Der Wolf ist zurück: In Deutschland leben schon 105 Rudel

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: Thomas Bonometti auf Unsplash
Lesezeit: 2 Minuten
Mehrere Hundert Wolfsrudel leben in Deutschland

Einst galt der Wolf als ausgestorben. Nun ist das streng geschützte Tier zurück in deutschen Wäldern. Eine Auswertung verrät jetzt: In diesen Bundesländern leben die meisten Wolfsrudel. 

 

In Märchen frisst er Großmütter und Geißlein. In der Realität ist der Wolf eher ein vorsichtiges Tier und meidet die Begegnung mit dem Menschen. Dennoch durften Wölfe über Jahrzehnte hinweg in der ehemaligen DDR gejagt werden. In der alten Bundesrepublik stand er durch die Berner Konvention, einer Naturschutzvereinbarung aller europäischen Länder, bereits seit 1979 unter Schutz. Erst mit der Wiedervereinigung 1990 kam der Wolf im gesamten Bundesgebiet in den Genuss höchsten Naturschutzes – allerdings gab es in Deutschland damals kein einziges dieser scheuen Tiere.  Erst im Jahr 1998 wurden in Sachsen – in der Muskauer Heide nahe der polnischen Grenze – erstmals wieder zwei Wölfe gesichtet. Das erste Wolfsrudel bildete sich im Jahr 2000 – dies gilt auch als das Jahr der Rückkehr der Wölfe. 

Wölfe: In diesen Bundesländern leben sie

Seitdem ist viel passiert. Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) veröffentlichte die aktuellen Wolfszahlen und gab bekannt, dass derzeit 105 Wolfsrudel (ein Rudel besteht aus drei bis elf Tieren), 25 Paare und 13 registrierte Einzeltiere in Deutschland leben. Zu finden seien die Wolfsverbände in den Wäldern von Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen. Einzelne ortstreue Tiere wurden ebenfalls in Thüringen, Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Rheinlad-Pfalz und Schleswig-Holstein gesichtet. Doch wurden zuletzt auch immer wieder Wölfe bei Verkehrsunfällen getötet und einige sogar unerlaubt erschossen, wie die aktuelle Statistik zeigt. 

Ist ein Zusammenleben von Wolf und Mensch möglich?

In einer Pressemitteilung auf dem dpa-Presseportal heißt es dazu: »Insgesamt 83 Wölfe wurden durch den Verkehr getötet. Der NABU plädiert deshalb an alle Autofahrerinnen und Autofahrer, Geschwindigkeitsgrenzen zu wahren und besonders in der Dämmerung vorsichtiger zu fahren. So ließen sich viele Wildunfälle verhindern.« Die illegalen Tötungen seien von sechs auf acht Delikte gestiegen. NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller fordert daher, mehr Kapazitäten in die Ermittlung von Wildtierkriminalität zu stecken: »Das Töten eines geschützten Wildtieres ist kein Kavaliersdelikt.«

In den letzten Monaten wurden auch immer wieder Forderungen nach einer Lockerung des strengen Artenschutzes laut – vor allem von besorgten SchäferInnen und BürgerInnen, die Tiere durch den Wolf verloren haben und sich durch diesen bedroht fühlen. Doch Leif Miller ist sich sicher, dass es mit entsprechenden Maßnahmen auch anders laufen kann: »Ein Zusammenleben von Wölfen, Menschen und Weidetieren ist möglich, wenn der Herdenschutz funktioniert. Das kann in alten Wolfsregionen bei vielen Betrieben beobachtet werden. Guter Herdenschutz muss erst wieder erlernt werden, er ist eine zusätzliche zeitliche und finanzielle Herausforderung für Schäferinnen und Schäfer. Für die gesellschaftlich anerkannten Leistungen sollte die Schäferei mit ausreichend finanziellen Hilfen unterstützt werden. Eine Weidetierprämie wäre eine erste sinnvolle Maßnahme.«

 

Der Deutsche Jagdverein fordert das Jagdrecht

Ganz anders sieht das der Deutsche Jagdverein (DJV). Dieser machte darauf aufmerksam, dass es in anderen europäischen Ländern einen zulässigen Gesamtbestand gebe, der nicht überschritten werden dürfe. So gebe es in Frankreich beispielsweise eine Obergrenze von 500 Wölfen. Eine Zahl, die wir in Deutschland schon bald erreicht haben könnten. Aktuell geht das BfN von 275 bis 301 erwachsenen Tieren aus – ihre Jungen werden in der Statistik nicht berücksichtigt. Wenn es nach dem DJV ginge, müsste der Wolf also auch hierzulande wieder ins Jagdrecht aufgenommen werden. 

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Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

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