Green Deal: EU geht Klimaziele an

Words by Arzu Gül
Photography: freepik
Lesezeit: 2 Minuten
European Green Deal Hand hält Wahlkarte mit Europa Sternen

Mit dem European Green Deal soll die EU bis 2050 klimaneutral werden. Was beinhaltet das Maßnahmenpaket, und welche Veränderungen kommen damit auf uns zu?

 

Eine ambitioniertere und umfangreichere Klima-Strategie gab es in der Geschichte bisher nicht. Bis 2050 soll Europa als erster Kontinent klimaneutral werden. Das möchte die EU-Kommission unter der Leitung der neuen Präsidentin Ursula von der Leyen mit dem Maßnahmenpaket »European Green Deal« erreichen. Die Politikerin ist von der Wichtigkeit des Abkommens überzeugt und bezeichnet dessen Verabschiedung als »Europas »Mann auf dem Mond«-Moment«. Der Grad an Innovation und die Bedeutung für Mensch und Umwelt seien also mit der ersten Mondlandung gleichzustellen. Doch was genau soll eigentlich erreicht werden?

Ziel: Klimaneutralität bis 2050

Europa möchte in Bezug auf Klimaschutz und -technologien eine Vorreiterrolle einnehmen. Hierfür soll ein Klimagesetz verankert werden, das im März 2020 vorgelegt wird und den Grundstein für den Umbau von Energieversorgung, Industrie, Verkehr und Landwirtschaft für alle Mitgliedsstaaten der Europäischen Union legen soll. Die Ziele sind klar definiert: Bis 2030 soll der CO2-Ausstoß im Vergleich zu 1990 um mindestens 50 Prozent sinken. Damit erhöht die EU die bisher angepeilte 40-prozentige Reduzierung um ganze 10 Prozentpunkte. 2050 sollen dann schließlich alle EU-Mitgliedsstaaten klimaneutral wirtschaften. Um dieses Vorhaben zu erreichen, sollen die Länder bis 2023 ihre Klimapläne aktualisieren.  

Die Treibhausgasemissionen zu reduzieren ist das größte Ziel des European Green Deal

Welche Maßnahmen beinhaltet das Paket?

Energie

Für die Umsetzung wurden im »European Green Deal« unterschiedliche Handlungsbereiche definiert. Einer der wichtigsten Punkte bezieht sich wohl auf die Gewinnung von sauberen Energien. Mehr als 75 Prozent der Treibhausgasemissionen der EU fallen auf den Energieverbrauch. Um diesen zu reduzieren, sollen innovative und moderne Technologien und Infrastrukturen gefördert werden. Darunter fällt auch das Beziehen von Windenergie und die Verbesserung der Energieeffizienz von Produkten.

 

Kreislaufwirtschaft

Aktuell stammen nur 12 Prozent der von der EU-Industrie verwendeten Werkstoffe aus dem Recycling. Dieser Umstand soll mit einer Politik, welche nachhaltige Produkte gezielt fördert, verbessert werden. Dabei liegt der Schwerpunkt auf ressourcenintensiven Branchen, wie beispielsweise der Textilwirtschaft, Elektronik und den Kunststoffsektoren. Bis 2030 sollen alle Verpackungen innerhalb der EU wiederverwendbar oder recycelbar sein. Auch eine Abkehr von Einwegprodukten soll erfolgen.

 

Mobilität 

Rund 25 Prozent der CO2-Emissionen entfallen auf den Verkehrssektor. Um diese bis 2050 um bis zu 90 Prozent zu senken, sollen bis 2025 etwa 1 Million Ladestationen und Tankstellen für Elektrofahrzeuge errichtet werden. Gleichzeitig gibt es Pläne für eine höhere Bepreisung von fossilen Energieträgern wie Diesel und Benzin und für eine Eindämmung des Flugverkehrs. Autofahren und Fliegen wird somit potenziell in Zukunft für jeden Einzelnen teurer.

