Die Treuetesterin: Therese Kersten ist Sherlock Holmes

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: Silvia Weiss
Therese Kersten - Treuetesterin

Als Therese Kersten ein ungutes Gefühl beschlich, wollte sie es wissen: Werde ich betrogen? Damals fühlte sie sich hilflos – niemand konnte ihr bei der Beantwortung dieser Frage helfen. Heute begleitet sie unsichere Menschen. Therese Kersten ist die Treuetesterin.

 

Vertrauen ist für viele Menschen das wichtigste in einer Beziehung – dicht gefolgt von Treue. Doch viele kennen dieses nagende Gefühl der Unsicherheit. Im schlimmsten Fall stellt sich am Ende sogar die Frage, ob der eigene Partner oder die Partnerin fremdgehen könnte. Wer eine Antwort bekommen möchte, sollte natürlich immer sofort das Gespräch suchen. Kurzzeitige Zweifel lassen sich so in den meisten Fällen ganz schnell aus dem Weg räumen.

Therese Kersten befand sich vor neun Jahren genau an diesem Punkt. Doch sie musste damals feststellen, dass ihre große Liebe sie belog und betrog. Fünf Jahre lang ließ sie sich mit geschickten Ausreden davon überzeugen, dass alles in Ordnung sei. »Wenn man betrogen wird, dann fühlt es sich an, als würde alles, was man über die Jahre hart aufgebaut hat, wie ein Kartenhaus zusammenbrechen. Die Liebe, das Vertrauen, die Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft – alles nur noch Luft«, erklärt sie. Ihre negative Erfahrung brachte Therese 2010 auf die Idee, eine eigene Agentur zu gründen. Seitdem kümmern sich »Die Treuetester« erfolgreich um die Anliegen ihrer Klienten, um – wie es heißt – für 100-prozentige Gewissheit zu sorgen.

Unsere Auftraggeber können selbst entscheiden, ob sie ihren Partner nach Testende darüber aufklären.

Therese Kersten

SO GEHEN »DIE TREUETESTER« VOR

Wer seinen Partner oder seine Partnerin testen möchte, kann sich für eine kostenlose Erstberatung per Telefon, E-Mail oder Kontaktformular direkt an Therese wenden. Die Treue-Expertin kümmert sich persönlich um jedes Anliegen und berät ihre Kundinnen und Kunden – etwa 80 Prozent davon sind weiblich – in der weiteren Vorgehensweise. Im nächsten Schritt findet die Auswahl der geeigneten Testvariante statt. Ob per SMS, WhatsApp, Telefon, Mail oder einem persönlichen Treffen – die Kosten für die unterschiedlichen Pakete belaufen sich auf 34 Euro bis 199 Euro. Die Anzahl der Nachrichten und Treffen können individuell besprochen werden. Bei dem SMS- oder WhatsApp-Test werden innerhalb einer Woche bis zu zehn Nachrichten verschickt, die die zu testende Person aus der Reserve locken sollen. Springt diese darauf an, will sich am liebsten direkt treffen oder bricht er oder sie den Flirtversuch offensiv ab? Die oder der Auftraggeber haben auch die Möglichkeit, Einfluss auf den Nachrichtenverlauf zu nehmen. Bei dem persönlichen Treffen gibt es die Möglichkeit zu einem zufälligen Aufeinandertreffen in einer Bar, im Fitnessstudio oder sogar auf dem Weg zur Arbeit. Werden direkt Nummern ausgetauscht und die Partnerin oder der Partner bewusst verschwiegen, oder hat der oder die Treuetesterin trotz großer Charmeoffensive keine Chance? Nach der Durchführung folgt die abschließende Besprechung des Testergebnisses. Am Ende gibt es immer ein schriftliches Protokoll, das zeigen soll, wie sich der oder die Liebste genau verhalten hat. Neben dem Treuetest bietet Therese Kersten übrigens auch Spermaspuren- und Vaterschaftstests an.

DISKRETION IST DAS A UND O

Besonders wichtig ist Therese Kersten die Diskretion. Die getesteten Personen erfahren auch am Ende nicht, dass sie auf einen Lockvogel hereingefallen sind – zumindest nicht von Seiten der Agentur. »Die Testpersonen erfahren in keinem Fall, dass es sich um einen Test gehandelt hat, egal wie dieser ausfällt. Unsere Auftraggeber können selbst entscheiden, ob sie ihre Partner nach Testende darüber aufklären«, sagt sie uns. Hinter »Die Treuetester« stehen mit Therese nicht nur eine Expertin, die sich auch auf ihrem Blog »Die Liebesfibel»mit zahlreichen Beziehungsthemen beschäftigt und beispielsweise ergründet, wann es sich lohnt einen Seitensprung zu verzeihen oder wann Untreue überhaupt beginnt – sondern auch die rund 600 Treuetester in ganz Deutschland. Doch kann sich eigentlich jeder bewerben? Und was muss ich mitbringen, um den Job erledigen zu können? Therese verrät: »Wer Interesse an einem Job hat, sollte offen, flirtfreudig, kreativ und zuverlässig sein. Und natürlich sollte es kein Problem sein, jemanden einfach so anzusprechen.« Welche Tester eingesetzt werden, hängt übrigens stark vom Einsatzort und den möglichen Vorlieben ab, die der oder die Getestete hat.

