Zinsfalle Eigenheim – so tappst du nicht hinein!

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: Amy Humphries auf Unsplash
Eigenheim
Wer von einem Eigenheim träumt, sollte laut Experten mindestens 20 Prozent Eigenkapital mitbringen. Wer das Geld nicht hat, muss sich unter Umständen auf eine harte Zeit einstellen. Denn: Steigen die Zinsen, steigt auch die Darlehensrate.

Wie wäre es mit einem eigenen Haus mit großzügig geschnittenen Zimmern, einer schönen Terrasse und großem Garten? Oder darf es doch eine eigene Loft-Wohnung sein, bei der sich der Balkon außen um den gesamten Wohnraum schlängelt und von dem man einen fantastischen Blick über die Stadt hat? Das klingt jetzt vielleicht fast zu schön, um wahr zu sein – aber träumen ist ja schließlich immer erlaubt.

Und die Gedanken um ein Eigenheim sind ja auch gar nicht so abwegig. Bei vielen Menschen kommt irgendwann der Moment, in dem sich die Frage stellt: Bleiben wir in unserer Mietwohnung oder leisten wir uns etwas Eigenes? Gute Argumente für den Kauf gibt es viele. Dazu zählen unter anderem die ständig steigenden Mietpreise. Rechnet man die nämlich über die Jahre zusammen, ergibt das eine stolze Summe. Diese Summe könnte auch gut und gern in einen eigenen kleinen Palast investiert werden. Egal ob man eine neue Wohnung oder Bestandsimmobilie kauft oder unter die Häuslebauer geht – wer Eigentum besitzt, investiert in die Zukunft und verfügt über eine gute Altersvorsorge.

Traum des Eigenheims

DER TRAUM VOM EIGENHEIM: BANKEN VERLANGEN SICHERHEITEN

Das klingt nicht nur vernünftig, das ist es auch. Das Problem: Nur die Wenigsten können sich ein Haus oder eine Wohnung allein mit den Ersparnissen der letzten Jahre leisten. Ein Kredit muss her. Banken unterstützen die Pläne ihrer Kunden gern, doch fordern sie im Gegenzug einige Sicherheiten. Zunächst ist es sinnvoll, sich einen genauen Überblick über die eigenen Finanzen zu verschaffen:

Eine erste Haushaltsrechnung gibt Auskunft darüber, wie viel Geld am Ende des Monats wirklich übrigbleibt. Wie ist der Stand heute und nach allen Haushaltsabgaben und den geschätzten zukünftig anfallenden Finanzierungskosten? Im Netz bieten Baufinanzierungsrechner einen guten ersten Einblick. Steht unterm Strich ein dickes Plus, freut das nicht nur den Bankberater. Banken fürchten um ihre Raten und wollen nur ungern ein Risiko eingehen. Zusätzlich empfiehlt es sich, entsprechendes Eigenkapital vorweisen zu können. Dabei gilt: Je höher die Rücklagen, desto besser.

Für die Bewilligung eines Kredites spielt außerdem der Beruf eine Rolle. Klassischerweise sind Festangestellte und Beamte gern gesehen. Eine Sparte, in der es nur wenige Jobs gibt, oder ein befristeter Vertrag sind dagegen problematisch. Und auch bei der Art des Bauvorhabens hören Banken genauer hin. Der Traum vom Holzhaus, dem Eigenheim in einer Bergregion oder nah am Wasser kann schnell platzen. Da das Haus eine Sicherheit der Bank ist, finanzieren Institute längst nicht alle Wünsche. Die Logik dahinter ist so hart wie einfach: Bis der letzte Groschen abbezahlt ist, gehört das Haus der Bank.

Die Anschaffung einer Bestandsimmobilie muss ebenfalls gut geprüft werden. Zum einen, damit wir als Käufer keine unschönen Überraschungen erleben. Zum anderen möchte auch hier die Bank wieder auf Nummer sicher gehen: Ist das Haus oder die Wohnung marode, kommt der Vertrag womöglich nicht zustande. Neubauten kommen daher wesentlich besser an.

Ruine - Eigenheim

DIE FINANZIERUNG: DIESE FEHLER SOLLTEN VERMIEDEN WERDEN

Die Entscheidung ist gefallen: Das schicke Haus soll gekauft werden, und der Kredit wurde bewilligt. Auch nachdem alle Haushaltsabgaben und Finanzierungskosten abgezogen wurden, steht genug Geld zur Verfügung. Wenn alles gut geht, ist man nach beispielsweise 20 Jahren komplett schuldenfrei und das Haus gehört dann nicht mehr der Bank sondern wirklich uns.

Bis es so weit ist, kann jedoch noch eine Menge schiefgehen. Vor allem, wenn folgende Fehler passieren:

 

Fehler 1: Die Eigenleistung wurde überschätzt

Wer neu baut oder eine Immobilie kauft, plant oftmals gewisse Eigenleistungen ein. Das Parkett? Kann doch auch selbst verlegt werden! Die Fliesen in der Küche? Die bringt ein Kumpel an die Wand! Jeder weiß: Handwerker können richtig teuer werden. Dieses Geld wird in vielen Fällen lieber an anderen Stellen eingeplant. Kommt es plötzlich zu unvorhergesehenen Komplikationen, muss eventuell doch eine Firma anrücken. Das kostet Geld, das man für diesen Fall nicht eingeplant hat.

