Paartherapie: Funktioniert sie wirklich?

Words by Dianne Grande
Photography: Dương Hữu
Die Arme von zwei Menschen, die außerhalb des Bildes stehen und sich an den Händen halten. Im Hintergrund ein Baum.
Wie ihr vorhersagen könnt, ob eine Paartherapie bei euch Aussicht auf Erfolg hätte. Wenn ihr darüber nachdenkt, eine Paarberatung zu machen, aber euch nicht sicher seid, ob das überhaupt die Mühe wert ist, seid ihr nicht die einzigen. Vielleicht habt ihr von Freunden gehört, dass es sich nicht gelohnt habe, oder habt selbst schon einen erfolglosen Versuch hinter euch. In diesem Artikel werde ich ein paar Fragen beantworten, die mir häufig von Leuten gestellt werden, die sich darüber Gedanken machen, ob eine solche Beratung funktioniert, und wenn ja, wer davon profitieren kann.

Warum sind so viele Menschen skeptisch, wenn es um Paarberatung geht?

Es ist durchaus nachvollziehbar, dass viele Leute an der Effektivität von Paarberatungen zweifeln. Bis in die 1980er Jahre hinein hatten die Methoden, die bei der Arbeit mit Paaren hauptsächlich zum Einsatz kamen, nur begrenzten Erfolg: Die durchschnittliche Erfolgsrate lag etwa bei 50 Prozent. Es wurden hilfreiche Fähigkeiten vermittelt – zum Beispiel einander richtig zuzuhören und die Perspektive des jeweils anderen anzunehmen. Man versuchte, Zuschreibungen (also Erklärungen, die wir uns selbst für das Verhalten des anderen geben) so zu verändern, dass sie nicht mehr negativ waren (z. B. „Du kommst immer zu spät, weil ich dir einfach nicht wichtig genug bin“), sondern positiv oder zumindest neutral („Ich merke, dass es dir schwer fällt, dich zeitlich zu organisieren“).

Neben der Liebesbeziehung auch die Freundschaft zueinander pflegen.

John Gottman hat mit seinen Untersuchungen sehr dazu beigetragen, kritische Verhaltensweisen zu identifizieren, die es zu vermeiden gilt, wenn man eine glückliche Beziehung führen möchte. So soll man beispielsweise auf sarkastische und verächtliche Bemerkungen verzichten und neben der Liebesbeziehung auch die Freundschaft zueinander pflegen (Gottman und Silver, 2014). Das war zwar alles schön und gut, aber nicht genug, um dauerhafte und tiefgreifende Veränderungen in Beziehungen herbeizuführen. Selbst wenn die Paare bei Abschluss der Therapie angaben, ihre Situation sei nun weniger belastend, war es meist so, dass die neuen Angewohnheiten in den darauffolgenden Monaten allmählich wieder vernachlässigt wurden und die alten Probleme erneut zum Vorschein kamen. 

Wie effektiv ist Paartherapie?

Die gute Nachricht: Die gegenwärtig praktizierte Emotionsfokussierte Paartherapie (EFT) ist nun in etwa 75 Prozent der Fälle erfolgreich. Diese Zahlen stammen von der American Psychological Association und basieren auf mehr als 25 Jahren Forschung. In den Ergebnisstudien zur Paartherapie wurden auch Paare berücksichtigt, die besonders großen Belastungen ausgesetzt sind, wie z.B. Paare im Militärdienst, Veteranen mit posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS), Eltern chronisch kranker Kinder und Paare mit unerfülltem Kinderwunsch. Die Ergebnisse sind auch über verschiedene Kulturkreise hinweg positiv und substantiell.

Wie wird Erfolg in der Paartherapie gemessen?

Meistens erfolgt die Ergebnismessung hier über eine Selbstbeurteilung anhand eines speziellen Fragebogens, dem sogenannten Dyadic Adjustment Scale (DAS). Diese Methode wird seit 1976 angewandt und eignet sich gut, um aktuelle Erfolgsraten mit denen vergangener Jahrzehnte zu vergleichen. Das positivste Ergebnis dabei ist, dass die Zahl der Beschwerdepunkte („Beziehungsprobleme“) zwischen den Partnern abnimmt. Für jedes Paar werden die Werte nach Abschluss der Therapie mit denen vor der Therapie verglichen. Darüber hinaus werden sie auch zu den Werten von Paaren in Beziehung gesetzt, die noch auf der Warteliste für eine Behandlung stehen. Es konnte festgestellt werden, dass die positiven Ergebnisse durchgängig mindestens zwei Jahre nach Abschluss der Beratung anhalten (Johnson et al., 1999).

Jede noch so glückliche Paarbeziehung kann einmal in die Krise geraten.

Wer sind die 25 Prozent, bei denen eine Paartherapie eher „scheitert“?