 

IN DIESEN FÄLLEN KOMMEN »DIE TREUETESTER« ZUM EINSATZ

In vielen Fällen möchten die Klientinnen und Klienten wissen, ob ihr ungutes Gefühl begründet ist oder nicht. Immer häufiger kommt es jedoch vor, dass ein Test vor einem wichtigen Lebensschritt bestätigen soll, dass die Entscheidung für die Partnerschaft auch wirklich die richtige ist. So etwa vor der Hochzeit oder dem Kinderkriegen: »Einige Kunden – Männer und Frauen gleichermaßen – wollen vor einem Heiratsantrag oder vor dem eigentlichen Hochzeitstag auf Nummer sichergehen, ob der Partner auch wirklich der richtige ist.« Im Monat kommen so 30 bis 70 Aufträge zusammen.

Viele Männer klagen darüber, dass sie mit ihrer Partnerin nicht offen über ihre sexuellen Fantasien sprechen können.

Therese Kersten

GIBT ES ANZEICHEN FÜR EINEN SEITENSPRUNG?

Aufgrund ihrer Erfahrung wissen Therese und ihr Team ganz genau, welches Verhalten vermutlich auf einen Seitensprung schließen lässt. Zu den Anzeichen gehören das Verstecken des Handys und ständiges Schreiben, Desinteresse an der eigenen Beziehung, plötzliche und auffallend häufige Kritik, mentale Abwesenheit und unerklärbare Überstunden. Dass man in der eigenen Beziehung betrogen wird, kann laut Therese niemand wirklich verhindern. Sie hat allerdings einige Tipps, um die Chancen zu minimieren: »Man kann es leider nicht verhindern, dass der Partner einen betrügt. Doch ich denke, dass man einiges in der Partnerschaft tun kann, um die Chancen zu minimieren, dass der Partner fremdgeht. Kommunikation ist das A und O und meiner Meinung nach der Schlüssel für eine gute Partnerschaft. Viele Männer klagen darüber, dass sie mit ihrer Partnerin nicht offen über ihre sexuellen Fantasien sprechen können. Sie haben oft Angst vor den Reaktionen, zum Beispiel dass die Partnerin sagt, dass man pervers ist. Frauen sollten dahingehend ein wenig offener werden, was allerdings nicht heißt, dass sie jede sexuelle Fantasie erfüllen sollen.«

Und weiter erklärt sie: »Es ist auch wichtig, dass man sich nach vielen gemeinsamen Jahren noch Ziele setzt, die man zusammen erreichen will. Die Zukunftsplanung ist schließlich noch nicht beendet, wenn man ein Haus baut, heiratet und Kinder bekommt.«

Das abschließende Urteil »Test bestanden« oder »Test nicht bestanden« gibt es übrigens nicht. Da jeder Mensch Treue anders definiert, liefern »Die Treuetester« am Ende die mehr oder weniger harten Fakten. Wie es letztendlich weitergeht, muss in jeder Beziehungskonstellation individuell entschieden werden.

Nach ihrer Negativerfahrung hat Therese für sich entschieden, dass sie die Hoffnung an die große Liebe niemals aufgeben wird. Inzwischen ist sie verlobt und lebt mit ihrem Zukünftigen und der gemeinsamen Tochter in Frankreich…

Über ihre Erfahrungen als Treuetesterin hat Therese Kersten ein Buch geschrieben: »Lockvogel – Mein Leben als Treutesterin«.

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Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