 

Fehler 2: Das Eigenkapital ist zu gering

100-Prozent-Finanzierung? Bitte nicht beim Hauskauf! Für diesen sollten mindestens 20 bis 30 Prozent Eigenkapital im Sparstrumpf sein. Logisch: Wer so viel wie möglich aus eigener Tasche zahlen kann, muss nicht so einen großen Kredit aufnehmen. Somit verkürzt sich die Tilgungsphase, und Kreditnehmer zahlen weniger Zinsen an die Bank.

 

Fehler 3: Die Berechnung der Kosten ist zu knapp

Nie geht alles glatt. Gerade bei Bauvorhaben passiert es schnell, dass plötzlich mehr Geld ausgegeben werden muss, als gedacht. Aus diesem Grund empfehlen Experten, immer von vornherein Mehrkosten von zehn bis fünfzehn Prozent einzuplanen. Geht ausnahmsweise mal doch nichts schief, ist die Freude umso größer.

 

Fehler 4: Sanierungsrücklagen werden nicht eingeplant

Was in der Anfangseuphorie oft vergessen wird: Damit man viel Freude an der eigenen Immobilie hat, sollte ab und an renoviert oder sogar saniert werden. In vielen Fällen laufen Kredite über 20, 30 oder sogar 40 Jahre. Dass bereits während dieser Zeit etwas nachgebessert werden muss, ist nicht unwahrscheinlich. Wer bereits zu kämpfen hat, die monatlichen Raten aufzubringen, wird es kaum schaffen, auch noch eine Sanierung vorzunehmen. Soll das Haus oder die Wohnung eventuell später weiterverkauft oder -gegeben werden, ist das allerdings essenziell.

Finanzierung

Fehler 5: Die Extrakosten wurden nicht bedacht

Einige Banken berechnen einen Bereitstellungszins, wenn das Darlehen bewilligt ist. Wer das übersieht, kann am Ende von einem höheren Kredit überrascht werden. Wie hoch der Bereitstellungszins ist, ist von Bank zu Bank unterschiedlich. Zusätzlich sollten bereits im Vorhinein die Kosten für Makler, Notar und das Finanzamt (3,5 bis 6,5 Prozent des Kaufpreises für die Grunderwerbssteuer) im Hinterkopf behalten werden.

 

Fehler 6: Der Kredit wird zu langsam getilgt

Ein Rechenbeispiel aus der Wirtschaftswoche zeigt, was das bedeuten kann:
Eine Bauherrin nimmt einen Kredit in Höhe von 200.000 Euro zu einem Zins von 3,0 Prozent auf. Diesen zahlt sie über 15 Jahre ab. Nach Ende der Zinsbindung steigen die Zinsen auf 5,0 Prozent. Tilgt sie anschließend 2,0 Prozent pro Jahr ist sie nach genau 28 Jahren und zehn Monaten schuldenfrei. Entscheidet die Person sich allerdings für eine Tilgung von nur 1,0 Prozent, dauert es 40 Jahre und acht Monate bis der Kredit vollständig abgegolten ist.

Heißt: Wer über einen längeren Zeitraum eine geringere Rate abzahlt, muss insgesamt wesentlich höhere Zinsen blechen.

 

Fehler 7: Die Familie ist nicht genügend abgesichert

Niemand denkt gern darüber nach, doch sollte das typische „Was wäre, wenn“-Szenario immer im Hinterkopf behalten werden. Wird ein Partner oder die Partnerin krank, verliert den Job oder stirbt gar, kann die Finanzierung eventuell nicht weiterlaufen. Im schlimmsten Fall muss die Immobilie dann zwangsversteigert werden. Für solche Fälle sollte rechtzeitig eine Berufsunfähigkeits- und eine Risikolebensversicherung abgeschlossen werden.

 

Fehler 8: Die Anschlussfinanzierung wird zu spät begonnen

Und jetzt wird es noch einmal kniffelig. Spätestens sechs Monate vor Auslaufen der Zinsbindung sollte man sich nach einer geeigneten Anschlussfinanzierung umschauen. Wer sich nicht rechtzeitig darum kümmert, zahlt womöglich viel zu hohe Zinsen. Experten empfehlen an dieser Stelle, nicht nur Angebote bei der Hausbank einzuholen, sondern sich auch bei anderen Banken zu informieren. Eventuell lässt sich so eine ganze Menge Geld sparen.

Eine gute Vorbereitung ist alles. Auch wenn es übervorsichtig erscheint: Es lohnt sich, auch ein drittes Mal nachzurechnen und zu sortieren, ob wirklich alle möglichen Szenarien bedacht wurden. Und dann steht einem sorgenfreien Leben in der eigenen Traumimmobilie so gut wie nichts mehr im Weg.

Share:

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

Kommentieren