Spätes Mutterglück: Risiko oder Chance?

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: Xavier Mouton Photographie auf Unsplash
Frau hält ihren Sohn in den Händen

In vielen Köpfen ist die Meinung verankert: Wer Kinder möchte, sollte so früh wie möglich mit der Planung beginnen. Die Realität ist eine andere. Immer mehr Frauen bekommen ihr erstes Kind im Alter von 40 Jahren. 

 

»Wie lange willst du noch warten?« Frauen zwischen dem 30. und 35. Lebensjahr bekommen häufig Druck von außen zu spüren. Denn spätestens ab Mitte 30 gilt man als »spätgebärend« und wird von der Gesellschaft mit den möglichen Folgen konfrontiert. Frauenärzt*innen sprechen ab diesem Alter von einer Risikoschwangerschaft, die für die Mutter und das Kind zu einem Wagnis werden kann. 

Die Zahl der Spätgebärenden steigt

Doch schon längst ist es keine Seltenheit mehr, das erste Kind jenseits der 35 zu bekommen. Bei inzwischen jeder 4. Geburt ist die Mutter Mitte 30 oder älter. Ein »Trend«, der vor allem durch zahlreiche Promimütter zu einer öffentlichen Debatte wurde.

Doch nicht immer ist spätes Mutterglück eine bewusste Entscheidung: Dass es in der Realität vielen Frauen heute gar nicht möglich ist, wie ihre Mütter mit Anfang 20 das erste Kind zu gebären, wird bei der Debatte häufig außer Acht gelassen. Nach dem Abitur, einem abgeschlossenen Studium und zahlreichen Praktika – die meisten dürften nun bereits Mitte/Ende 20 sein – muss erst einmal eine Festanstellung her. Und da muss man sich dann ja auch erst einmal einen Stand erarbeiten, bevor man sich gleich wieder in die Babypause verabschiedet. Abgesehen davon stehen eventuell auch noch einige Reisepläne auf dem Zettel, die sich ohne Kind leichter realisieren lassen. Für die Familienplanung ebenfalls für viele ausschlaggebend: Der richtige Partner oder die richtige Partnerin. Wer sich im Alter von 30 Jahren verliebt, denkt in der Regel nicht nach wenigen Wochen in der neuen Beziehung schon an ein gemeinsames Kind.

Die Risiken einer späten Schwangerschaft

Nichtsdestotrotz dürfte es für keine Frau ein Geheimnis sein, dass eine frühe Schwangerschaft ihre Vorteile hat. Die Fruchtbarkeit nimmt im Alter nun einmal ab. Frauen, die früher loslegen, können also auch schneller schwanger werden. Hinzu kommt, dass das Risiko für Fehlbildungen mit dem Alter steigt. Auch die Zeit der Schwangerschaft und die Geburt an sich stecken jüngere Frauen in der Regel besser weg. Die anstrengende Anfangsphase mit Baby, die bei den meisten vor allem durch sehr wenig Schlaf geprägt ist, strapaziert das Nervenkostüm eines jeden Elternteils – doch auch das durchzustehen könnte im Alter wesentlich schwerer fallen. 

 

Die Vorteile einer späten Schwangerschaft

Doch kann es auch Vorteile haben, mit der Kinderplanung zu warten. Wer ein gewisses Alter erreicht hat, steht mit großer Wahrscheinlichkeit mit beiden Beinen im Leben, hat bereits vieles ausprobiert und punktet mit Lebenserfahrung, die dem Kind zu Gute kommt. Eventuell konnte zudem bereits ein finanzielles Grundgerüst aufgebaut werden, und durch mehrere Jahre im Job fällt der Weg in die Teilzeit nicht so schwer. Darüber hinaus zeigt eine dänische Studie, dass ältere Mütter die Fähigkeit besitzen, besser auf die emotionalen Bedürfnisse ihrer Kinder einzugehen. Das wirkt sich positiv auf den Nachwuchs aus, der deshalb seltener zu emotionalen und sozialen Problemen neigt. Eine andere Studie besagt, dass Kinder älterer Mütter sogar gebildeter seien und bessere Schulleistungen erzielen würden: »Kinder von älteren Müttern sind gesünder, werden größer und erhalten eine bessere Ausbildung als die Kinder von jüngeren Müttern. Der Grund: Gesundheit und Bildungschancen der Menschen in den Industrieländern verbessern sich von Jahr zu Jahr. Da zahlt es sich aus, später geboren zu werden«, heißt es in der Pressemitteilung des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung. 

Kinder sind etwas Wundervolles, bedeuten aber auch eine große Verantwortung. Genau aus diesem Grund sollte sich keine Frau und kein Paar unter Druck setzen lassen. Jeder sollte unter Berücksichtigung der eigenen Lebensbedingungen selbst entscheiden, wann der richtige Zeitpunkt für ein Kind ist. Spricht aus medizinischer Sicht nichts dagegen, spielt es keine Rolle, ob das eben früher oder später der Fall ist. 

 
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Tags
Familie

Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

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