Wasseraufbereitung: Alles klar?

Words by Einfach Hausgemacht
Photography: Chris Ralston auf Unsplash
Wie wird unser Trinkwasser aufbereitet?
Wie es unser Trinkwasser sauber, geruchlos und mehr oder weniger geschmacksneutral aus unseren Leitungen schafft, haben wir uns in einem Düsseldorfer Wasserwerk angeschaut.
 

Ursprünglich stammt das Trinkwasser in Deutschland am häufigsten aus Grundwasser, gefolgt von Wasser aus Flüssen, Seen und Talsperren. Beim Versickern in den Boden gelangen jedoch oft unerwünschte Fremdstoffe hinein, etwa Mangan, Eisen, Nitrat, Glyphosat oder andere Pflanzenschutz- und Arzneimittel. Daher muss das Wasser in Werken so behandelt werden, dass es farblos, klar, kühl, geruchs- und geschmacksfrei sowie keimarm ist. Auch beim Durchfließen der Wasserleitungen darf es sich nicht nachteilig verändern. Keine leichte Aufgabe, denn auf dem langen Weg vom Wasserwerk bis zum Wasserhahn kommt es mit vielen unterschiedlichen Werkstoffen und Bauteilen in Kontakt. Wie das gelingen kann, haben wir bei Christoph Wagner, dem Leiter der Wasserwerke Düsseldorf, nachgefragt und uns die Wasseraufbereitung im Werk Flehe erklären lassen. 

Im Düsseldorfer Süden arbeitet Wagner seit etwa zehn Jahren im kleinen Fleher Werk nahe des Rheinufers. Zusammen mit den Werken »Holthausen« und »Am Staad« kann er von hier die Bewohner in Düsseldorf, Erkrath, Mettmann sowie Neuss-Süd mit insgesamt rund 140 Millionen Litern Trinkwasser täglich versorgen. Etwa drei Viertel des gesamten Wassers hier im Werk stammen ursprünglich aus dem Rhein, der Rest aus Grundwasser. »Sinkt der Rheinpegel, ändert sich jedoch die Mischung«, erläutert der Werksleiter. »Dann drückt mehr kalkhaltiges Wasser aus dem Bergischen Land nach.«

Dies ist die Filterhalle im Wasserwerk »Am Staad«.

Langsam gefiltert 

Wie an einer Schnur reihen sich 80 Brunnen entlang des Rheins auf. Sichtbar ist von ihnen auf der Uferböschung allerdings nur ein Deckel. Der eigentliche Brunnen mit Pumpe für das Wasser liegt rund 20 Meter darunter. Viel tiefer als die Rheinsohle, damit das Flusswasser zunächst durch viele Bodenschichten aus Sand und Kies versickern und sich reinigen kann, bevor es vom Wasserwerk über die Brunnen angesaugt wird. »Uferfiltrat« nennen Fachleute das so gewonnene Wasser. Dieses natürliche Herausfiltern vieler Schad- und Schmutzstoffe kann mehrere Tage bis Wochen dauern und erspart den Fachleuten im Wasserwerk später oft ein aufwendiges Nachbessern. Dank dieser Bodenpassage sind hier in Flehe auch keine zusätzlichen Sandfilter, wie zum Beispiel im Wasserwerk am Bodensee, erforderlich.

»Was manchmal auf dem Rhein schwimmt, ist für uns zunächst nicht relevant, denn vieles kommt davon erst gar nicht oder nur in geringem Maße in unseren Brunnen an«, versichert Wagner. »Daher bemühen wir uns auch besonders um den Erhalt und die Pflege der Landschaft in unseren Wasserschutzgebieten hier.« Keine leeren Worte, denn der wachsende Artenreichtum von Tieren und Pflanzen bestätigt dies. Obwohl in der Wasseraufbereitung viel nachgebessert werden kann, möchte der Leiter das Wasserwerk nicht als Reparaturwerkstatt für die Umweltsünden anderer missbraucht wissen. 

