Ist eure Freundschaft gut für dich?

Words by Shainna Ali
Photography: Priscilla du Preez auf Unsplash
Drei Freundinnen haben Spaß zusammen

Freundschaften sind etwas Wunderbares. Doch kommt es wie so oft im Leben, auf eine gesunde Mischung an. Ob dir die Freundschaften in deinem Leben guttun und vor allem gesund für dich sind, erkennst du in folgenden Momenten. 

 

Wir erfahren nicht genug darüber, was gesunde Beziehungen eigentlich ausmacht. Wenn doch, beschränkt sich das meist auf romantische oder familiäre Beziehungen. Freundschaften sind ein wesentlicher Bestandteil des Lebens, und wie jede andere Beziehung können auch sie die unterschiedlichsten Ausprägungen annehmen, von missbräuchlich bis gesund. Freunde können zu unserer Zufriedenheit beitragen, uns Liebe entgegenbringen, uns unterstützen. Leider kann es vorkommen, dass jemand, den du für einen Freund oder eine Freundin hältst, diese Bezeichnung nicht wirklich verdient und im Gegenteil sogar schlecht für dich ist.

Bei Kindern ist die Sache noch unkompliziert: Eine Nachmittagsverabredung, ein geteiltes Butterbrot, eine Einladung zum Geburtstag, und die Freundschaft ist besiegelt. Erwachsenenfreundschaften sind da meist schon etwas komplexer. Wie können wir also herausfinden, wie gut unsere Freundschaften sind? Natürlich hängt dabei viel von der Persönlichkeit der beteiligten Personen ab, aber es gibt einige wichtige Punkte, auf die du achten kannst. An den folgenden zehn Anzeichen kannst du erkennen, wie gesund die Verbindung zwischen euch ist.  

Wendest du dich an deine Freundin, wenn du Hilfe brauchst?

1. Du möchtest deine Freundin teilhaben lassen

In einer gesunden Freundschaft verspürst du den Wunsch, deine Freundin an deinem Leben teilhaben zu lassen. Ob Gutes oder Schlechtes, ob unscheinbare Begebenheit oder großer Augenblick – du möchtest einfach mit ihr in Verbindung treten und eurer Beziehung Nahrung geben. Es muss nicht immer gleich eine weltbewegende Neuigkeit sein – ein scheinbar harmloser Gedankenfetzen tut es auch. Der Impuls, etwas aus deinem Leben mit deiner Freundin zu teilen, löst positive Gefühle in dir aus, und du hoffst vielleicht, dass sich diese positiven Gefühle auch auf sie übertragen. Du denkst gar nicht zweimal darüber nach, ob du ihr etwas erzählen sollst oder ob sich das überhaupt lohnt. Das liegt wahrscheinlich an mehreren Dingen zugleich: Ihr habt ähnliche Interessen, akzeptiert euch so, wie ihr seid, und ihr wisst, dass ihr einander versteht. Du hast also das sichere Gefühl, dass das, woran du deine Freundin teilhaben lässt, bei ihr auf offene Ohren trifft und nicht etwa Irritationen auslöst oder gar als Unannehmlichkeit wahrgenommen wird. Vielmehr weiß sie deine Offenheit zu schätzen und lässt dich ihrerseits auch an ihrem Leben teilhaben. Hingegen deutet es auf eine ungesunde Beziehung hin, wenn du dich instinktiv zurückhältst. Vielleicht möchtest du deine Freundin nur ungern an dem teilhaben lassen, was dir wichtig ist, weil du in der Vergangenheit schon schlechte Erfahrungen mit ihr gemacht hast und sie auf deine Offenheit mit Zurückhaltung, Desinteresse und mangelnder Loyalität reagiert hat.

 

Andere um Unterstützung zu bitten, braucht Mut.

 2. Du bittest sie um Hilfe

Wir alle sind von Zeit zu Zeit auf Unterstützung angewiesen. Wendest du dich an deine Freundin, wenn du Hilfe brauchst? Zuzugeben, dass man Hilfe braucht, macht einen verwundbar. Allein schon, dass du dich deiner Freundin in einer Notsituation öffnen und ihr gegenüber zugeben kannst, dass du Hilfe brauchst, ist schon ein Zeichen für eine gesunde Freundschaft. Du bist dazu bereit, dich ihr gegenüber öffnen, weil du dir sicher sein kannst, dass sie nicht über dich urteilen wird. Sie wird auf deiner Seite sein, dich nicht mit Geringschätzung strafen oder sich von dir abwenden.

