Ein neuer, grausamer Dating-Trend nimmt Überhand: Curving

Words by Arzu Gül
Photography: Yan via Pexels
Lesezeit: 3 Minuten
Frau am Laptop schaut aufs Handy - Curving Dating

Wirst du immer von Deinem Date kontaktiert und anschließend wieder tagelang ignoriert? Dann bist du vermutlich Opfer des neuen Dating-Trends: Curving.

In der heutigen Zeit gibt es viele grauenhafte Dating-Trends. Durch die Vielzahl von Online-Dating-Plattformen und -Apps ist es immer einfacher geworden, neue Menschen kennenzulernen und auch schnell wieder aus dem Leben zu verbannen. Lose Bekanntschaften und belangloses Flirten gehören inzwischen zum Single-Alltag ganz selbstverständlich dazu. Während einige Menschen tatsächlich noch die große Liebe suchen, ist Dating für andere nur noch ein netter Zeitvertreib, um der Langeweile aus dem Weg zu gehen.

Egoistische Dating-Trends: »Ghosting« und »Curving«

In den letzten Jahren haben sich daher viele negative Verhaltensmuster im Dating offenbart. »Ghosting« beispielsweise beschreibt eine Verhaltensweise, bei der jemand den oder die Dating-PartnerIn von einem Tag auf den anderen ignoriert, ihn oder sie auf sozialen Kanälen blockiert und auf keine Nachrichten mehr reagiert. Statt also offen Stellung zu beziehen und zu erklären, warum man kein Interesse mehr an weiteren Treffen oder Gesprächen hat, wird die andere Person einfach konsequent gemieden, in der Hoffnung, dass sie es so »selber merkt« und die Kontaktversuche sein lässt. Wem bei dieser Beschreibung die Wörter »feige« oder »egoistisch« in den Sinn kommen, der hat absolut recht. Ein »Ghoster« hat Angst vor Konfrontationen, schämt sich für seinen plötzlichen Sinneswandel und versucht, der Situation einfach aus dem Weg zu gehen. Wie viele Fragen beim Gegenüber deshalb offengelassen werden und wie weh diese Art der Zurückweisung tut, scheint in Anbetracht der eigenen Entlastung irrelevant zu sein.

Nun aber hat sich schleichend ein weiterer Dating-Trend breitgemacht: das »Curving«. Damit wird ein Dating-Verhalten beschrieben, bei dem jemand immer wieder kleine Hoffnungsimpulse liefert, erst nach Tagen auf Nachrichten antwortet, Komplimente macht, nur um daraufhin wieder abzutauchen. Dem englischen Wortursprung entsprechend wird hier »eine Kurve« um die Person gemacht, doch ganz verschwinden tut der »Curver« nie.

Woran erkenne ich »Curving«?

Zwei Personen verstehen sich gut miteinander, haben regelmäßigen Kontakt und telefonieren vielleicht sogar ab und zu – doch es kommt nie zu einem Treffen. Jedes Mal, wenn ein potenzielles Date angesprochen wird, wird schnell das Thema gewechselt oder die andere Person hat ausgerechnet zu dem Zeitpunkt keine Zeit. Es gibt viele Ausreden, warum ein Treffen nie stattfinden kann: Es ist extrem stressig auf der Arbeit, ein Familienmitglied hat Geburtstag, die Person muss spontan auf Geschäftsreise oder liegt krank im Bett. In jedem Fall gibt es eine plausible Entschuldigung. Man würde sich so gerne treffen, aber es sei unter diesen Umständen einfach nicht möglich: »Schade! Aber nächstes Mal klappt es ganz bestimmt«.

