Wie wir Social Media manipulieren und nicht anders herum

07.04.2018
Words by Jana Ahrens

Vieles ist schon geschrieben worden zum Skandal um Cambridge Analytica und Facebook. Sicherlich wird auch noch Vieles folgen, dass andere Apps schlecht dastehen lässt. Aber was sind die Konsequenzen für uns?

Alle Konten löschen? Auf alles verzichten, was uns Social Media bietet? Zur Zeit sieht es danach aus, als wäre das der gesündeste Umgang mit persönlichen Daten. Doch für die Meisten ist ein kalter Entzug – nicht zuletzt aus Job-Gründen – keine Option. Wir haben Möglichkeiten gesammelt, wie wir den Spieß zumindest minimal umdrehen könnten.

Einfach mal ohne Feed

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Bei Facebook arbeiten viele der besten Programmierer und Designer der Welt an einem klaren Ziel: Uns um jeden Preis in der App zu halten. Darauf ist der Feed ausgelegt. Dafür werden alle psychologischen und technischen Register gezogen. Nur mal kurz das Einlass-Datum oder die Adresse einer Veranstaltung nachschauen? Pustekuchen. Viel später als geplant wachen wir aus dem Scroll-Delirium wieder auf und fragen uns, wo die letzte halbe Stunde plötzlich hin ist. Für alle, die den praktischen Teil von Facebook weiter nutzen, über das Scrollen des Feeds aber nicht weiterhin Zeit und Kontrolle verlieren wollen, gibt es Feedless. Diese App blendet den Feed von Facebook, Instagram und Twitter einfach aus und ermöglicht uns so, selber gezielter zu posten, Veranstaltungen gezielt zu planen und Nachrichten oder Kommentare mit wenig Zeitaufwand zu beantworten.

Nein zu den Werbetreibenden

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Dieser Tipp bezieht sich konkret auf Twitter. Unter Settings and Privacy kann im Unterpunkt Your Twitter Data nach erneuter Eingabe des Passwortes Einiges entdeckt werden. Zum Beispiel, wie Twitter das persönliche Profil klassifiziert, selbst wenn wir selber keine konkreten Angaben gemacht haben. Hier wird nicht nur ganz binär in männliche und weibliche Profile unterschieden (und oft daneben gelegen), sondern es werden auch massenhaft potentielle persönliche Interessen gesammelt. Unter Interests from Twitter können diese eingesehen werden. Wer hier etwas korrigieren oder vielleicht auch die ganze Einschätzung kaputt machen möchte, nimmt die Häkchen entweder vor bestimmten , oder einfach zu allen Themen weg.

Alternative und spezifische Netzwerke

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Eigentlich liegt es nicht in der Verantwortung von Facebook (oder Twitter, oder wem auch immer), was andere Firmen mit unseren Daten machen. Doch zum ganz großen Problem gehört, dass so viele Daten über unser Leben durch eine einzige Firma – wie zum Beispiel Facebook – an Dritte weitergegeben werden können. Würde es nicht Sinn machen, auch kleine, unabhängige und spezifische Netzwerke zu nutzen, um die Daten zumindest schwieriger auf einen Schlag abgreifbar zu machen? Manche würden jetzt sagen: Ja, aber dann müssen noch mehr verschiedenen Teams und Unternehmern vertrauen. Das ist richtig. Doch wenn der eine, große Anbieter uns eh keinen Schutz bietet, dann ist es vielleicht einen Versuch wert, anderen eine Chance zu geben. Zum Beispiel der neuen, super-variablen Plattform Are.na. Bei der Suche nach kreativen Projekten und toller Kunst bieten sich Ello oder Dribbble an. Für Bücher gibt es Litsy. Alle, die Restaurant- oder Reisetipps brauchen, können bei Foursquare vorbeischauen. Ach und: Flickr für Fotos gibt es auch noch. Das gehört allerdings seit Längerem schon Yahoo.

Algorithmen mit Algorithmen begegnen

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Das MIT Lab in den USA ist eines der größten staatlichen Institute, das sich mit Themen wie Artificial Intelligence, Social Media, Daten-Distribution und Vielem mehr befasst. Hier kommen akademische Ansätze mit angewandten Tools zusammen. Hier wird auch an der Gobo App gearbeitet, die sich explizit nicht als Start-Up sehen möchte, sondern als Experiment. Gobo bietet die Möglichkeit, den Feed-Algorithmen auf Social Media eigene Algorithmen gegenüber zu stellen. Dabei kann variabel voreingestellt werden, ob die im Feed erscheinenden Posts eher fröhlich, eher nachdenklich, nachrichtenlastig, humorvoll oder ernsthaft, stark gegendert oder überhaupt nicht gegendert werden sollen. Noch fokussiert sich die App hauptsächlich auf amerikanische Publikationen. Vermutlich wird der Zulauf zu diesem Projekt jedoch nach den letzten Skandalen wachsen.

Das Beitragsbild ist übrigens von Angela Franklin auf Unsplash.

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Jana Ahrens

Jana Ahrens liebt die Auseinandersetzung mit der Mode und mit den Gegenständen und Situationen eines modernen Lebens. Sie interessiert sich weniger für schöne Dinge, als eher für die Schönheit ihrer Umstände. Bis 2013 hat sie als Modedesignerin gearbeitet. Seitdem widmet sie sich dem Schreiben. Im Januar 2018 hat sie die Chefredaktion des Monda Magazins übernommen.

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