Dating ab 40 – Die Mehrheit sucht die Liebe online

Words by Arzu Gül
Photography: senivpetro / Freepik
Lesezeit: 6 Minuten
Frau sitzt vor Laptop und lächelt in die Ferne - Dating ab 40

Über 40 und plötzlich Single? Viele neu alleinstehende Menschen finden eine Dating-Landschaft vor, die sich stark von dem unterscheidet, was sie aus ihren 20ern und 30ern kennen.

Die Dating-Welt ist in den letzten Jahrzehnten nicht unbedingt einfacher geworden. Zwar gibt es dank der Digitalisierung heutzutage viel mehr Möglichkeiten, mit Menschen aus aller Welt in Kontakt zu treten, jedoch wird die Suche nach der großen Liebe mit der schier unendlichen Auswahl an potenziellen PartnerInnen gefühlt immer komplizierter. Bereits junge Leute in ihren 20er und 30ern klagen darüber, wie schwierig es heutzutage ist, einen Menschen zu finden, der zu einem passt, der ähnliche Zukunftspläne hat und bei dem dann auch noch die Chemie stimmt. Dabei gibt es in dieser Generation noch genügend gleichaltrige Personen, die alleinstehend sind und sich ebenfalls nach einer Beziehung sehnen. Doch wie sieht es eigentlich zehn oder zwanzig Jahre später aus? In was für einer Dating-Welt finden sich Alleinstehende ab 40 wieder, die beispielsweise nach einer gescheiterten Ehe und mit Kindern abermals eine*n PartnerIn fürs Leben suchen?

Die meisten Singles sind über 40 Jahre alt

Das Thema Dating wird häufig als etwas gehandelt, was vor allem junge Menschen betrifft. Doch das Gegenteil ist der Fall: Laut einer Erhebung der Arbeitsgemeinschaft Verbrauchs- und Mediaanalyse sind 69 Prozent aller Singles in Deutschland über 40 Jahre alt. Ersichtlich wird in der Studie auch, dass der Anteil der Singles mit dem Alter ansteigt: Während Alleinstehende im Alter von 40 bis 49 Jahren rund 9,2 Prozent der Singles in Deutschland ausmachen, sind es in der Altersgruppe von 50-59 Jahre schon 15,5 Prozent. Rund 28 Prozent aller Alleinstehenden in Deutschland sind sogar 70 Jahre oder älter.

Geschuldet ist dieser Trend unter anderem der hohen Scheidungsrate unter den Babyboomern, also der Generation der zwischen 1946 und 1964 Geborenen. Während laut Statistischem Bundesamt 1980 »nur« jede dritte Ehe geschieden wurde, lag die Scheidungsquote 1995 schon bei rund 40 Prozent und 2005 sogar bei über 50 Prozent. Zwar ist die Scheidungsquote in den jüngeren Generationen inzwischen wieder rückläufig (2018 lag sie bei rund 33 Prozent), aber viele Angehörige der älteren Generationen haben eben doch eine Trennung hinter sich. Gleichzeitig ist die Lebenserwartung immer weiter gestiegen, was unweigerlich dazu führt, dass ältere Menschen heute mehr denn je die Zeit und das Bedürfnis haben, neue Beziehungen einzugehen. Dadurch erhöht sich auch die Notwendigkeit eines angemessenen Dating-Markts für ältere Zielgruppen.

Viele Ehen werden heutzutage geschieden. Singles, die bisher jahrzehntelang in einer Beziehung lebten, finden dann eine ganz neue Dating-Welt wieder.

Kompatibilität wird im Alter schwieriger

Hört man sich im Bekanntenkreis um, so geben viele Singles in ihren 40ern an, dass es für sie schwieriger geworden sei, jemanden zu finden, mit dem sie kompatibel sind. PsychologInnen erklären hierzu, dass Menschen mit zunehmendem Alter zwangsläufig wählerischer würden und weniger willens seien, sich für jemand anderen zu verbiegen. Das eigene Selbst verhärte sich – Zeitpläne, Gewohnheiten, Vorlieben und Abneigungen seien möglicherweise schon seit Jahrzehnten festgelegt. Gleichzeitig würden das Leben und die eigene Zeit als zu wertvoll empfunden, um für jemand anderen Kompromisse einzugehen und ständig Dinge zu tun, die nicht der eigenen Wunschvorstellung des Lebens entsprechen. Wer sich in seinen 20ern kennenlerne und eine Partnerschaft eingehe, der werde zweisam erwachsen, forme sich und passe sich immer wieder den Lebensumständen des Partners oder der Partnerin an. Im höheren Alter sei es jedoch schwierig, noch einmal auf diese Weise vollständig mit jemandem zu verschmelzen.