Weitere Maßnahmen erstrecken sich unter anderem auf die Land- und Forstwirtschaft, die Sanierung von Gebäuden, die Beseitigung von Umweltverschmutzung und das Fördern einer nachhaltigeren Lebensmittelkette. 

Bis 2025 sollen 1 Million Zapfsäulen für Elektro-Autos installiert werden

Wie ist der aktuelle Stand?

Da nicht jede Nation die gleichen Mittel und Voraussetzungen hat und sich laut von der Leyen »niemand im Stich gelassen« fühlen soll, sollen Regionen, die aktuell noch sehr stark von fossilen Brennstoffen und Kohleförderung abhängig sind, finanziell unterstützt werden. Die Summe für die Finanzierung beträgt stolze 100 Milliarden Euro, welche die EU-Kommission aus Fonds, Investitionen und dem Eigenkapital entnehmen möchte. 

Wie und ob die Klimaziele in diesem Umfang umgesetzt werden können, ist noch ungeklärt. Bis zur Vorstellung der erforderlichen Gesetze im März bleiben viele Fragen offen. Immerhin: 27 der insgesamt 28 Mitgliedsstaaten haben dem »European Green Deal« fürs Erste zugestimmt. Einzig Polen hat das Paket abgelehnt. Das Land bezieht aktuell fast 80 Prozent seines Stroms aus Kohlekraftwerken. Die Frist zur Klimaneutralität wurde für Polen daher auf 2070 verlängert.

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Arzu Guel

Redakteurin

Nach einem MBA in Medienmanagement und Stationen in der Produktentwicklung, Objektleitung und Vermarktung von Magazinen, hat Arzu Guel zurück zu ihrer eigentlichen Leidenschaft, dem Schreiben und Kreieren von Content, gefunden. Seit September 2019 schreibt sie nicht nur für Monda Magazin, sondern entwickelt auch Formate für unseren Instagram-Kanal. Sie brennt für die Themen Digitalisierung, Future Trends und für Menschen mit einzigartigen Geschichten.

2 Kommentare

Ch.
#2 — vor 12 Stunden 34 Minuten

Erst einmal müsste der Konsum der Gesellschaft massiv zurückgefahren werden, inclusive wie bereits erwähnt, der Bevölkerungszuwachs, das bedeutet in erster Hinsicht für die meisten Verzicht. Bei Verzicht befürchten viele die darauf folgenden langweiligen Alternativen, die man als solche allerdings so nicht empfinden müsste. Vielleicht treten nämlich dann auch wiederum interessante Ideen und Aufgaben ans Tageslicht die wir schon lange beerdigt haben. Nachhaltigkeit würde auch bedeuten, dass man Dinge die bereits existieren zunächst aufbraucht und nutzt. Beispiel Autos, warum können Autos die schon produziert wurden, nicht durch entsprechende Technik umgerüstet werden? Ist dieser Denkansatz abwegiger als weiterhin riesige Ressourcen zu verschwenden für Technologien, die noch immer riesige Fehlerquellen beinhalten? Endlich mal die sogenannte (Obsoleszenz) per Gesetz abschaffen. Die bisher unsere Umwelt in unglaublichem Ausmaß geschadet hat. Das wäre schon ein bedeutender Fortschritt. Es kann doch weiterhin bis zu einer entsprechenden zeitlichen Reife geforscht werden unter Berücksichtigung einer gewissen (Vernunftethik) . Nur will die Weltwirtschaft (Gesellschaft eingeschlossen) und deren hauptsächlichen Akteure, die nur noch Wertschöpfung durch Geld sehen, das zu verhindern wissen.
Nur den gesunden Mittelweg zwischen Kapitalismus und Sozialismus hat man bisher noch nicht gefunden.
Gabriele Hill
#1 — vor 2 Wochen
Wenn nicht die ganze Welt mitmacht, sind die europäischen Anstrengungen sinnlos und zerstören ausschließlich unsere Wirtschaft und den Wohlstand unserer Kinder. Es müssten vor allem mehr Anstrengungen unternommen werden, die gigantische Bevölkerungsexplosion zu begrenzen. Als Hauptverursacher von CO2 Emissionen.

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