Studie belegt: Das macht Frauen offenbar wirklich glücklich

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: Brooke Cagle auf Unsplash
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Frauen brauchen keine Kinder, um glücklich zu sein
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Egal ob hetero- oder homosexuell: Frauen wird immer wieder gern unterstellt, dass sie ohne Beziehung und Kinder nicht wirklich glücklich werden können. Eine Studie belegt nun das Gegenteil.

 

Schon früh wird jungen Mädchen (und auch Jungen) suggeriert, dass sie früher oder später einmal heiraten und Kinder bekommen werden. Sind wir ab einem bestimmten Alter Single oder haben uns in einer festen Beziehung gegen Kinder entschieden, ploppen plötzlich aus sämtlichen Richtungen die – zum Teil – indiskreten Fragen auf: Wann willst du dir denn endlich einen Partner oder eine Partnerin suchen? Wann willst du denn mit der Kinderplanung loslegen – du bist schließlich auch nicht mehr die Jüngste. 

Macht die Ehe unglücklich?

Der führende Glücksexperte und Verhaltensforscher Paul Dolan an der London School of Economics kennt derartige Fragen und Erwartungen gut. Er ist sich allerdings sicher, dass wir schnellstmöglich umdenken und uns damit abfinden müssen, dass die in vielen Köpfen verankerten traditionellen Faktoren, die uns vermeintlich zum Glück führen, inzwischen nicht mehr zutreffen. Wie The Guardian schreibt, erklärte er in einem Vortrag beim britischen Hay-Festival, seine Untersuchungen hätten ergeben, dass unverheiratete und kinderlose Frauen die glücklichste Untergruppe in der Bevölkerung seien. Sie würden im Schnitt sogar länger leben als ihre verheirateten und kindererziehenden Altersgenossinnen. 

Männer sollten heiraten – Frauen besser nicht

Er ging sogar noch einen Schritt weiter und erklärte klar und deutlich: »Wir haben einige gute Längsschnittdaten, die das Leben verschiedener Personen im Laufe der Zeit abbilden. Und dazu kann ich nur eines sagen: Als Mann sollte man heiraten. Als Frau eher nicht.« Männer sollen demnach von der Ehe profitieren, da sie ab dem Zeitpunkt der Eheschließung im Schnitt weniger Risiken eingehen; mehr Geld verdienen und im Schnitt sogar etwas länger leben als unverheiratete Männer. 

Für Frauen gelte das nicht. In seinem neuen Buch »Happy Ever After – Escaping the Myth of the Perfect Life« (noch nicht in deutscher Übersetzung erschienen) bezieht sich der Forscher auch auf viele weitere Studien, die besagen, dass sich während einer Ehe erwiesenermaßen gesundheitliche Vorteile für Männer ergäben, für Frauen jedoch das Risiko für körperliche und geistige Beschwerden steige.

Kein Mitleid mit Single-Frauen

Jedoch erklärte er auch, Single-Frauen hätten noch immer mit dem Stigma zu kämpfen, eben nur in einer Ehe und mit Kindern glücklich und erfolgreich sein zu können. »Man trifft eine Single-Frau um die 40 ohne Kinder und denkt vielleicht« »Wie traurig. Eines Tages wird sie den richtigen Mann treffen und alles wird sich ändern.« Ich sage: Nein, vielleicht wird sie den falschen Typen kennenlernen. Oder sie trifft jemanden, der sie unglücklicher und weniger gesund macht und sie wird früher sterben«, erklärt Dolan weiter. 

 

Dolans Erkenntnisse sind durchaus interessant. Doch galt auch bereits lange vor seiner Publikation: Wer sich bewusst für ein Leben ohne Partner*in und Kinder entscheidet, sollte vor allem auf das eigene Herz hören und sich nicht von gesellschaftlichen Erwartungen und Zwängen beeinflussen und leiten lassen. Gleiches gilt für Menschen, die sich für die Ehe und für Kinder entscheiden. Wir sind alle unseres eigenen Glückes Schmied, und niemand wird das je ändern können… 

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Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

3 Kommentare

Falko Grau
#3 — vor 2 Monaten 3 Wochen
Ein 5 sekündiger »Fact-Check« über Google gibt zumindest Anlass dazu, an Herrn Dolans Arbeitsethos und -methodik zu zweifeln (er hat in einer Umfrage das »absent spouse« falsch interpretiert: gemeint war verstorben und nicht ausserhalb des Raumes, er hat daraus gemacht, dass Frauen ehrlicher antworten, dass sie unglücklich sind, wenn ihr Mann nicht im Raum ist - das nenn ich mal kreative Wissenschaft), wenn nicht sogar komplett seine Thesen in Frage zu stellen.
Gibt natürlich genügend Frauen, die es gerne hören, dass ihr Leben ohne Männer besser sein wird und deswegen ebenso gerne ein derartiges Buch kaufen.
Traurig, dass es vielen Menschen heutzutage so wichtig ist, so zu tun, als wenn wir ohne enge soziale Kontakte, tiefes Vertrauen und gegenseitige Verpflichtungen besser dran wären.
Ich wollte nie Kinder und es hat sich dann trotzdem ergeben, dass welche entstanden sind. Ich habe in meinem Leben vorher nie eine derartige Sinnhaftigkeit und einen derartigen Reichtum gespürt. Eine enge Beziehung wird durch Kinder auf vielen Ebenen langweiliger (Stichwort Alltag) und es ist schwierig, immer und immer wieder unser hedonismusgetränktes Ich im Zaum zu halten, aber Kindern Liebe zu schenken ist mir persönlich wichtiger und ich erfahre es als sinnstiftender, als immer nur darauf erpicht zu sein, meine egoistischen Bedürfnisse zu befriedigen. Mag sein, dass andere Menschen lieber bis ans Ende ihres Lebens alleine leben und sich darauf konzentrieren, sich alles das zu kaufen was SIE wollen und immer nur das zu machen, was SIE wollen und sich auf gar keinen Fall von bösen Männern oder Kindern einschränken lassen wollen. Viel Spaß dabei.
Diana Deutschmann
#2 — vor 3 Monaten
44, weiblich, seit 18 Jahren Single und ganz ehrlich? Ohne Partner, Mann ist das Leben entspannter, stressfreier, emotional ausgeglichener, einfach sehr viel schöner und netter. Was ich allein während der Solojahre erlebt habe, war schon Grund genug, lieber und gerne allein sein zu wollen. Da draussen gibt es zwei Kategorien: die heimlichen notgeilen Spanner, von denen man dauerbegafft wird oder ausspioniert und dann die Spinner mit den absolut letzten wirklich saudämlichen Anmachen - die Steinzeit lebt also weiter. Was Frauen mögen wie z.B. einfach mal nur ein paar nette Worte und Aufmerksamkeiten (Blumen, etc.) - haben die meisten einfach nicht auf Platte, respektloses dummes und oberflächliches Verhalten ist an der Tagesordnung. Fazit: nicht ansatzweise Lust, überhaupt jemand kennenzulernen, nervt, stresst, langweilig, Zeitverschwendung, gute Gespräche, etc. ..... naja, jeder hat eben seinen eigenen Anspruch. Ich liebe es einfach, meinen Tag selbst zu gestalten und den Aktivitäten, Hobbies, etc. nachzugehen, was mir Kraft, Ruhe, Freude bringt.
Claudia
#1 — vor 4 Monaten 1 Woche
Okay...und was ist mit unverheirateten Frauen, die Kinder haben?

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