Wie viel Elterngeld steht mir zu?

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: Jonathan Borba auf Unsplash
Lesezeit: 3 Minuten
Wie viel Elterngeld steht mir eigentlich zu?

Wer Nachwuchs plant oder kurz davor steht, Eltern zu werden, hat die Möglichkeit, nach der Geburt des Kindes Elterngeld zu beantragen. So viel Geld steht dir zu. 

In den ersten Monaten nach der Geburt eines Kindes bleibt meistens mindestens ein Elternteil zu Hause, um sich intensiv um das neue Familienmitglied kümmern zu können. Um während der Betreuungszeit das fehlende Einkommen zumindest ansatzweise ausgleichen zu können, bietet der Staat eine zeitlich befristete Förderleistung an: das Elterngeld. Das steht übrigens allen frischgebackenen Eltern zu – auch dann, wenn sie vor der Geburt nicht berufstätig waren. Egal ob Studierende, Hausfrauen- und männer, Selbstständige, ArbeitnehmerInnen, Arbeitssuchende, Auszubildende oder Beamte – alle, die ihr Neugeborenes selbst betreuen und aus diesem Grund nicht oder nur in Teilzeit arbeiten können, haben Anspruch auf diese Leistung. Ausgenommen sind Elternpaare, die jährlich über 500.000 Euro (beziehungsweise 250.000 Euro bei Alleinerziehenden) verdienen – ihnen steht das Elterngeld nicht zu. 

Basiselterngeld, Elterngeld Plus oder Partnerschaftsbonus?

Das Elterngeld gibt es in drei Varianten: 

Das Basiselterngeld können beide Elternteile für maximal 14 Monate erhalten, wenn für die Erziehung des Kindes die Arbeit unterbrochen oder die Arbeitszeit verkürzt wird. Unter Paaren können die 14 Monate beliebig aufgeteilt werden – also entweder gemeinsam für einen Zeitraum von sieben Monaten, hintereinander oder auch abwechselnd. Bei allen Varianten ist allerdings zu beachten, dass jedes Elternteil für mindestens zwei Monate aber höchstens für 12 Monate Elterngeld beantragen kann. Das heißt: Auf die vollen 14 Monate kommt man nur, wenn man sich die Erziehungsarbeit teilt. Ausnahme: Alleinerziehende. Diese können die vollen 14 Monate für sich allein in Anspruch nehmen. Wichtig ist außerdem noch, dass das Basiselterngeld nur innerhalb der ersten 14 Lebensmonate des Kindes gezahlt wird. Darüber hinaus können die beiden nächsten Modelle greifen. 

Für Eltern, die beispielsweise in Teilzeit wieder mit der Arbeit beginnen, lässt sich mit dem Elterngeld Plus der Anspruch auf das Elterngeld auf insgesamt 28 Monate verlängern. So kann man mit der monatlichen Zuwendung das eigene Gehalt aufstocken. Man kann das Elterngeld Plus auch beziehen, ohne in Teilzeit zu arbeiten. Man bekommt das Elterngeld dann einfach länger ausgezahlt, dafür fällt der monatliche Betrag jedoch natürlich entsprechend niedriger aus.  

Für vier zusätzliche Monate können Paare den Partnerschaftsbonus erhalten, wenn sie sich dazu entscheiden, parallel in Teilzeit zu arbeiten. Diese vier Monate lassen sich ebenfalls beliebig frei einsetzen. Dieser Bonus ist jedoch an die Bedingung geknüpft, dass pro Person 30 Arbeitsstunden in der Woche nicht überschritten werden. 

Basiselterngeld, Elterngeld Plus und Partnerschaftsbonus lassen sich frei miteinander kombinieren. 

Elterngeld, Elterngeld Plus und Partnerschaftsbonus lassen sich kombinieren.

 Elterngeld: Wie viel steht mir zu?