Andere um Unterstützung zu bitten, braucht Mut. Dass du das tust, ist ein Zeichen, dass du dich in der Freundschaft sicherfühlst. Wenn man um Hilfe bittet, geht es oft um sehr private Angelegenheiten. Deine Bereitschaft zeigt also, wie sehr ihr einander vertraut. In einer ungesunden Freundschaft bist du zurückhaltender damit, dich deiner Freundin anzuvertrauen, weil du dich nicht darauf verlassen kannst, dass sie teilnahmsvoll und hilfsbereit auf deine Notsituation reagiert.

 

3. Du fühlst eine Verbundenheit

Es ist vielleicht schwer in Worte zu fassen, aber ein Zeichen einer gesunden Beziehung ist das Gefühl, dass man sich verstanden fühlt. Das ist der Fall, wenn man auf einer Wellenlänge ist. Erklärungen sind überflüssig – und falls man doch einmal etwas erklären muss, kann das Gegenüber das schnell nachempfinden. Das kann mit ähnlichen Interessen, Werten, Erfahrungen und Persönlichkeitszügen zu tun haben. Aber so hilfreich, wie solche Faktoren auch sein können – sie sind nicht die Voraussetzung dafür, eine Verbundenheit spüren zu können. In einer gesunden Beziehung muss deine Freundin nicht eine Kopie von dir sein, um dich verstehen zu können. Selbst bei ausgeprägten Unterschieden tragen Anteilnahme, Respekt und Empathie dazu bei, dass man sich verstanden fühlt, und sind entsprechend wesentliche Bestandteile einer gesunden Freundschaft.

4. Du verbringst gerne Zeit mir ihr

In einer gesunden Freundschaft freut ihr euch darauf, Zeit miteinander zu verbringen. Egal ob ihr euch nur selten oder regelmäßig seht, ihr seid einfach gern zusammen. Du stellst ein Treffen mit deiner Freundin nicht in Frage, du überlegst nicht lange, ob du dich mit ihr verabreden sollst, und hast keine Angst vor dem, was sich bei eurer Begegnung abspielen wird. Du fühlst dich wohl, wenn du mit ihr zusammen bist. Du legst nicht jedes Wort auf die Goldwaage und denkst nicht darüber nach, wie du dich verhalten sollst – und deiner Freundin geht es genauso. Ihr nehmt eure gemeinsam verbrachte Zeit als positiv wahr und seid froh und dankbar darüber, zusammen sein zu können. Du gehst fröhlicher durch den Tag, wenn du Zeit mit deiner Freundin verbracht hast. Du fühlst dich vielleicht sogar optimistisch und regeneriert und freust dich schon auf das nächste Mal. In einer ungesunden Beziehung siehst du einem Treffen mit deiner Freundin hingegen eher mit Unbehagen entgegen und fühlst dich nach der Begegnung unter Umständen sogar schlechter als vorher.

 

Gesunde Freundschaften können in Zeiten, in denen wir niedergeschlagen sind und das Selbstvertrauen verloren haben, ein guter Puffer sein…

5. Du denkst gut über sie

Deine unmittelbare Reaktion, wenn du an deine Freundin denkst, kann sehr aufschlussreich sein: Denkst du an die Eigenschaften, die du an ihr schätzt, oder wirst du eher von unangenehmen Gefühlen überschwemmt? Bei einer gesunden Beziehung kann der bloße Gedanke an die Freundin positive Gefühle hervorrufen. Vielleicht musst du sofort daran denken, wie viel Spaß ihr bei eurer letzten Begegnung hattet, vielleicht empfindest du aber auch einfach nur Dankbarkeit für eure Verbundenheit. Das soll nicht heißen, dass deine Freundin keine Fehler hat und eure Beziehung perfekt ist. Es bedeutet schlicht, dass eine gesunde Beziehung auch gesunde Gedanken und Gefühle mit sich bringt.

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Woher weiß ich, ob eine Freundschaft gut für mich ist?

Es gibt ein paar klare Anzeichen dafür, ob eine Freundschaft gesund und unterstützend ist. Warum das für dich wichtig ist, kannst du im Artikel »Ist eure Freundschaft gut für dich?« lesen. In diesem Beitrag findest du noch einige weitere Anzeichen. Viel Spaß beim Lesen.  

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Dr. Shainna Ali ist Psychotherapeutin und Supervisorin, unterrichtet an der University of Central Florida und der Chicago School of Professional Psychology und macht das Thema „psychische Gesundheit“ einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Sie setzt sich leidenschaftlich dafür ein, Psychotherapie und psychologische Beratung zu destigmatisieren und weltweit ein Bewusstsein dafür zu wecken, wie wichtig es ist, sich um seine seelische Gesundheit zu kümmern.

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