7 Kommentare

P.Fabritz
#7 — vor 1 Jahr
Die Beziehungen Heute sind leider oft zu sehr auf »Das schnelle Erlebniss aufgebaut»und alle sind Himmelhochjauchzend!Wenn dadd di ersten Wonnemonate vorbei sind undman zieht zusammen beginnt die erste Testphase und man merkt ob es viele Reibungspunkte gibt welche man aber gemeinsam lösen kann,oder nicht.Dann wäre die erste Trennung OK.Aber viele sind mit den »kleinen« Fehlern des Partenrs zufrieden und meinen mit der Zeitb legt sich das..das ist der erste große Irrtum.Es sist schon so,nur wer offen Miteinader über --ALLE Probleme_ auch der noch oft aus dem Elernhaus stammenden ‚verklemmten Sexualerziehungsprobleme reden kann,wird eine gute Beziehungaufbauen können.Aber das fängt ja im Elternhaus an.Es gilt schon der alte Spruch»Schau dirdei Schwiegermutter an(Schwiegervater) und Du weist wie ähnlich Dein Partner wird.Stimt nicht immer aber zu90%.Unsere ges.Erziehungswelt ist durch falsche ‚gesellschaftlich Grundlagen falsch aufgestellt,Mutter bleibt Muttet,Vater bleibt Vater,das klingt nach Weichei und auch Härte iste s aber nicht,der Eine erzieht zum Miteinander der Andere erzieht zum Durchsetzen in gesellschtlichen Belangen.
Rollenverteilung soll und muß sein,aber auch hier Miteinander abgesprochen und vereinbar..
Lebt Euren Kindern alles Positiv vor und ihr werdet in Zukunft diese in guten Ehen oder Partnerbeziehungen erleben.
Mop
#6 — vor 1 Jahr 1 Monat
Ich war mit zwei solcher Frauen verheiratet, die immer eine Nebenbuhlerin vermutet hatten. Gott sei Dank bin ich seit langen geschieden und wieder 15 Jahre glücklich neu verheiratet.
Es war nicht leicht sich zu trennen, dafür war die Liebe zu groß. Leider zerstört dieses mistrauen jede Beziehung.
Abu Kicher
#5 — vor 1 Jahr 2 Monaten
Gibt es eigentlch auch Treutester-Tester? Ich würde unbedingt herausfinden wollen, ob meine potenziell Zukünftige einen »Service« beauftragen würde, der mich auf solch menschenverachtende Weise auf die Probe stellt, nur um ihr möglicherweise nicht vorhandenes Selbstvertrauen und Paranoia zu »bestätigen«. Wenn ja, ist es mit Sicherheit nicht dir Richtige für mich...
Ricky
#4 — vor 1 Jahr 2 Monaten
@Nise: Ach wie schön, dass niemand weiß... Die Selbstzweifel lassen sich hinter der Abwertung der »Rivalin« verstecken.
Aus meiner Sicht gibt es einen himmelhohen Unterschied zwischen Partnerschaft und Seitensprung. Ein 22 Jahre dauernder Seitensprung, was soll das bitte sein?
Im übrigen hat das mit dem Thema, Treuetesterin, nicht viel zu tun. Wäre allerdings spannend, was der verheiratete Mann, der seit so langem eine Außenbeziehung führt, beim Treuetest für ein Ergebnis hervorbringt! :-)
Nise
#3 — vor 1 Jahr 2 Monaten
Ich bin seit 22 Jahren die Partnerin eines »Seitenspringers«. Da seine Ehepartnerin scheinbar ein wenig dumm ist, ist es fast klar, dass er als hochintelligenter Mann sich eine etwas HELLERE Frau gesucht hat. Wir haben eigentlich ein gutes Leben. Ich persönlich möchte keinen Dauerpartner, ich finde mein Leben mit »nur gelegentlich« so richtig!
Chriz
#2 — vor 1 Jahr 4 Monaten
Die Treuetesterin erzeugt eine Situation, die bewusst auf das eine heranzielt, diese Situation kommt so gesehen im realen Umfeld oftmals gar nicht so spontan und gezielt vor. Bedeutet für mich, dass man dem Partner bewusst in eine absurde Situation bringt, in welcher er gar nicht unbedingt gekommen wäre.


Andersherum ist es noch abwegiger, was ist, wenn die Treuetesterin gar nicht dem Beuteschema entspricht und etwas an Treue vorgaukelt, wo gar keine ist.


Tipp: In der Partnerschaft /Ehe lieber offen über solche Probleme reden und Lösungen finden. Man(n) geht nicht grundlos fremd, sondern, weil etwas fehlt, was man sich wünscht. Von daher kann man die meisten Probleme oftmals selbst lösen.
Mogy
#1 — vor 1 Jahr 5 Monaten
Was kann eine »Treuetesterin« herausfinden? Dass jemand in einem bestimmten Augenblick nicht auf eine bestimmte Person »anspringt«. Wer seinem Partner nicht vertraut, zu Recht oder nicht, wird sich durch so ein Resultat doch allenfalls für den Augenblick beruhigen - das dahinter liegende Beziehungsproblem wird dadurch auf keine Weise gelöst. Außerdem halte ich die Methode für zumindest anrüchig: Das inkriminierte Verhalten wird durch den »Test« ja erst erzeugt. Das erinnert mich an einen Feuerwehrmann, der den Brand selbst legt, um sich beim Löschen zu profilieren...

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