Auch gebe es mit zunehmendem Alter weniger Gelegenheiten, sich im Alltag zufällig über den Weg zu laufen und Hals über Kopf ineinander zu verlieben. Während man in seinen 20ern vielleicht noch jedes Wochenende ausgegangen ist und in Bars und Nachtclubs die Nacht zum Tag gemacht hat oder spontane Kurztrips und Sommerurlaube mit FreundInnen unternommen hat, liegen die Prioritäten zwanzig Jahre später einfach woanders. Und selbst wenn man tatsächlich geneigt wäre, jedes Wochenende auszugehen – wie viele Menschen im Freundes- und Bekanntenkreis befänden sich überhaupt in einer ähnlichen Situation, um einen zu begleiten? 

Online suchen Singles am häufigsten…

Doch wo lernen sich Menschen heutzutage kennen und lieben? Ein naheliegender erster Gedanke ist das Online-Dating. Inzwischen gibt es unzählige Online-Portale und Apps, deren einziger Zweck es ist, bei der Partnersuche zu vermitteln. Die Angebote sind teilweise sogar auf Vorlieben, Hobbys oder Menschen einer bestimmten Region begrenzt, sodass Suchende noch schneller ein passendes Match finden können. Laut einer aktuellen Studie von Bitkom Research machen rund 39 Prozent der InternetnutzerInnen im Alter von 30-49 Jahren und 35 Prozent im Alter von 50-64 Jahren von Online-Dating-Diensten Gebrauch. Ab 65 Jahren sind es immerhin noch 11 Prozent der InternetnutzerInnen, die online (erneut) nach der großen Liebe suchen.

Laut Hanne Huntemann, Dating-Expertin und Ratgeber-Autorin, ist das Internet gegenwärtig tatsächlich DER Ort, um schnell und unkompliziert jemanden kennenzulernen. Sie selbst kenne viele Paare, die sich erfolgreich über Dating-Webseiten kennengelernt haben und bis heute glücklich in einer Beziehung leben. Für die Recherche ihres Buches begab sie sich ebenfalls in die Weiten der Online-Dating-Welt und testete mehrere Angebote aus. Was als reine Rechercheaufgabe begann, endete sogar in einer Beziehung, als sie sich selbst ganz unerwartet über diesen Weg verliebte.

Ob jung oder alt: die Mehrheit der Singles sucht die Liebe heutzutage online

Zwischen langen Fragebögen und schnellem Swipe-Mechanismus

Die Angebote im Internet lassen sich grob in zwei Kategorien unterteilen: Es gibt Singlebörsen, die sich an Jüngere richten – heutzutage häufig in Form von Apps für das Smartphone –, und etwas seriösere, dafür aber kostenpflichtige Partnerschaftsvermittlungen. Bei Letzteren müssen die die NutzerInnen im Vorfeld umfangreiche Fragebögen und Persönlichkeitstests ausfüllen, auf deren Basis im Anschluss passende PartnerInnenvorschläge gemacht werden. Zwar sind diese Angebote nicht ganz günstig und erfordern ein wenig Zeit, jedoch sind die Chancen, jemanden zu finden, der bzw. die den eigenen Vorstellungen entspricht, aufgrund der detaillierteren Angaben und automatisierten Computer-Algorithmen höher.

Bei den Dating-Apps funktioniert der gesamte Prozess der Partnerwahl etwas schneller. Nach einer kurzen Anmeldung und wenigen Angaben zum bevorzugten Geschlecht und der angepeilten Altersgruppe erhält man kurze Zeit später Tausende Vorschläge potenzieller KandidatInnen. Diese werden meist anhand eines oder mehrerer Profilfotos, der Altersinfo und ggf. einer kleinen selbstgeschriebenen Kurzinformation präsentiert. Sagt einem der erste Eindruck zu, wird auf dem Smartphone nach rechts gewischt; hat man kein Interesse, wischt man nach links. Hat die betroffene Person ebenfalls auf diese Weise ihr Interesse an einem bekundet, ergibt sich zwischen beiden NutzerInnen ein »Match« und es öffnet sich ein Chatfenster, über das man Kontakt aufnehmen kann.

