Wir haben die Frauenlust-App OMGYes getestet

Words by Jana Ahrens
Photography: OMGYes
Rechte Hand einer Frau, die vorsichtig über einen Oberschenkel streift

Was, wenn es eine App gäbe, in der die Lust- und Sex-Erfahrungen von mehr als 2.000 Frauen gebündelt verfügbar gemacht würden? Was, wenn SexualwissenschaftlerInnen diese Erfahrungen so für uns clustern würden, dass sich daraus pragmatische Tipps und persönliche Hilfestellungen für andere Frauen ableiten ließen? Dann ließe sich doch sicher das Mysterium um weibliche Lust unkompliziert enthüllen, oder? Die gute Nachricht ist: Eine solche App gibt es bereits. Sie heißt OMGYes, und wir haben sie für euch getestet.

 

Am Anfang war die Forschung. Die SexualforscherInnen hinter OMGYes waren überrascht, dass es noch nie eine einschlägige Studie gegeben hatte, in der es darum ging, was Frauen beim Sex und bei der Masturbation wirklich genießen und ob es auf dem Weg zum Orgasmus konkrete Techniken gibt. Selbst ExpertInnen und ÄrztInnen taten Fragen nach der Vielschichtigkeit des weiblichen Orgasmus immer wieder schulterzuckend mit einem »Jede Frau ist unterschiedlich, Sie müssen halt herausfinden, was für Sie oder Ihre PartnerInnen funktioniert.« ab. Das wollte das Team um OMGYes so nicht stehen lassen und strengte eine umfangreiche Studie an.

 

OMGyes: Debby Herbenick PHD, über die Studie

 

Das Ergebnis: Ja, Frauenlust ist vielfältig. Aber es gibt mehr Gemeinsamkeiten auf dem Weg zum weiblichen Orgasmus, als vorher angenommen wurde. Und so machten sich die WissenschaftlerInnen gemeinsam mit FilmemacherInnen, PädagogInnen und vielen mehr daran, eine App zu entwickeln, die eine gemeinsame Sprache für Frauenlust findet und dabei lehrreich und unterhaltsam ist.

 

Das bietet OMGYes 

Screenshot von einer Webseite mit Frauenbildern und Kapitelüberschriften wie "Hochschaukeln", "Rhythmus", oder "Umspielen"
Verschiedene Kapitel der ersten Staffel.

 

Abhängig von den abgeschlossenen Auswertungen ihrer Studien stellt OMGYes  ein großes Set an Erklärungen, Videos und gezielten Touch-Simulationen als Paketen zur Verfügung. Dieses Paket nennen sie, ganz wie bei unseren Lieblingsserien, eine Staffel. Über die einzelnen Folgen oder Kapitel dieser Staffel kann man am Tablet oder auf dem Telefon neue Techniken üben. Alles ist unterteilt ist konkrete Ziele, die von den NutzerInnen der Reihe nach oder einfach nach Lust angegangen werden können. Der Fokus liegt dabei auf der persönlichen Erfahrungsvermittlung von Frauen, die in den Videos zeigen, wie sie es selber mögen und was sie mit der Zeit über sich gelernt haben.

 

OMGyes ist kein Abonnement. Eine Staffel von OMGyes ist wie ein Buch: Du bezahlst einmal für dauerhaften Zugang. Außerdem finanziert dein Beitrag unsere nächsten Forschungsrunden.

Funktioniert OMGYes tatsächlich?

Getestet von unserer Redakteurin Jana Ahrens

 

Lee ist eine der Frauen, die ihre Erfahrungen in der App teilt.

 

Ich muss gestehen, dass ich anfänglich skeptisch war. Die Idee von OMGYes erschien mir wie ein gewagter Spagat zwischen Porno und wissenschaftlichem Lehrbuch. Beides Quellen, die mir beim Ausfindigmachen meiner ganz individuellen Lust bisher nicht geholfen hatten.

Doch jetzt bleibt mir nichts anderes übrig, als eine uneingeschränkte Lobeshymne auf OMGYes zu verfassen. Diese App hält, was sie verspricht. Und das sind die Gründe:

Direkt nach dem Login fühlt sich OMGYes wie ein sicherer und unkomplizierter Rückzugsraum an, der gar nichts mit der entblößenden Ausgestelltheit von Mainstream-Pornos oder der Elfenbeinturm-Komplexität von Wissenschaft zu tun hat. Das Design der App ist willkommenheißend, unkompliziert und übersichtlich. Sofort wird sichtbar, dass es hier nicht darum geht, Lust zu optimieren oder zu automatisieren. Stattdessen wird durch die Titel der einzelnen Kapitel die Neugierde geweckt. Serie Eins lockt mit Angeboten wie »Hochschaukeln«, »Öfter Kommen«, »Abschalten« oder »Umspielen«. Zu jedem dieser Kapitel gibt es zunächst Erfahrungsvideos verschiedener Frauen. Sie erzählen und erklären – manchmal sehr explizit und manchmal eher anekdotisch – wie sie mit den verschiedenen Aspekten der Lust umgehen. Und ohne dass es sich im Geringsten peinlich anfühlt zeigen sie, was sie so machen, um Lust auszulösen oder konkret zum Orgasmus zu kommen. Hier konnte ich tief abtauchen und mich mal schmunzelnd und mal hochkonzentriert auf das neue Wissen einlassen.

