Als gäbe es drei Erden: Deutschland verschleudert Ressourcen

Words by Arzu Gül
Photography: veeterzy via Unsplash
Lesezeit: 2 Minuten
Erde Ressourcen Weißer Rauch durch Fabrik Schornstein

Die natürlichen Ressourcen der Erde für 2019 sind schon seit Juli aufgebraucht, und Deutschland hat kräftig dazu beigetragen. Würden alle Menschen so leben wie wir, wären dazu die Ressourcen von drei Erden notwendig. Diese erschreckenden Erkenntnisse hat die Forschungsorganisation »Global Footprint Network« zutage gebracht.

 

Wenn alle Menschen so leben würden wie wir, wo kämen wir dann hin? Diese Frage stellt sich auch jährlich die Organisation »Global Footprint Network« und zeigt auf, wie sehr die Erde unter unserem Ressourcenverbrauch leidet. Dabei errechnet die Non-Profit-Organisation unter anderem den »Earth Overshoot Day« (zu Deutsch: Erdüberlastungstag). Dieser Tag markiert das Datum, an dem der jährliche Bedarf der Menschheit die regenerierbaren Ressourcen der Erde übersteigt. In den letzten 20 Jahren ist dieser Tag immer weiter nach vorne gerückt.

Natürliche Ressourcen sind bereits seit Juli aufgebraucht

In einem neutralen Umfeld sollte der Überlastungstag am 31.12. liegen, also immer dann, wenn das Jahr vorbei ist. 2019 lag der Erdüberlastungstag erschreckenderweise bereits am 29. Juli und markierte damit den frühesten Earth Overshoot Day in der Menschheitsgeschichte. Damit nutzen wir weltweit die Natur rund 1,75-mal schneller aus, als unsere Ökosysteme sich regenerieren können. In anderen Worten: Aktuell leben wir von 1,75 Erden, obwohl wir nur eine besitzen.

Was das für die Umwelt bedeutet, zeichnet sich immer deutlicher ab. Entwaldung, Bodenerosionen, Artensterben, der Klimawandel. Das Bewusstsein über die immer verheerenderen Folgen ist inzwischen in der gesellschaftlichen Mitte angekommen. Die Jugendorganisation »Fridays for Future«, die von der Klima-Aktivistin Greta Thunberg ins Leben gerufen wurde, demonstriert jede Woche für den Einhalt des Pariser Klimaabkommens und ruft PolitikerInnen eines jeden Landes dazu auf, schnell zu handeln und die CO2-Emissionen drastisch zu senken.

Deutschland liegt auf Platz 4!

Doch wer verbraucht eigentlich wie viel? Im internationalen Vergleich liegen die USA auf dem ersten Platz. Würden alle Bewohner der Welt den gleichen Lebensstil führen wie AmerikanerInnen, würden wir ganze fünf Erden benötigen, um den Ressourcenverbrauch auszugleichen.

Auf Platz zwei steht Australien mit 4,1 Erdplaneten. Obwohl der Wert immer noch sehr hoch ist, konnte Australien den Verbrauch seit 2016 (5,4 Erden) um ganze 24 Prozent senken. Nach Russland mit 3,2 Erden liegt im Ranking dann leider auch schon Deutschland auf Platz 4. Ganze drei Erden würde die Menschheit benötigen, wenn alle so leben würden wie die Menschen hierzulande. Damit schneidet Deutschland im europäischen und weltweiten Vergleich sehr schlecht ab.

Finde deinen eigenen ökologischen Fußabdruck heraus

Global Footprint Network versucht nun, mit der Aktion #MoveTheDate Menschen dazu zu bewegen, ihren Konsum und Verbrauch zu überdenken. Würde die Bevölkerung beispielsweise 50 Prozent des Fleischkonsums durch eine vegetarische Ernährung ersetzen, könnte das Datum des Erdüberlastungstags um ganze 15 Tage nach hinten verschoben werden. Die Reduzierung von fossilenergiebedingten CO2-Emissionen um 50 Prozent würde sogar ganze 93 Tage herausschlagen. 

Interessierte können mit dem offiziellen »Footprint Calculator« ihren eigenen ökologischen Fußabdruck messen und errechnen lassen, wie viele Erden benötigt würden, wenn alle Menschen es einem in puncto Verbrauch und Lebensstil gleichtäten. Fällt der Vergleich negativ aus, werden einem direkt Ansätze und Lösungsvorschläge mitgegeben, mit denen sich der Verbrauch reduzieren lässt.

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Arzu Guel

Redakteurin

Nach einem MBA in Medienmanagement und Stationen in der Produktentwicklung, Objektleitung und Vermarktung von Magazinen, hat Arzu Guel zurück zu ihrer eigentlichen Leidenschaft, dem Schreiben und Kreieren von Content, gefunden. Seit September 2019 schreibt sie nicht nur für Monda Magazin, sondern entwickelt auch Formate für unseren Instagram-Kanal. Sie brennt für die Themen Digitalisierung, Future Trends und für Menschen mit einzigartigen Geschichten.

1 Kommentar

Martin Metzdorff
#1 — vor 3 Tage 4 Stunden
Ich arbeite seit fünf Jahren in Südtirol im Schnalstal an einem Projekt um Nachhaltigkeit in
Workshops hier vor Ort erlebbar zu machen. Es entsteht eine alte wasserbetriebene Mühle
und eine venezianische Säge. Inzwischen habe ich in Deutschland etwa 3000 Firmen angeschrieben,
welche sich auf Ihren Internetseiten nachhaltig präsentieren um Interesse zu wecken und
Sponsoren zu finden. Nicht eine Firma hat sich hierauf gemeldet, oder Interesse gezeigt.
Es wird nichts passieren. Was die nächsten Jahre mit unserem Lebensraum passieren wird können wir und nicht ansatzweise vorstellen. Profit, Selbstüberschätzung und Gleichgültigkeit gegenüber
kommenden Generationen werden vorherrschend sein und bleiben.

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