Wie viel Elterngeld im Einzelnen ausgezahlt wird, hängt immer vom jeweiligen Gehalt vor der Geburt des Kindes ab. In der Regel handelt es sich um 65 % des Nettoeinkommens, allerdings bis zu einer Einkommenshöchstgrenze von 2.770 Euro. Eltern mit einem geringen Einkommen können hingegen bis zu 100 % Elterngeld ausgezahlt bekommen. Für das Basiselterngeld bedeutet das somit, dass Beträge zwischen 300 und 1.800 Euro pro Monat möglich sind. Für das Elterngeld Plus handelt es sich entsprechend um eine Leistungsspanne von 150 bis maximal 900 Euro pro Monat. Wer es genauer wissen möchte, kann vorab mit dem Elterngeldrechner prüfen, wie viel Elterngeld voraussichtlich ausgezahlt wird. Zudem ist wichtig zu wissen, dass die Mutterschutzbezüge voll auf das Elterngeld angerechnet werden.

 Elterngeld: Was benötige ich zur Antragstellung? 

Der Antrag auf Elterngeld kann erst nach der Geburt des Kindes gestellt werden und sollte innerhalb der ersten drei Lebensmonate bei der zuständigen Behörde eingehen. Für Personen aus Berlin, Bremen, Hamburg, Rheinland-Pfalz, Sachsen oder Thüringen kann der Antrag inzwischen sogar ganz bequem über das Online-Portal ElterngeldDigital eingereicht werden. Für die BewohnerInnen der anderen Bundesländer gilt aktuell noch, dass sie ein Antragsformular ausfüllen und bei der zuständigen Elterngeldstelle einreichen müssen. 

Für die Antragstellung sind folgende Nachweise mitzuschicken oder abzugeben – hier einige Beispiele (weitere Unterlagen können je nach Einzelfall nötig sein):

  • Die Geburtsurkunde des Kindes oder die Geburtsbescheinigung, die im Krankenhaus oder von der Hebamme ausgestellt wurde
     
  • Nachweise über das bisherige Einkommen
     
  • Nicht-selbstständige Personen: als Mutter: die Lohn- oder Gehaltsabrechnungen der letzten 12 Monate vor dem Monat, in dem der Mutterschutz begonnen hat; als Vater: die Lohn- oder Gehaltsabrechnungen der letzten 12 Monate vor der Geburt
     
  • Selbstständige: in der Regel der letzte Steuerbescheid
     
  • Arbeitnehmerinnen: Bescheinigungen der Krankenkasse über das Mutterschaftsgeld nach der Geburt und Bescheinigungen des Arbeitgebers über Zuschüsse zum Mutterschaftsgeld
     
  • Beamtinnen oder Soldatinnen: Bescheinigungen über Dienstbezüge während des Mutterschutzes und Bescheinigungen über Zuschüsse zu diesen Bezügen
     
  • Privat versicherte Mütter mit einer Krankentagegeldversicherung: Bescheinigungen der Krankenversicherung über das Krankentagegeld während des Mutterschutzes
     

Und gegebenenfalls: Nachweise über Einkommen, während Elterngeld bezogen wird:

  • Bei nicht-selbstständiger Tätigkeit: Bescheinigung des Arbeitgebers über Arbeitszeiten während des Elterngeld-Bezugs
     
  • Bei selbstständiger Tätigkeit: eine eigene Erklärung über die bisherigen Arbeitszeiten und die Arbeitszeiten während des Elterngeld-Bezugs

Dazu Passend

Was sind wir als Erwachsene unseren Eltern schuldig?

Wir alle haben Eltern. Und wir alle kennen es, das schlechte Gewissen, wenn wir uns mal wieder nicht gemeldet oder nicht ausreichend gekümmert haben. Mütter und Väter leisten viel, doch stehen wir deshalb ein Leben lang in ihrer Schuld? Oder dürfen wir aufhören, uns schuldig zu fühlen? Autorin und Philosophin Barbara Bleisch sagt: »Wir sind unseren Eltern nichts schuldig!«

Share:

Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

Kommentieren