Das Düsseldorfer Verfahren

Weil der natürliche Uferfilter durch immer mehr Abwässer aus Industrie und Städten seit den 1960er Jahren nicht mehr ausreicht, mussten die Stadtwerke reagieren. Sie entwickelten ein spezielles Filtersystem, das »Düsseldorfer Verfahren«, das in verbesserter Form noch heute in den hiesigen Werken zum Einsatz kommt. Tief unter der Erde verbindet dabei ein gusseisernes Rohr die Brunnen miteinander und lässt das Wasser in einen großen Schacht strömen. Von dort gelangt es ins Werk und wird zunächst belüftet und entsäuert. »Das Kohlendioxid im Wasser greift sonst später die Rohrleitungen an », erklärt Wagner. Danach kommt aggressives Ozon-Gas zum Wasser, das sich in diesem sofort zersetzt, Bakterien beseitigt und unerwünschte Stoffe aufbricht, wie Pestizide, Medikamenten-Rückstände oder Eisen- und Manganverbindungen. Es entfernt zudem unerwünschten Geschmack oder Geruch. In Kontakt- und Zwischenbehältern kann sich das Gas im Wasser austoben, bevor alles mittels Pumpen in insgesamt 42 Filterbehälter gelangt. 

Filtern mit Aktivkohle 

In jedem von ihnen befinden sich zwei Schichten mit unterschiedlichen Materialien. Das »Voraktivat« hält die vom Ozon gebundenen Stoffe zurück. Die nachfolgende Schicht mit rund 50 Kubikmeter Steinkohlegranulat filtert die restlichen Kleinstpartikel heraus. »Eine große Kontaktfläche ist entscheidend, damit möglichst viele Stoffe hängen bleiben. Eine Messerspitze Kohle wäre ausgebreitet so groß wie ein Fußballfeld«, erklärt Christoph Wagner. Allerdings laufen auch Versuche mit anderen Materialien wie Kokosnussschalen. Zweimal im Jahr tauschen die Mitarbeiter das Filtergranulat in jedem Behälter aus. Hier wird recycelt: Das Material kommt aus der werkseigenen Reaktivierungsanlage thermisch gereinigt wieder zurück. 

Ein Blick in das Labor im Wasserwerk »Holthausen«…

... Kontrolle ist besser 

»Wichtigster Teil im gesamten Wasserwerk ist der Leitstand«, sagt Werksleiter Wagner. Das große Büro erinnert mit seinen vielen Monitoren und Computern an eine Raumfahrtzentrale. Von hier aus kann der Verantwortliche alle Bereiche der Wasseraufbereitung einsehen, den Pegelstand in den Hochbehältern nachbessern, auf einzelne Messwerte reagieren oder auch den Wachdienst informieren, wenn sich Hundebesitzer oder Spaziergänger auf das Gelände verirrt haben. »Wir hatten hier sogar einmal niederländische Touristen, die an unserem Ufer mit ihrem Boot anlegten und ihr Zelt aufbauten«, erzählt Wagner. (Anm. d. Red.: Mit dem Versprechen, keinen Müll zu hinterlassen, durften sie ausnahmsweise die Nacht über bleiben.) Doch bei aller rheinischer Gastfreundschaft: Wasserwerke haben eine kritische Infrastruktur und sind ein Sicherheitsbereich. Wagner ergänzt: »Wir proben hier sogar Hackerangriffe, um auch digital geschützt zu sein.«

Wasser, marsch! 

Die Hauptwasserleitung aus dem Werk pumpt schließlich das Trinkwasser in das Düsseldorfer Versorgungsnetz bis zum jeweiligen privaten Hausanschluss. Den Druck, mit dem das Wasser durch die Leitungen fließt, erzeugen Pumpen oder natürliche Gefälle unterwegs.

Manche deutschen Regionen benötigen aufgrund vieler Einwohner oder mehrerer Industrie- und Gewerbebetriebe mehr Wasser als dort natürlich vorhanden ist. Um sie dennoch mit Trinkwasser versorgen zu können, gibt es spezielle Regional- und Fernversorgungsleitungen. Ein Beispiel dafür ist die Versorgung durch den »Zweckverband Bodensee«, der etwa vier Millionen Baden-Württemberger mit Wasser versorgt, sogar über den Großraum Stuttgart und Heilbronn hinaus. 

Hier geht es zurück zur – Seite 1 –

Im Hahnumdrehen: So wird unser Trinkwasser aufbereitet

Trinkwasser ist für uns lebenswichtig. Wie es jederzeit sauber aus unseren heimischen Leitungen fließen kann, haben wir in einem Düsseldorfer Wasserwerk herausgefunden.
Share:

Das Monda Magazin und EINFACH HAUSGEMACHT sind Partner, wenn es um die Themen Kochen, Backen, DiY und Hauswirtschaft geht. Wenn ihr Lust habt auf Selbstgemachtes und Selbstgekochtes, dann sind unsere gemeinsamen Tipps genau das Richtige für euch.

Kommentieren