Nach der Hochzeit: Lohnt sich ein Wechsel der Steuerklasse?

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: Mark Zamora auf Unsplash
Lesezeit: 3 Minuten
Wann lohnt sich nach der Hochzeit ein Wechsel der Steuerklasse

Nach einer Hochzeit stehen alle Paare vor der Frage: Welche Lohnsteuerklassenkombination ist die richtige für uns? Wann sich ein Wechsel wirklich lohnt…  

Insgesamt gibt es 6 Steuerklassen. Oft hat man keine Wahl, in welche dieser Klassen man kommt. Alleinlebende – also zum Beispiel Singles, verwitwete Menschen oder verheiratete und verpartnerte Paare, die dauerhaft getrennt leben – werden beispielsweise automatisch in die Steuerklasse I eingeordnet. Gleiches gilt für Verheiratete oder Verpartnerte, deren PartnerInnen nur beschränkt steuerpflichtig sind. Alleinerziehende werden der Steuerklasse II zugeordnet. 

Nach der Hochzeit bzw. nach der Eintragung einer Lebenspartnerschaft ist die Sache nicht ganz so eindeutig. Zunächst landet man als verheiratetes oder verpartnertes Paar erst einmal automatisch in der Steuerklasse IV, allerdings kann man sich anschließend bei Bedarf für eine Kombination aus den Klassen III, IV und V entscheiden. Doch was hat man davon? Was für Vorteile kann es einem bringen, als Paar nicht in derselben Steuerklasse zu sein? Ganz einfach: Ein Steuerklassenwechsel entscheidet darüber, wie hoch die monatlichen Abzüge ausfallen und was dem Paar am Ende vom Nettoeinkommen übrig bleibt.

Lohnsteuerklassen: Darum gibt es sie

Doch wozu gibt es Lohnsteuerklassen überhaupt? Alle steuerpflichtigen Menschen werden vom Finanzamt automatisch in eine Steuerklasse eingeteilt. Mithilfe dieser Einteilung berechnet der Staat die monatliche Steuervorauszahlung für das zu versteuernde Einkommen. Darüber hinaus gilt es zu verstehen: Die Höhe der Besteuerung hängt ausschließlich von der Höhe des gemeinsamen Jahreseinkommens ab. Durch die Wahl der Steuerklassen zahlen wir also nicht mehr oder weniger Steuern, es ändert sich lediglich der Zeitpunkt, an dem diese Steuern gezahlt werden (pro Monat oder dann auf einen Schlag mit der Steuererklärung). 

Soll ich die Lohnsteuerklasse wechseln – oder nicht?

Nach der Hochzeit: Wann sind die Steuerklassen IV und IV ratsam?

Wie bereits erwähnt, werden Ehepaare direkt nach der Hochzeit oder Paare, die sich in einer Lebenspartnerschaft haben eintragen lassen, vom Finanzamt automatisch von der Steuerklasse I in die Steuerklasse IV einkategorisiert. Dies verändert nichts an den monatlichen Abzügen, weshalb diese Kombination besonders gut geeignet ist, wenn beide PartnerInnen in etwa das Gleiche verdienen. In diesem Fall sollte an der Steuerklasse auch nichts verändert werden. Übrigens besteht in dieser Konstellation keine Steuererklärungspflicht. Allerdings kann es vorkommen, dass Paare mit der Steuerklasse IV zu viel Steuern zahlen und so Anspruch auf eine Steuerrückzahlung hätten. Deshalb raten Experten dazu, die Mühe trotzdem auf sich zu nehmen.  

Nach der Hochzeit: Wann wird ein Wechsel empfohlen?

Verdienen Ehepaare unterschiedlich viel und besteht dabei mindestens ein Verhältnis von 60 zu 40, kann sich ein Wechsel in die Steuerklassen-Kombination III und V lohnen. Die Person mit dem höheren Einkommen wählt dabei die Steuerklasse III und sichert sich so relativ niedrige Abzüge. Die Person mit dem geringeren Gehalt wird nach Klasse V besteuert und zahlt am Ende höhere Steuern. Der Effekt ist jedoch der, dass so pro Monat ein höheres Haushaltsnettoeinkommen übrig bleibt. Doch Achtung: In diesem Fall ist eine Steuererklärung Pflicht. Und nicht selten kommt es hier zu Nachzahlungen, da am Ende über das Jahr hinweg eventuell doch zu wenig Steuern gezahlt wurden. Ob und wie hoch eine Nachzahlung ausfällt, lässt sich pauschal natürlich nicht sagen. Einen kleinen Anhaltspunkt gibt es allerdings doch: Denn je höher die Differenz zwischen den beiden Gehältern ist, desto höher ist auch das Risiko, dass das Finanzamt Geld zurückverlangt. 

Wie häufig darf ich die Steuerklasse wechseln?

Ebenfalls interessant ist die Frage, wie häufig die Steuerklasse gewechselt werden darf. Denn dass sich beruflich oder privat mal etwas ändert, ist natürlich nicht ausgeschlossen. In diesen Fällen kann die Steuerklasse natürlich an die aktuellen Lebensumstände angepasst werden. Und das geht in der Regel einmal pro Jahr. Der Antrag muss dafür von beiden PartnerInnen unterschrieben werden und bis zum 30. November beim zuständigen Finanzamt eingegangen sein. Der Steuerklassenwechsel gilt dann für das folgende Jahr. Kommt es im selben Jahr dann zu einer Trennung oder wechselt eine/r der PartnerInnen in den Ruhestand (spannende Infos zum Thema Altersvorsorge findest du hier), kann ein weiterer, also ein zweiter, Antrag auf einen Wechsel gestellt werden.

Die falsche Steuerklasse: In diesem Fall erhältst du Geld zurück

Wer versehentlich oder sogar ganz bewusst eine ungünstige Steuerklassenwahl trifft und erst einmal zu viel Steuern zahlt, kann bzw. sollte sich mit der Steuererklärung das Geld zurückholen. Doch auch noch einmal der Hinweis: Im umgekehrten Fall, wer also eine für sich »viel zu günstige« Steuerklassenwahl trifft, muss mit einer Nachzahlung rechnen, die es unter Umständen in sich hat. Dieses Risiko sollte man also immer bedenken und vorsichtshalber das Geld für eine Nachzahlung zurücklegen. 

Weiterführende Informationen zu dem Thema findest du auch auf www.lohnsteuerhilfe.net 

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Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

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