 

Die Lockerheit und Freude der Frauen von OMGYes ist ansteckend.

 

 

Im nächsten Schritt geht es dann ans »Selberprobieren«. Dafür sind die Touch-Simulatoren da, die den NutzerInnen die Möglichkeit bieten, auf einer interaktiven Vulva bestimmte Bewegungen auszuprobieren und zu üben. Das funktioniert, wie der Name schon sagt, am besten auf einem Touchscreen. Mithilfe von Maus oder Touchpad kann auch auf einem normalen Bildschirm herumprobiert werden. Ich empfehle jedoch von Herzen die Nutzung eines Touchscreens. Zu den Simulatoren muss ich jedoch auch einschränkend sagen: Sie haben einen interessanten spielerischen Effekt, sind einladend und bauen Hemmungen ab. Aber an ein echtes Ausprobieren am eigenen Körper kommen sie lange nicht heran.

 

OMGYES Touch-Simulationen. In der App mit deutschen Untertiteln.

 

Und damit kommen wir zum eigentlichen Clou an OMGYes. Die App ist ein entspannter Einstieg ins nicht zielgerichtete Ausprobieren. Auch wenn die App auf den ersten Blick sehr orgasmusorientiert erscheinen mag, so lässt sich mit ihr – aus meiner Sicht – genau das Gegenteil trainieren. Das Ausprobieren. Das Selbstvertrauen. Die Lust abseits jeglicher durch Kinofilme oder Pornos suggerierter Leistungsziele. Und das ist nicht nur gut für den Kopf, sondern auch gut für den Körper.

 

Ich selber habe auch über die Kapitel-Themen von OMGYes hinaus feststellen können, dass ich bereits eigene Techniken und Erfahrungen habe, die ich vorher gar nicht als solche wahrgenommen hatte. Die ich aber jetzt, im direkten Vergleich zu den OMGYes-Techniken, selbstbewusst ernst nehme und vor allem: besser benennen kann. Damit bin ich dem großen Ziel der MacherInnen von OMGYes – nämlich eine bessere, klarere Sprache für Frauenlust zu finden – ein ganzes Stück nähergekommen. Davon profitiere nicht nur ich, davon profitiert auch mein Partner.

 

Preis-Leistungsverhältnis OMGYes

Das Preismodell von OMGYes ist ein weiterer Grund, diese App zu empfehlen. Im Gegensatz zu so ziemlich allen anderen Online-Services mit Bezahlmodell handelt es sich bei OMGYes nicht um ein Abo. NutzerInnen zahlen einmalig pro Staffel und können von da an für immer auf die Inhalte zugreifen. Das ist auch deshalb so toll, weil sich Bedürfnisse und Ideen mit wechselnden Beziehungsmodellen, PartnerInnen und Lebensabschnitten drastisch ändern können. Dann kann es sehr hilfreich sein, das gleiche Set an Tipps und Erfahrungsschätzen noch einmal durch eine ganz neue Brille betrachten zu können.

 

Aber wachsen tut das Angebot von OMGYes natürlich auch. Neue Themen werden als Pakete in Form von neuen Staffeln hinzugefügt, die dann erneut einmalig bezahlt werden müssen. Mit 45 € pro Staffel – in der um die 12 Kapitel enthalten sind – ist der Preis aus meiner Sicht aber durchaus angemessen. Immerhin lernt man sich und die eigene Lust dank OMGYes noch besser kennen – besser lässt sich Geld doch eigentlich gar nicht anlegen!

Share:

Jana Ahrens

Chefredakteurin

Jana Ahrens liebt die Auseinandersetzung mit den Gegenständen und Situationen eines modernen Lebens. Dabei interessiert sich weniger für schöne Dinge, als eher für die Schönheit ihrer Umstände. Zum Schönen gehört natürlich auch, wenn sich komplexe Themen in verständliche Zusammenhänge zerlegen lassen. Im Januar 2018 hat sie die Chefredaktion des Monda Magazins übernommen.

Kommentieren