Ebenfalls typisch für »Curving«: Nachrichten werden mit extremer Zeitverzögerung beantwortet. Anders als beim »Ghosting«, bei dem irgendwann einfach keine Nachricht mehr kommt, wird hier immer auf Mitteilungen reagiert. Nur eben manchmal erst Tage oder Wochen später. Begleitet wird die späte Antwort meist wieder mit einer nachvollziehbaren Entschuldigung, was es Betroffenen besonders schwer macht, den Tatsachen in die Augen zu blicken und zu erkennen, dass aus dieser Bekanntschaft nie eine ernste Beziehung werden wird. Denn obwohl aus den Zeichen und mehr oder weniger subtilen Andeutungen eigentlich klar die Gleichgültigkeit des Gegenübers spricht, reichen diese sparsamen Kontakte dennoch aus, um die Hoffnung aufrecht zu erhalten. Vielleicht war er oder sie ja tatsächlich auf der Arbeit überfordert? Vielleicht hat die Person ja tatsächlich drei Tage lang das Handy verlegt? Oder er oder sie ist einfach nicht gut darin, auf Chatnachrichten zu antworten?

Nein, nein und nochmals nein.

Auch wenn immer mal wieder ein Hoffnungsschimmer aufflammt - mit einem »Curver« wird es wohl nie zum Date kommen

Es wird niemals zu einer Beziehung mit dieser Person kommen

Es gibt im Wesentlichen zwei Erklärungen dafür, dass jemand »Curving« betreibt. Szenario A: Die Person hat definitiv kein weitergehendes Interesse, genießt aber von Zeit zu Zeit die Aufmerksamkeit und möchte sich den Kontakt warmhalten, um das eigene Ego zu befriedigen. Szenario B: Die Person hat kein Interesse, traut sich aber nicht, die Wahrheit auszusprechen, und hofft, dass der Kontakt durch das ständige Ignorieren und Absagen von alleine abebbt. 

In jedem Fall ist klar: Als »Empfänger« eines solchen Verhaltens ist man der oder die Leidtragende, und je eher es einem gelingt, den Schlussstrich zu ziehen, desto besser. Es mag sein, dass ein »Curver« aus einer guten Intention heraus handelt und die andere Person nicht mit einer klaren Abweisung verletzen möchte, aber das Ergebnis bleibt das Gleiche: Es wird mit den Gefühlen des Gegenübers gespielt und Hoffnungen werden unnötigerweise aufrechterhalten. Die Beziehung zu einem »Curver« ist absolute Zeitverschwendung, denn statt immer weiter darauf zu warten, dass einem gelegentlich Zuneigungsalmosen hingeworfen werden, könnte man seine Zeit besser dazu nutzen, jemanden zu finden, der oder die einen nicht nur verwirren und ausnutzen möchte, sondern wirklich mit einem zusammen sein will.  

Wer also den Verdacht hat, es mit einem »Curver« zu tun zu haben, sollte das tun, was dieser am meisten fürchtet: die Konfrontation suchen. Statt die ständigen Ausreden klaglos hinzunehmen, raten PsychologInnen dazu, ganz offen auf die Person zuzugehen und sie geradeheraus zu fragen, ob bzw. warum sie kein Interesse an einem echten Date hat. Wer auch auf diese direkte Frage nur eine schwammige Antwort oder halbherzige Ausrede erhält, nimmt sein Schicksal am besten selbst in die Hand und erklärt ganz ehrlich und erwachsen, kein Interesse mehr an der Bekanntschaft zu haben und den Kontakt hiermit zu beenden. So spart man sich nicht nur wertvolle Lebenszeit, sondern beeindruckt im besten Falle noch den »Curver« mit dem Mut und der Direktheit, die er oder sie nie aufbringen konnte.

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Arzu Guel

Redakteurin

Nach einem MBA in Medienmanagement und Stationen in der Produktentwicklung, Objektleitung und Vermarktung von Magazinen, hat Arzu Guel zurück zu ihrer eigentlichen Leidenschaft, dem Schreiben und Kreieren von Content, gefunden. Seit September 2019 schreibt sie nicht nur für Monda Magazin, sondern entwickelt auch Formate für unseren Instagram-Kanal. Sie brennt für die Themen Digitalisierung, Future Trends und für Menschen mit einzigartigen Geschichten.

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