Studie erklärt: Auch Männer werden »schwanger«

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: Lindsey Weber auf Unsplash
Studie erklärt: Männer sind auch schwanger

Bei Frauen bringen die Hormone während der Schwangerschaft, der Geburt und kurz danach eine ganze Menge durcheinander. Doch selbst Männer bleiben von diesem Chaos nicht verschont. Ein US-Forscher-Team erklärt, was sich bei ihnen genau verändert. 

 

Schwangerschaft und Geburt verlangen dem Körper der Frau einiges ab. So verändert sich unter anderem der Hormonhaushalt so erheblich, dass frau ab und an selbst nicht mehr so genau weiß, wie ihr geschieht. Insgesamt vier wichtige Hormone machen sich in dieser Zeit an die Arbeit: Die weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron stärken die Mutter-Kind-Bindung und fördern das soziale Verhalten. Darüber hinaus wird vermehrt das Stresshormon Cortisol produziert, um die Frau auf die kommenden Belastungen vorzubereiten. Sogar das männliche Geschlechtshormon Testosteron nimmt zu, um die Aufrechterhaltung der Schwangerschaft zu garantieren. 

Auch Männer werden hormonell auf den Nachwuchs vorbereitet

Doch nicht nur bei uns Frauen sorgt das Kinderkriegen für hormonelle Veränderungen. Für eine Studie im American Journal of Human Biology wurde der Testosteronwert bei werdenden Vätern untersucht. Zuvor war bereits bekannt, dass der Testosteronwert bei kinderlosen Männern im Durchschnitt höher ist als bei Vätern. Dies könnte evolutionär damit begründet sein, dass es frischgebackenen Vätern so leichter fällt, sich liebevoll um den Nachwuchs zu kümmern. In der neuen Studie wurde nun untersucht, ob der Testosteronabfall bereits während der Schwangerschaft der Partnerin beginnt. 

Männer in der Schwangerschaft: Testosteron und Östrogen sinken

Dafür mussten 59 schwangere Frauen und ihre Partner während der neun Monate mehrfach Speichelproben abgeben, die auf Veränderungen bei den vier Hormonen Östrogen, Progesteron, Cortisol und Testosteron untersucht wurden. Dabei kam heraus, dass die getesteten Männer bereits während der Schwangerschaft ihrer Partnerin hormonelle Veränderungen durchmachten, also in gewisser Weise ebenfalls schwanger waren.

Zwar waren die Veränderungen bei ihnen weniger stark ausgeprägt als bei den Frauen – vor allem die Progesteron‑ und Cortisolspiegel blieben beinah unverändert –, doch vor allem die Abnahme von Testosteron zeigt laut Forschern deutlich, dass Männer mit der Zeit ein »hormonelles Anti-Aggressionsprogramm« durchleben. Völlig unerwartet sank übrigens auch der Östrogengehalt, der ja eigentlich die Bindung zum Kind stärkt.  Warum das der Fall ist, können die Forscher nicht mit Sicherheit sagen. Sie vermuten: »Vielleicht ist dies ein Nebeneffekt der Testosteron-Abnahme, denn bei Männern entsteht Östrogen aus Testosteron.«

 

Auch wenn die meisten Männer vielleicht selber gar nicht merken, dass irgendetwas anders ist als sonst – auch sie erfahren hormonelle Veränderungen während der Schwangerschaft ihrer Partnerin. Was genau der Auslöser für den Abfall der Hormone ist, konnten die Forscher mit ihrer Studie übrigens nicht erklären. Wir tippen einfach mal ganz unwissenschaftlich auf ein Wunder der Natur.  

 
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Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

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