Ehevertrag – the Good, the Bad and the Ugly

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: Sweet Ice Cream Photography auf Unsplash
Ehevertrag
Das Thema Ehevertrag spaltet die Massen. Die einen halten es für unromantisch – andere für völlig vernünftig. Doch was steht eigentlich drin in so einem Vertrag? Und machen wir unseren Liebsten damit automatisch zu einem Geschäftspartner?

Die Planung der eigenen Hochzeit ist eine unglaublich aufregende Zeit. Von der Location über die Gästeliste bis hin zu Tisch-Deko und Brautkleid – alles muss gezielt ausgesucht und gut organisiert werden. In dieser Phase fangen die Schmetterlinge oftmals noch einmal so richtig an zu flattern, und “Love is in the Air” ist nicht nur hörbar, sondern auch deutlich spürbar.

Was die “Liebe in der Luft” allerdings schneller verfliegen lassen kann, als wir später den Brautstrauß werfen, ist der Ehevertrag. Häufig wirkt dieses etwas unromantische Vernunft-Thema eher wie ein Anti-Aphrodisiakum. Doch sollten wir inzwischen nicht etwas entspannter damit umgehen?

WANN WIRD EIN EHEVERTRAG NOTWENDIG UND WAS STEHT DRIN?

Denn feststeht: Wirklich alle, die heiraten, gehen automatisch einen Ehevertrag ein. Mit der Unterschrift beim Standesamt sagen wir nicht nur Ja zur Ehe, sondern auch zu einem Leben in der sogenannten Zugewinngemeinschaft. So nennt sich das nämlich im Amtsdeutsch. Der einzige Unterschied zum bewusst geschlossenen Vertrag: Es wurden keine weiteren, individuellen Regelungen vereinbart. Kommt es zur Scheidung, läuft die Trennung dann nach den gesetzlichen Maßstäben ab, die unter anderem klare Regeln zu Unterhaltsansprüchen vorgeben. Endet die Zugewinngemeinschaft – also die Ehe – durch eine Scheidung, kann ein sogenannter Zugewinnausgleich stattfinden. Aber nur, wenn beide Seiten das wünschen. Zugewinn ist das Vermögen, das während der Ehe mehr oder weniger gemeinsam erwirtschaftet wurde – darunter fallen auch Lottogewinne oder Abfindungen.

Die Mehrheit verlässt sich auf dieses Gesetz und fährt gut damit. Doch es sollte uns bewusst sein, dass ohne weitere Übereinkünfte Ex-Ehepartner einander unterhaltspflichtig sind. Nach der Trennung hat die Person Anspruch auf Unterhalt, die nicht selbst für sich sorgen kann. Erworbene Rentenansprüche müssen ebenfalls ausgeglichen werden (im sogenannten Versorgungsausgleich).

Im Grunde geht es bei einem Ehevertrag darum, die persönlichen Verhältnisse zwischen zwei Menschen zu klären und sich während und nach einer Scheidung (ja, wir müssen realistisch sein – sowas kommt in den besten Familien vor) die Dinge so einfach und entspannt wie möglich zu machen. Eheverträge bieten sich also zum Beispiel an bei:

Doppelverdienern ohne Kinderwunsch: Da beide finanziell unabhängig sind und keine beruflichen Nachteile erleiden, könnte ein Interesse daran bestehen, nach einer Scheidung ohne finanzielle Forderungen auseinanderzugehen. Warum auch nicht? Seins, meins, und tschüss! Wer hat schon Lust auf Streitereien?

Ehevertrag

Ehen zwischen Unternehmern oder Selbstständigen: Logisch: Wer ein eigenes Unternehmen gründet, geht immer ein Risiko ein. Das muss bei der Ehe ja nicht genauso sein. Ein Unternehmen ist ja nicht zwangsläufig riesig und äußerst vermögend. Wer also die mühsam aufgebaute Selbstständigkeit des Partners oder der Partnerin nicht gefährden möchte, regelt das besser im Vorhinein. Denn die gesetzlichen Regelungen können hier schnell an die Betriebssubstanz gehen.

Ehen zwischen unterschiedlichen Nationalitäten: Bei einer Scheidung gilt meistens das Recht des jeweiligen Aufenthaltslandes. In den USA ist das aber nicht so. Hier greifen immer die eigenen Gesetze. Um festzulegen, welches Recht gelten soll, ist ein Ehevertrag perfekt. So gibt es keine bösen Überraschungen.

Deutlichen Unterschieden in Alter und Vermögen: Wer an dieser Stelle auch an einen vermögenden 80-jährigen denkt, der seine 27-jährige Freundin heiratet, weiß, dass ein Ehevertrag in diesem Fall für beide Seiten von Vorteil sein kann. Er geht sicher, dass sie nicht nur an sein Geld will, und sie kann als Liebesbeweis mit ihrer Unterschrift versichern, dass ihre Gefühle wirklich echt sind.

UND WIE GEHT ES JETZT WEITER?

Wer sich für einen Ehevertrag entschieden hat, hat mehrere Möglichkeiten. Der ganz offizielle, aber deutlich kostenintensivere Weg geht über einen Anwalt und zusätzlich einen Notar. Der Anwalt setzt einen Entwurf auf, der nach gemeinsamer Abstimmung vom Notar beglaubigt wird. Konnte man sich schon zu zweit darüber einigen, was im Ehevertrag festgehalten werden soll, reicht der Gang zum Notar. Und keine Sorge: Auch der kontrolliert vor der Beglaubigung zunächst die Richtigkeit. Die Kosten für Anwalt und Notar werden übrigens am Vermögen des Paares berechnet. Wie viel das in etwa wäre, könnt ihr hier nachlesen. Wer jetzt am liebsten sofort einen Ehevertrag aufsetzen möchte, kann das tatsächlich auch online tun. “SmartLaw” bietet die Möglichkeit, sich individualisierbare Eheverträge konfigurieren zu lassen. Diese Möglichkeit ist auch deutlich günstiger als das Gespräch mit dem Anwalt.

Übrigens: Die Entscheidung für oder gegen einen Ehevertrag muss nicht zwingend vor der Hochzeit getroffen werden. Auch während der Ehe kann ein Vertrag aufgesetzt oder nachträglich geändert und angepasst werden.

Ganz unemotional lässt sich also festhalten: Der Ehevertrag bietet nach einer Scheidung die Möglichkeit, auseinandergehen zu können, ohne dass Rosenkriege ums Geld ausbrechen. So kann Platz gemacht werden für die Gefühle, die solche Situationen mit sich bringen. Gefühle und Geld getrennt, klingt das nicht gut? 

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Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

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