Warum Sex in der Schwangerschaft so gut tut

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: John Looy auf Unsplash
Eine schwangere Frau wird von ihrem Partner umarmt
Sex macht glücklich, hilft beim Einschlafen und ist gut für das Herz-Kreislaufsystem. Doch gilt das auch für den Sex während der Schwangerschaft? 
 

Zahlreiche Studien belegen, dass Sex eine überaus positive Wirkung auf den Menschen haben kann. Ob mit dem Partner, der Partnerin oder auch allein – wer den Liebesakt mehrmals die Woche voll und ganz genießen kann, ist insgesamt zufriedener und gesünder. Während einer Schwangerschaft sind sich jedoch viele Paare unsicher, ob der Sex dem Ungeborenen schaden könnte, und schränken sich deshalb ein oder verzichten sogar lieber ganz auf die intime Zweisamkeit. 

»Möglich ist, was beiden gefällt«

Doch in den meisten Fällen geben Ärzte grünes Licht. Zu Beginn einer Schwangerschaft können Übelkeit und Müdigkeit die Lust zwar dämpfen. Doch im zweiten Schwangerschaftsdrittel haben sich die Frauen in der Regel an die Hormonumstellung gewöhnt, die auch ein anderes Körperbild und –gefühl mit sich bringt: Die Brüste werden größer und der Genitalbereich wird wesentlich stärker durchblutet – die Folge ist ein gesteigertes Lustempfinden. Da wäre es ja fast schon schade, das nicht auszunutzen! Wie häufig und in welchen Positionen der Sex in dieser Zeit stattfindet, ist jedem Paar selbst überlassen und hängt vor allem von der jeweiligen Bewegungsfreiheit ab. 

Prof. Dr. med. Kai J. Bühling, Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe aus Hamburg, erklärt uns dazu: »Als Position kann das Paar wählen, was ihnen angenehm ist. Im Schwangerschaftsverlauf werden wegen der Größenzunahme des Bauches häufiger die Löffelchenstellung oder aber eine sitzende Stellung der Frau präferiert. Hier gilt: Möglich ist, was beiden gefällt.«

Sex während der Schwangerschaft: jetzt besser nicht! 

Grundsätzlich spricht also nichts gegen den Sex während der Schwangerschaft, erklärt Dr. Kai Bühling weiter. Doch es gibt auch Ausnahmen: »Ausnahmen sind natürlich das Auftreten vorzeitiger Wehen oder einer Gebärmutterhalsverkürzung oder auch Blutungen.« Ist die Schwangerschaft schon so weit fortgeschritten, dass das Kind jederzeit kommen könnte, kann das Ejakulat tatsächlich wehenfördernd wirken. In der Samenflüssigkeit befinden sich Prostaglandine, die den Gebärmutterhals bei der Dehnung unterstützen können. Doch in den Wochen und Monaten davor und sofern Mutter und Kind gesund sind, können weder die Bewegungen noch ein intensiver Höhepunkt dazu führen, dass vorzeitige Wehen ausgelöst werden. Vorsicht ist allerdings bei Infektionen des Partners wie Genitalherpes geboten. In diesem Fall sollte unbedingt ein Kondom verwendet werden. 

Männer machen sich häufig Sorgen

Aus seiner langjährigen Erfahrung weiß Dr. Kai Bühling, dass sich vor allem Männer rückversichern wollen, dass sie ihrer Partnerin und dem Baby keinen Schaden zufügen können: »Erstaunlicherweise kommen Bedenken hinsichtlich des Sex überwiegend von den Männern, die Sorge haben, ihrer Partnerin etwas zuleide zu tun. Einige denken auch, dass das erste, was das Kind sieht, der Penis sein könnte. Das ist natürlich nicht der Fall, da sich zwischen Penis und Kind der Gebärmutterhals befindet. Außerdem wäre es in der Vagina viel zu dunkel.« 

Eine Ausnahme ist der Zweifachvater Tim. Für den 31-Jährigen war der Sex während der Schwangerschaft nicht nur etwas völlig Normales, sondern auch wichtig: »Der Sex zwischen meiner Frau und mir ist ein Akt der Zuneigung und bedingungslosen Liebe. Ich bin mir sicher, dass sich dieses Gefühl bereits auf das Ungeborene überträgt. So bekommt das Baby von Anfang an mit, dass es in eine Welt hineingeboren wird, in der Liebe herrscht. Das finde ich wirklich wichtig.« Und tatsächlich: Während der Schwangerschaft bekommen Babys im Bauch genau mit, ob sich die werdende Mutter wohlfühlt und glücklich ist oder ob sie sich unwohl fühlt und traurig ist. Beim Sex werden das Bindungshormon Oxytocin und das Glückshormon Endorphin ausgestoßen. Die Glücksgefühle, die während und nach einem Orgasmus entstehen, können sich also direkt auf das Kind übertragen. Auch die Zweisamkeit zwischen dem Vater und dem Ungeborenen sind wichtig. Streicheleinheiten des Bauches fördern das Wohlbefinden und tun dem Baby gut. 

Sex nach der Geburt

Nach der Geburt kann es einige Zeit dauern, bis sich Frauen wieder dazu bereit fühlen, mit ihrem Partner oder ihrer Partnerin intim zu werden. Vor allem der Bauch, die Brüste und der Genitalbereich können am Anfang noch sehr empfindlich sein. Die Milchbildung und das Stillen sorgen zusätzlich dafür, dass die meisten Frauen erst einmal keine Lust auf Sex haben. Aus medizinischer Sicht spricht allerdings nichts dagegen. Solange die Geburtsverletzungen noch nicht verheilt sind und der Wochenfluss noch nicht versiegt ist, sollte allerdings besonders auf die Hygiene geachtet und eventuell ein Kondom verwendet werden. Frauen, die nicht oder nur sehr unregelmäßig stillen, können außerdem schon sehr bald nach der Geburt erneut schwanger werden, Verhütung ist also ein wichtiges Thema. 

Der Sex während der Schwangerschaft und auch nach der Geburt ist also in der Regel kein Problem. Wichtig ist, dass sich alle Beteiligten wohlfühlen und die Gesundheit des Ungeborenen nicht gefährdet werden kann. Mit der für das jeweilige Paar perfekten Stellung kann diese Art der Intimität dem Kind sogar guttun. Ein kurzer Check bei der Frauenärztin oder dem Frauenarzt sollte auch die allerletzten Bedenken aus dem Weg räumen. 

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Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

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