Neugier wurde das umstrittene Siegel im September 2019 offiziell eingeführt. Von Anfang an als »zahnloser Tiger« bezeichnet, stand sofort fest, dass sich der »Grüne Knopf« erst noch beweisen müsse. Denn keine Frage: Die Mehrheit wünscht sich soziale, ökologische und ökonomische Verbesserungen entlang der gesamten Textil-Lieferkette. Dass das Symbol, das genau dafür stehen soll, allerdings von Unternehmen freiwillig verwendet werden kann, ergibt für Außenstehende in diesem Zusammenhang erst einmal keinen Sinn. Die wenigen, die eh schon ihre Hausaufgaben machen, können sich »auszeichnen« lassen – und der mehrheitliche Rest macht also erst einmal weiter wie bisher.

»Grüner Knopf«: sehr gute Resonanz

Aktuell kennt noch kaum jemand das staatliche Siegel, das den VerbraucherInnen eine verlässliche Orientierung bieten soll. Doch im exklusiven Interview mit dem Branchenmagazin TextilWirtschaft erklärt Anosha Wahidi, Referatsleiterin für nachhaltige Lieferketten und Nachhaltigkeitsstandards beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), wie sich das Siegel in den ersten Wochen nach der Einführung entwickelt hat: »Die Resonanz ist sehr gut, und wir können uns nicht über mangelnde Anfragen beschweren. Zu den 31 bereits geprüften Unternehmen kommen Anfang des Jahres noch weitere Unternehmen hinzu. Mehr als 100 weitere Unternehmen haben Interesse am Grünen Knopf angemeldet und befinden sich im Prüfprozess.«

Die Einführung war gut, jetzt muss sich der »Grüne Knopf« beweisen.

»Grüner Knopf«: Noch erfüllt er nicht seinen Sinn und Zweck

Anosha Wahidi, die die Einführung des »Grünen Knopfes« federführend mitbegleitet hat räumt selber ein, dass das Siegel künftig noch flächendeckender in Erscheinung treten muss – doch ist sie sich sicher, dass es das auch wird. Denn langfristig gesehen soll »der Knopf« einen Wettbewerbsvorteil bieten: KundInnen sollen künftig lernen, darauf zu achten und Kleidung ohne Siegel zu meiden. Unternehmen, die die vorgeschriebenen Bedingungen nicht erfüllen, müssen dann mit großen Einbußen rechnen. Doch bis es so weit ist, wird es vermutlich noch eine ganze Weile dauern.

Auch sonst erfüllt der »Grüne Knopf« aktuell noch nicht seinen eigentlichen Sinn und Zweck, da er lediglich die Nassprozesse (Färben und Bleichen) und die Konfektion und nicht, wie vorgesehen, die gesamte Lieferkette miteinbezieht, heißt es in dem Exklusiv-Interview weiter. »Es ist richtig, dass der Grüne Knopf in der Einführungsphase nicht die komplette Lieferkette abdeckt. Das liegt insbesondere auch daran, dass für die überwältigende Mehrheit von Textilien, die aus synthetischen Fasern hergestellt sind, keine Siegel vorhanden sind, die die Rohstoffgewinnung abdecken. Deshalb wollen wir gemeinsam mit Standards und weiteren Akteuren die Kriterien weiterentwickeln, um perspektivisch die ganze Lieferkette abzudecken. In der nächsten Phase, die Ende 2021 beginnen soll, werden wir das Weben und Spinnen umfassen. Danach haben wir uns die Rohstoffgewinnung vorgenommen«, so Wahidi.

 

Schnelleres Handeln ist gefragt

Die nächste Phase soll also erst Ende 2021 beginnen. Eine ganz schön lange Zeit, wenn man bedenkt, welche Versäumnisse in den letzten Jahrzehnten bereits gemacht wurden. Zum Auftakt der Berliner Fashion Week im Januar 2020 erklärte Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) während einer Diskussionsrunde, dass sie das Siegel für einen guten Anfang halte, es bisher jedoch noch nicht grün genug sei. Um die Überwachung der vollständigen Lieferkette zu gewährleisten und den Prozess zu beschleunigen, plädiert sie für ein sogenanntes Lieferkettengesetz, das, wenn alles gut läuft, schon bald in Kraft treten soll.  

Der Anfang ist also gemacht, und immer mehr Unternehmen, darunter auch die Otto-Group, möchten das Siegel künftig verwenden und so deutlich sichtbar machen, dass ihnen Menschenwohl und Umwelt am Herzen liegen. 

Dazu Passend

Hoch die Tassen! Auf Nachhaltigkeit und unsere Umwelt!

Menstruationscups sind voll und ganz im Mainstream angekommen. Und das hat gute Gründe. Denn: Fit ist das neue Schlank, und wer hat schon Lust, beim Sport fette Einlagen oder unzureichende Tampons zu tragen.

Share:

Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

Kommentieren