Gärtnern oder bildhauern? Wie erziehe ich Kinder richtig?

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: Paige Cody auf Unsplash
Lesezeit: 2 Minuten
Wie erziehe ich meine Kinder richtig?

Wachsenlassen oder führen? Das ist hier die Frage. Welche der beiden Erziehungsmethoden ist die richtige? 

 

Wenn wir Kinder in die Welt setzen, möchten wir alles richtig machen. Die meisten Eltern sind darauf bedacht, anständige, höfliche, weltoffene, kluge und eigenständige Kinder großzuziehen. Eine große Aufgabe, an der wir hin und wieder zu verzweifeln scheinen. Dabei helfen sollen uns Ratgeber, die uns erklären wollen, was das Beste für unser Kind ist und wie wir es optimal auf das spätere Leben ohne Eltern vorbereiten. 

Was genau hierbei aber richtig oder falsch ist, ist ein Thema, bei dem sich die Geister scheiden. Im Wesentlichen gibt es zwei Methoden, zwischen denen in der Pädagogik unterschieden wird und die – mal mehr, mal weniger streng durchgezogen – den erwünschten Erziehungserfolg herbeiführen sollen. Für welche Methode man sich entscheidet, liegt vor allem daran, ob man der Auffassung ist, das Kind sei bei der Geburt ein unbeschriebenes Blatt, oder ob man im Gegenteil davon ausgeht, es sei von Anfang an bereits mit dem Nötigsten ausgestattet. 

Erziehungsmodell »Bildhauer«

Wer sich an die »Bildhauer«-Erziehungsmethode hält, geht davon aus, dass das Kind ein unbeschriebenes Blatt ist und durch Erziehung erst noch geformt werden muss. Wie ein Bildhauer sein »Rohmaterial« bearbeitet, werden dem Kind Eigenschaften, Charakterzüge und Fähigkeiten durch gezielte erzieherische Maßnahmen beigebracht. 

Erziehungsmodell »Gärtner«

Wer sich hingegen bei der Erziehung für die »Gärtner«-Methode ausspricht, ist davon überzeugt, dass das Kind bei der Geburt bereits alles für seine Entwicklung Nötige in sich trägt. Hier geht es nun lediglich darum, ein Umfeld zu schaffen, in dem sich das Kind ohne Hindernisse und negative äußere Einflüsse frei entfalten und entwickeln kann. So kommt es zum Sinnbild des Gärtners: Die Pflanze wird gepflegt, gegossen und vor Unkraut geschützt, entfaltet sich aber im Wesentlichen von allein, und als GärtnerIn erfreut man sich an ihrem stetigen Wachstum.

Welche Erziehungsmethode ist die richtige? 

Doch welche Erziehungsmethode ist die richtige und hat sich bewährt? Was wirklich »richtig« ist, ist schwer zu sagen. Ein klares »Falsch« jedoch kann es vermutlich geben, wenn man sich zu sehr auf eine der beiden Methoden versteift. In diesem Fall wäre also keine der beiden Modelle wirklich »richtig«. Dieser Meinung ist auch Erziehungswissenschaftler und Autor Peter Struck. In seinem Buch »Die Kunst der Erziehung« macht er darauf aufmerksam, dass Kinder menschliche Wesen sind, die wir weder einfach nur formen noch einfach so wachsen lassen sollten, wie es uns beliebt.

Denn: »Kinder gehören uns nicht, wir dürfen sie nur ein Stück ihres Lebens begleiten. Wir erziehen sie, wenn sie noch klein sind; dann geht die Erziehung immer mehr in Beratung über, weil Überzeugung besser ist als Dressur oder Zwang. Schließlich lösen die jungen Menschen sich äußerlich von uns ab, bleiben aber hoffentlich innerlich für immer mit uns verbunden. Erziehung ist ein recht gewaltsamer Begriff, wie auch derjenige der Führung. Wir ziehen nur in dem Sinne an einem Kind herum, wir ziehen es nur insofern hoch, als dass wir seine Sinne und Kräfte in seine Zukunft und in die weite Welt hinaus herausfordern, denn wir dürfen es weder über- noch unterfordern, wenn wir es richtig machen wollen«, erklärt er. 

Es gilt also, das richtige Maß zu finden und den Nachwuchs von Zeit zu Zeit zu formen, um ihn dann auch mal wieder einfach nur wachsen zu lassen. Oder wie seht ihr das? Sind euch die beiden Erziehungsmodelle bekannt? Was haltet ihr davon? Teilt es uns in den Kommentaren mit. 

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Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

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