Paare in gewalttätigen Beziehungen (egal, ob es sich um körperliche oder um emotionale Gewalt handelt) sollten durch eine Therapie keine Besserung erwarten, solange die Gewalt nicht abgestellt wird. In solchen Fällen wird oft empfohlen, die Partner getrennt voneinander zu therapieren und auf bessere Selbstkontrolle bzw. besseren Selbstschutz hinzuarbeiten. Auch Paaren, die gerade einen Trennungsprozess durchlaufen, wird von EFT eher abgeraten. Ein Trennungsprozess läuft den Zielen von EFT zuwider, wo es ja gerade darum geht, eine sicherere Bindung aufzubauen. Wenn Suchtmittelmissbrauch nicht mit körperlicher oder emotionaler Gewalt einhergeht, steht er einer Paartherapie nicht entgegen – vorausgesetzt der süchtige Partner arbeitet aktiv daran, seine Abhängigkeit in den Griff zu bekommen.

Wie funktioniert die Emotionsfokussierte Paartherapie?

Kurz zusammengefasst handelt es sich bei EFT um einen systematischen Ansatz, um festgefahrene Interaktionsmuster in belasteten Partnerschaften aufzubrechen und damit zu verändern, wie die Partner emotional aufeinander reagieren. Anders als frühere Therapieansätze, die darauf ausgerichtet waren, Verhaltensweisen und Gedanken zu verändern, führt EFT zu einer veränderten emotionalen Reaktion, wodurch die emotionale Bindung gestärkt wird. Das Ziel ist eine sicherere Bindung zwischen den Partnern. In meiner Erfahrung braucht es dafür mindestens sechs Monate. Viele Paare benötigen auch mehr Zeit – wie viel genau, das hängt von den jeweiligen Lebensumständen und der Sitzungsfrequenz ab.

Wie kann man die Erfolgschancen maximieren?

Wenn Paare, die mit einer Therapie beginnen, die Bereitschaft mitbringen, ein paar Grundkompetenzen zu erlernen, ihren eigenen Ängsten, Wünschen und Bedürfnissen auf den Grund zu gehen und sich dem anderen in all ihrer emotionalen Verwundbarkeit zu öffnen, stehen die Chancen für einen Therapieerfolg am besten. Dafür braucht es nur sehr grundlegende Kommunikationsfertigkeiten, zum Beispiel die Fähigkeit, seine Gefühle in Worte zu fassen. Vielen Menschen fällt es schwer, Gefühle von Gedanken zu unterscheiden. Oft liegt das darin begründet, dass sie als Kind nicht gelernt haben, ihre Gefühle zu identifizieren und zu benennen. Das lässt sich jedoch nachholen und wird im Rahmen der Therapie unterstützt. Eine weitere wichtige Eigenschaft von Paaren, bei denen eine Therapie Erfolg hat, ist die Fähigkeit, sich gegenseitig nicht mehr als Gegner wahrzunehmen, sondern eher als Teamkollegen, die an einem Strang ziehen, um die Zufriedenheit in der Partnerschaft zu verbessern.

Der Wunsch nach einer langlebigen Partnerschaft ist weit verbreitet.

Indem man einander als „Teil desselben Teams“ ansieht, vergrößert man die Kooperationsbereitschaft und ist auch eher dazu bereit, emotionale Verwundbarkeit zuzulassen. Drittens ist es zentraler Bestandteil der EFT, dem Partner mit Empathie begegnen zu können. Jeder muss der Verwundbarkeit und den emotionalen Traumata des Partners Mitgefühl entgegenbringen. Schließlich ist es für den Erfolg einer Paartherapie unerlässlich, dass beide Partner dazu bereit sind, ihren eigenen Anteil an den Problemen anzuerkennen und einen Beitrag dazu zu leisten, eine Veränderung zum Positiven herbeizuführen. Viele kommen mit einer langen Beschwerdeliste in die Paartherapie und hoffen nun darauf, der Therapeut oder die Therapeutin möge ihre Beschwerden bestätigen und dann das Verhalten des Partners ändern. Auch wenn viele Beschwerden durchaus ihre Berechtigung haben, wird sich keine Lösung finden lassen, wenn nicht beide Partner dazu bereit sind, auch ihr eigenes Verhalten zumindest in Teilen zu verändern.

Ich hoffe, dieser Artikel konnte dir einige Fragen in Bezug auf Paartherapie beantworten. Wenn du magst, kannst du in den Kommentaren gerne von deinen eigenen Erfahrungen in Bezug auf Paartherapie berichten.

Im Original von Dianne Grande, Ph.D., klinische Psychologin.

Aus dem Englischen übersetzt von Lea Cyrus.

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Dr. Dianne Grande ist klinische Psychologin mit einer Privatpraxis in der Nähe von Chicago, Illinois. Sie hat über 25 Jahre Erfahrung in der Therapie sowohl von Einzelpersonen, als auch von Paaren und Familien. Im Online-Magazin »Psychology Today« betreibt sie ihren eigenen Blog namens In It Together: Meeting the Needs for Connection and Freedom (Unter einer Decke: Bedürfnisse nach Verbundenheit und Freiheit erfüllen).

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