Was ist eigentlich Zero Waste?

Words by Annekathrin Walther
Photography: Sydney Rae auf Unsplash
Die Hand einer Frau greift in eine Auslage mit knackigen roten und gelben Paprika.
Tagtäglich produzieren wir Müll. Er ist so sehr Teil unseres Lebens, dass er uns teilweise kaum noch auffällt. Irgendwie tun wir auch alle etwas dagegen, indem wir zum Beispiel Stoffbeutel statt Plastiktüten und Pfandflaschen statt Einwegflaschen verwenden. Es geht aber noch mehr: Die Zero-Waste-Bewegung lebt vor, dass Müll an überraschend vielen Stellen vermeidbar ist. Wir stellen euch das Prinzip Zero Waste vor und geben fünf Tipps, wie ihr direkt durchstarten könnt.
 

Zero Waste – was ist das?

Wer nach dem Zero-Waste-Prinzip lebt, strebt folgendes Ziel an: keinen oder so wenig Müll wie möglich zu produzieren. Die Nachhaltigkeitsphilosophie bezieht sich auf alle Lebensbereiche und hat in den letzten Jahren mächtig Fahrt aufgenommen. Immer mehr Menschen wollen in ihrem Haushalt achtsamer und umweltbewusster leben, um einen kleinen Beitrag gegen Klimawandel und Ressourcenverschwendung zu leisten. 

Angesichts von Verpackungswahnsinn, Lebensmittelverschwendung und Überkonsum kann die Zero-Waste-Idee erstmal utopisch wirken. Gar keinen Müll mehr zu produzieren scheint irgendwie unrealistisch. Zwar gibt es auf YouTube Videos von Menschen, deren Müll von mehreren Monaten in ein Marmeladenglas passt. Die gute Nachricht ist aber: Es muss nicht von jetzt auf gleich »zero« sein. Es macht keinen Sinn, sich zu viel vorzunehmen und zu denken, dass ab übermorgen die Mülltonne absolut tabu ist. Noch weniger Sinn macht es, sich von zu hoch gesteckten Zielen abschrecken zu lassen und gar nicht erst anzufangen. Eine schrittweise Reduzierung von Abfall kann schon sehr viel bringen.

Viel von dem Müll, den wir produzieren, ist vermeidbar.

Fünf Zero-Waste-Tipps

Zero Waste kann auf unterschiedliche Art gelebt werden. Wir können zum Beispiel:

 

1. Abfall vermeiden

Obst und Gemüse lose kaufen statt verpackt, auch wenn manche Supermärkte es einem da schwer machen  – wer einen Garten oder Balkon hat und selbst anbauen kann, ist hier fein raus. Wie wäre es außerdem damit, auf Shampoo und Duschgeel aus der Plastikflasche zu verzichten und stattdessen auf Seife umzusteigen?  Und Schwämme statt abgepackter Abschminktücher zu verwenden, und Stofftücher statt Küchenrolle und Taschentücher? Es lohnt sich, den eigenen Hausmüll unter die Lupe zu nehmen und zu überlegen, was davon eigentlich vermeidbar ist. 

Auch außerhalb der eigenen vier Wände lässt sich Müll vermeiden: Wiederverwertbare Coffee-to-go-Becher und Wasserflaschen gibt es mittlerweile in vielfachen Ausführungen, und auch eine Brotdose muss schon lange nicht mehr uncool sein.

 

2. Dinge selber machen

Selber kochen ist definitiv gesünder und nachhaltiger, als Fertigprodukte zu kaufen. Essen vom Lieferservice ist superpraktisch, produziert aber wirklich einen riesigen Berg Abfall. Wer Lust hat, auswärts zu essen, kann ja vielleicht auch genau das tun: auswärts im Restaurant essen, anstatt es sich nach Hause liefern zu lassen.

Was in puncto Selbermachen fürs Essen gilt, gilt übrigens auch für Putzmittel und Kosmetik. Es ist überraschend einfach und günstig, Putzmittel und Kosmetik selbst herzustellen. Wer sich hierzu Tipps und Rezepte holen möchte, kann das zum Beispiel beim Portal Smarticular

So geht es auch: In Unverpackt-Läden bringt man seine eigene Verpackung mit.

 

3. Einfach mal etwas NICHT kaufen

Das eigene Konsumverhalten zu überprüfen und zu hinterfragen ist mit Sicherheit keine Zeitverschwendung. Brauche ich das fünfte gestreifte Langarmshirt wirklich? Hat der Second-Hand-Laden um die Ecke nicht vielleicht auch schöne Sachen? Minimalismus ist ein Trend, der an vielen Stellen gut mit dem Zero-Waste-Prinzip zusammenpasst.

 

4. Wenn einkaufen, dann bewusst

Obst und Gemüse unverpackt zu kaufen ist ja kein Ding. Aber was ist mit Cornflakes, Nüssen oder Schokolade? Wer in einer Stadt wohnt, hat vielleicht das Glück, einen Supermarkt in der Nähe zu haben, der auch solche Lebensmittel unverpackt anbietet, die normalerweise nur verpackt zu haben sind. Hier eine kleine – und unvollständige – Liste von Unverpackt-Läden in Städten: 

München

Köln

Hamburg

Münster

Leipzig

Stuttgart

Hannover

Dresden

Berlin

Der Berliner Unverpackt-Laden hat auch einen Online-Versand. Moment, unverpackter Versand? Wie soll das gehen? Komplett ohne Verpackung geht es natürlich nicht. Aber immerhin werden hier nur Second-Hand-Verpackungen verwendet, und wiederverwenden ist umweltfreundlicher als recyceln. 

Auch die Aufbewahrung von unverpackten Produkten macht etwas her.

 

5. Reparieren statt wegschmeißen

Abends vor dem Fernseher eine Socke zu stopfen ist auch eine Art Achtsamkeits-Meditation. Sachen zu reparieren anstatt sie wegzuschmeißen und neu zu kaufen kann sich lohnen. Zum Glück bietet das Internet haufenweise Tutorials, Anleitungen und Tipps, um Dinge wieder auf Vordermann zu bringen und sich dabei ein bisschen handwerklich zu betätigen. 

Zero Waste ist eine inspirierende Bewegung, bei der jede mitmachen kann. Auch wenn wir uns nur einen der fünf Punkte vornehmen, verändern wir schon etwas. Shampoo in einer Plastikflasche zu kaufen, kommt uns vielleicht nicht wie eine Umweltsünde vor. Stellt man sich aber den Berg Plastik-Shampooflaschen vor, den man in seinem Leben schon produziert hat, sieht die Sache schon wieder anders aus. Mit diesem Bild im Hinterkopf kriegt die ein oder andere vielleicht doch Lust, mit dem Müllsparen anzufangen. 

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Annekathrin Walther

Redakteurin

Annekathrin Walther spielt mit Text seit ihr Lesen und Schreiben möglich ist. Auf ihr Studium der LIteraturwissenschaft folgten Exkursionen ins Stadttheater und den Buchhandel. Seit 2013 liegt sie als Freiberuflerin vor Anker und schreibt als solche für Theater, Audio und Internet.

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