Woher weiß ich, ob eine Freundschaft gut für mich ist?

Words by Shainna Ali
Photography: Luke Porter
Fünf junge Menschen mit verschiedenen Hautfarben stehen lachend in der Abendsonne auf einem Hügel.
Es gibt ein paar klare Anzeichen dafür, ob eine Freundschaft gesund und unterstützend ist. Warum das für dich wichtig ist, kannst du im Artikel »Ist eure Freundschaft gut für dich?« lesen. In diesem Beitrag findest du noch einige weitere Anzeichen. Viel Spaß beim Lesen.  
 

6. Du fühlst dich unterstützt

Eine gute Freundin weiß, wann du Hilfe brauchst. Es kann vorkommen, dass sie so auf dich und deine Bedürfnisse ausgerichtet ist, dass sie diese erkennt, bevor Du selbst überhaupt wahrgenommen hast, dass Dir etwas fehlt. Dann wieder kann es vorkommen, dass ihr zwar nicht bewusst ist, dass du Hilfe brauchst, sie aber sofort Anteil nimmt und aktiv wird, um dir zu helfen, sobald Du auch nur den Mund aufmachst. Gesunde Freundschaften können in Zeiten, in denen wir niedergeschlagen sind und das Selbstvertrauen verloren haben, ein guter Puffer sein, der uns neuen Lebensmut schenkt und uns den Rücken stärkt. Freundschaften rufen einem die eigenen Stärken in Erinnerung, sollte man selbst sie einmal vergessen. In einer ungesunden Freundschaft fühlt man sich nicht oder nicht in diesem Maße unterstützt.

7. Du hast schöne Erinnerungen

In einer gesunden Freundschaft teilt ihr viele schöne Erinnerungen. Das soll nicht heißen, dass es nicht auch mal schlechte Phasen gab, aber die positiven Momente überwiegen ganz klar die negativen. In einer ungesunden Freundschaft fallen einem nicht so ohne Weiteres schöne Zeiten ein. Und wenn doch, werden diese möglicherweise von den vielen schweren und mühsamen Zeiten überschattet, die sich gedanklich in den Vordergrund drängen. Wenn es ganz arg ist, kannst du dir vielleicht nicht eine einzige wirklich positive Erinnerung ins Gedächtnis rufen.

8. Du investierst in die Freundschaft

Gesunde Freundschaften passieren nicht einfach so – um eine starke Verbundenheit zu entwickeln, muss man in die Beziehung investieren. In einer gesunden Beziehung fällt dir das leicht: Du schaufelst Zeit in deinem vollen Terminkalender frei. Auch wenn du erschöpft bist, bist du gerne für deine Freundin da. Und du weißt, dass du ihr ohne Weiteres zinslos Geld leihen würdest. In einer ungesunden Beziehung bist du wahrscheinlich zurückhaltender. Ein Mangel an Vertrauen, an Verlässlichkeit, Respekt und Sicherheit kann dazu führen, dass du gut darüber nachdenkst, ob und wie viel du in die Freundschaft investierst.

 

Du kannst authentisch sein und dich dabei vollkommen sicher fühlen.

9. Du fühlst dich respektiert

Eine gesunde Freundschaft zeichnet sich nicht zwangsläufig durch gemeinsame Werte, Überzeugungen, Ziele und Lebensstile aus. Natürlich helfen diese Aspekte dabei, eine Beziehung aufzubauen, aber noch wichtiger ist, dass ihr euch gegenseitig respektiert – und zwar ungeachtet eurer Ähnlichkeiten oder Unterschiede. Deine Freundin kennt deine Hoffnungen, Bedürfnisse und Grenzen. Und egal ob sie diese teilt oder nicht, bringt sie ihre Achtung vor deiner Person und eurer Verbundenheit dadurch zum Ausdruck, dass sie sie respektiert. In jeder Beziehung kommt es mal zu Meinungsverschiedenheiten, das ist völlig normal. Verletzende Auseinandersetzungen sind es nicht. In einer gesunden Freundschaft kann man unterschiedlicher Ansicht sein und dennoch freundlich, bedacht und teilnahmsvoll miteinander umgehen.

 

10. Du kannst du selbst sein

In einer gesunden Freundschaft kann man authentisch sein, ohne befürchten zu müssen, dafür verurteilt zu werden. Das ist ein großes Geschenk. Eine gute Freundin akzeptiert dich so, wie du bist, und möchte, dass du dich unverfälscht gibst. Durch euer gegenseitiges Verständnis fühlst du dich wohl und kannst dich entspannen. Du grübelst nicht hinterher darüber nach, ob es okay war, eine Verabredung vorzuschlagen, ob du die Nachricht wirklich hättest abschicken sollen oder ob du dein dunkles Geheimnis nicht doch besser für dich behalten hättest. Du kannst authentisch sein und dich dabei vollkommen sicher fühlen. In einer ungesunden Beziehung hast du das Gefühl, dass du dir eine Blöße gibst, wenn du du selbst bist. Es fühlt sich an, als würdest du beurteilt oder sogar angegriffen. Du bleibst nicht nur auf der Hut, sondern versuchst sogar, dich noch zusätzlich zu schützen. So lässt sich eine oberflächliche Freundschaft aufrechterhalten, aber es wird nie die Art von Offenheit erreicht, die notwendig wäre, um die Beziehung zu vertiefen.

 

Diese zehn Anzeichen sollen dir nur als Ausgangspunkt dienen, deine Beziehungen unter die Lupe zu nehmen. Sie sind zwar wichtiger Bestandteil enger Beziehungen, aber nicht jede Beziehung ist gleich. Wenn irgendetwas hiervon auf deine Freundschaft nicht zutrifft, muss das nicht gleich bedeuten, dass sie toxisch ist. Vielleicht ist das auch nur ein Gebiet, auf dem ihr noch wachsen könnt. Und vergiss nicht: Es gehören immer zwei dazu. Wenn du hinter einen der Punkte keinen Haken setzen konntest, kann das natürlich ein Hinweis auf den Zustand eurer Freundschaft sein. Du kannst es aber auch als Gelegenheit sehen, einmal darüber nachzudenken, wie du bzw. dein Verhalten sich auf eure Beziehung auswirkt.

Aus dem Englischen übersetzt von Lea Cyrus

Im Original erschienen in Psychology Today 

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Ist eure Freundschaft gut für dich?

Freundschaften sind etwas Wunderbares. Doch kommt es wie so oft im Leben, auf eine gesunde Mischung an. Ob dir die Freundschaften in deinem Leben guttun und vor allem gesund für dich sind, erkennst du in folgenden Momenten. 
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Dr. Shainna Ali ist Psychotherapeutin und Supervisorin, unterrichtet an der University of Central Florida und der Chicago School of Professional Psychology und macht das Thema „psychische Gesundheit“ einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Sie setzt sich leidenschaftlich dafür ein, Psychotherapie und psychologische Beratung zu destigmatisieren und weltweit ein Bewusstsein dafür zu wecken, wie wichtig es ist, sich um seine seelische Gesundheit zu kümmern.

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