Wie wir Social Media manipulieren und nicht anders herum

Words by Jana Ahrens
Photography: Angela Franklin auf Unsplash
Social Media
Vieles ist schon geschrieben worden zum Skandal um Cambridge Analytica und Facebook. Sicherlich wird auch noch Vieles folgen, dass andere Apps schlecht dastehen lässt. Aber was sind die Konsequenzen für uns?

Alle Konten löschen? Auf alles verzichten, was uns Social Media bietet? Zur Zeit sieht es danach aus, als wäre das der gesündeste Umgang mit persönlichen Daten. Doch für die Meisten ist ein kalter Entzug – nicht zuletzt aus Job-Gründen – keine Option. Wir haben Möglichkeiten gesammelt, wie wir den Spieß zumindest minimal umdrehen könnten.

EINFACH MAL OHNE FEED

Große Weite

Bei Facebook arbeiten viele der besten Programmierer und Designer der Welt an einem klaren Ziel: Uns um jeden Preis in der App zu halten. Darauf ist der Feed ausgelegt. Dafür werden alle psychologischen und technischen Register gezogen. Nur mal kurz das Einlass-Datum oder die Adresse einer Veranstaltung nachschauen? Pustekuchen. Viel später als geplant wachen wir aus dem Scroll-Delirium wieder auf und fragen uns, wo die letzte halbe Stunde plötzlich hin ist. Für alle, die den praktischen Teil von Facebook weiter nutzen, über das Scrollen des Feeds aber nicht weiterhin Zeit und Kontrolle verlieren wollen, gibt es Feedless. Diese App blendet den Feed von Facebook, Instagram und Twitter einfach aus und ermöglicht uns so, selber gezielter zu posten, Veranstaltungen gezielt zu planen und Nachrichten oder Kommentare mit wenig Zeitaufwand zu beantworten.

NEIN ZU DEN WERBETREIBENDEN

Werbetreibenden

Dieser Tipp bezieht sich konkret auf Twitter. Unter Settings and Privacy kann im Unterpunkt Your Twitter Data nach erneuter Eingabe des Passwortes Einiges entdeckt werden. Zum Beispiel, wie Twitter das persönliche Profil klassifiziert, selbst wenn wir selber keine konkreten Angaben gemacht haben. Hier wird nicht nur ganz binär in männliche und weibliche Profile unterschieden (und oft daneben gelegen), sondern es werden auch massenhaft potentielle persönliche Interessen gesammelt. Unter Interests from Twitter können diese eingesehen werden. Wer hier etwas korrigieren oder vielleicht auch die ganze Einschätzung kaputt machen möchte, nimmt die Häkchen entweder vor bestimmten , oder einfach zu allen Themen weg.

ALTERNATIVE UND SPEZIFISCHE NETZWERKE

Kaffee

ALGORITHMEN MIT ALGORITHMEN BEGEGNEN

Lichterbewegungen

Das MIT Lab in den USA ist eines der größten staatlichen Institute, das sich mit Themen wie Artificial Intelligence, Social Media, Daten-Distribution und Vielem mehr befasst. Hier kommen akademische Ansätze mit angewandten Tools zusammen. Hier wird auch an der Gobo App gearbeitet, die sich explizit nicht als Start-Up sehen möchte, sondern als Experiment. Gobo bietet die Möglichkeit, den Feed-Algorithmen auf Social Media eigene Algorithmen gegenüber zu stellen. Dabei kann variabel voreingestellt werden, ob die im Feed erscheinenden Posts eher fröhlich, eher nachdenklich, nachrichtenlastig, humorvoll oder ernsthaft, stark gegendert oder überhaupt nicht gegendert werden sollen. Noch fokussiert sich die App hauptsächlich auf amerikanische Publikationen. Vermutlich wird der Zulauf zu diesem Projekt jedoch nach den letzten Skandalen wachsen. 

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Jana Ahrens

Chefredakteurin

Jana Ahrens liebt die Auseinandersetzung mit der Mode und mit den Gegenständen und Situationen eines modernen Lebens. Sie interessiert sich weniger für schöne Dinge, als eher für die Schönheit ihrer Umstände. Bis 2013 hat sie als Modedesignerin gearbeitet. Seitdem widmet sie sich dem Schreiben. Im Januar 2018 hat sie die Chefredaktion des Monda Magazins übernommen.

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