Online werden häufig Luftschlösser erbaut, die im realen Leben nicht aufrechterhalten werden können.

Petra Weigel

Laut Petra Weigel, Unternehmerin und Veranstalterin von Offline-Dating-Events, gibt es beim Online-Dating aber ein großes Manko, dessen sich NutzerInnen bewusst sein sollten: die zwischenmenschliche Chemie. Denn ob diese nicht nur virtuell stimmt, lässt sich auch nach einem regen Schriftverkehr nicht sicher sagen: »Sehr wichtig bei der Partnersuche ist vor allem die Chemie – und die hat leider niemand in der Hand. Häufig lernen sich Menschen online kennen und schreiben manchmal wochen- oder sogar monatelang hin und her. Es werden regelrechte Luftschlösser erbaut, alles klingt perfekt. Doch dann kommt das erste Aufeinandertreffen und alles fällt wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Denn beide merken: Die Anziehungskraft fehlt im realen Leben.«

Aus diesem Grund hat Petra Weigel vor einigen Jahren die exklusive Eventreihe OHO ins Leben gerufen, bei der sich ausgewählte Singles im Rahmen gehobener kultureller Veranstaltungen kennenlernen konnten. Für die Teilnahme an den Events mussten sich Interessierte zuvor bewerben und wurden erst eingeladen, wenn es ein passendes Fit für sie gab. Doch nach einigen Veranstaltungen wurde die Event-Reihe eingestellt. Zu gering war die Bereitschaft seitens der männlichen Teilnehmer, zuvor Fragebögen zu beantworten und ein Profil einzureichen. Schnell und unkompliziert soll die Partnersuche sein – und das geht online eben am besten.

Um herauszufinden, ob es im realen Leben auch funkt, empfiehlt Dating-Expertin Petra Weigel ein Treffen nicht allzu lange hinauszuzögern

Sich jünger mogeln? Keine Seltenheit beim Online-Dating

Auch laut Weigel sind Online-Dating-Plattformen deshalb heute DAS Medium der Wahl, um potenzielle PartnerInnen kennenzulernen. Wichtig seien dabei aber vor allem Geduld und Zeit: »Wie auch im realen Leben ist nicht jede Person, die uns vorgeschlagen wird oder der wir über den Weg laufen, direkt ein Seelenverwandter. Beim Online-Dating gibt es immer wieder Hochs und Tiefs und wahrscheinlich sind auch mehrere Dates dabei, die sich als Reinfall herausstellen. Hier heißt es: weitermachen, Geduld haben und sich selbst ehrlich und aufrichtig präsentieren.« Denn Ehrlichkeit, so Weigel, werde in der Online-Welt häufig missachtet. Nicht selten passiere es, dass vor allem ältere NutzerInnen sich ein paar Jahre jünger mogeln, ein Foto aus der Vergangenheit hochladen oder interessante »Fakten« preisgeben, die sich später als Flunkerei herausstellen. Dabei sollte allen bewusst sein, dass sich dann spätestens beim ersten Aufeinandertreffen Enttäuschung breitmachen wird. Ein gesundes Erwartungsmanagement gehört beim Online-Dating also ebenfalls dazu.

Wer es einmal selber ausprobieren möchte, der könne sich laut Weigel guten Gewissens auf den seriösen und etablierten Plattformen umschauen. Statt aber eben wochenlang mit einem Match nur virtuell in Kontakt zu bleiben, empfiehlt sie, bei Interesse direkt miteinander zu telefonieren oder sogar über Videotelefonie zu sprechen. Verläuft auch dieses Gespräch positiv, stehe einem persönlichen Treffen nichts mehr im Wege. Und dabei kann dann eben auch bestimmt werden, ob zwei Menschen sich wirklich zueinander hingezogen fühlen und es auch im realen Leben »Klick« macht.

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Arzu Guel

Redakteurin

Nach einem MBA in Medienmanagement und Stationen in der Produktentwicklung, Objektleitung und Vermarktung von Magazinen, hat Arzu Guel zurück zu ihrer eigentlichen Leidenschaft, dem Schreiben und Kreieren von Content, gefunden. Seit September 2019 schreibt sie nicht nur für Monda Magazin, sondern entwickelt auch Formate für unseren Instagram-Kanal. Sie brennt für die Themen Digitalisierung, Future Trends und für Menschen mit einzigartigen Geschichten.

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