Was ist eigentlich dieses Patriarchat?

Words by Jana Ahrens
Photography: Isabella Jusková auf Unsplash
Patriach
Den Begriff “Patriarchat” gibt es schon sehr lange. Seine Bedeutung und deren Auslegung haben sich jedoch über die Jahrhunderte gewandelt. Was es bedeutet, wenn Menschen heute die Abschaffung des Patriarchats fordern, das haben wir uns mal genauer angeschaut.

Fangen wir beim Urschleim an. Das Wort “Patriarch” stammt aus dem Altgriechischen und bedeutet “Der Erste unter den Vätern”. Damit ist nicht der erste Vater aller Zeiten gemeint, sondern der wichtigste unter den Vätern. Der Patriarch ist also in gewisser Hinsicht ein männliches Stammesoberhaupt oder ein männliches Familienoberhaupt.

Anna Weber und ihr Ehemann, der Soziologe Max Weber

DAS PATRIARCHAT UND DIE VERTEILUNG VON MACHT

Der Begriff “Patriarchat” so wie er heute gebräuchlich ist bezeichnet eine Organisationsform – egal ob Familie, Verein oder Betrieb –, in der Macht und Privilegien vom hierarchisch wichtigsten Mann an die nachfolgenden Männer weitergegeben werden. Die Verteilung hängt dabei davon ab, wie die Männer Gehorsam und Gewalt untereinander regeln. Noch Ende des 19. Jahrhunderts ging der Soziologe Max Weber von einer biologischen Vorbestimmung der Machtverteilung zwischen Mann und Frau aus. Die patriarchale Macht in verschiedenen sozialen Kontexten sei zwar veränderbar, die Machtverteilung unter Männern könne also flexibel gehandhabt werden, nicht jedoch die Machtverteilung zwischen Mann und Frau. Die sei eben biologisch vorbestimmt. Was so viel heißt wie: Männer und Männer können um die Macht kämpfen, Männer und Frauen aber nicht. Denn Frauen seien von Natur aus schwächer, nicht nur körperlich, sondern auch geistig. Für Weber ging es bei der Beschreibung des Begriffes also noch nicht einmal um die Benachteiligung der Frau, sondern – anscheinend ganz wertfrei – um eine mögliche Organisationsform von Macht in verschiedenen öffentlichen und privaten Kontexten.

FEMINISMUS VS. PATRIARCHAT

Nun wird es niemanden verwundern, dass schon die ersten feministischen Bewegungen sich gegen diese Idee auflehnten. Sie rebellierten gegen die These, dass die Frauen den Männern von Natur aus unterlegen seien. Sie rebellierten auch gegen die Organisationsform von Macht, die Max Weber mit seinem Patriarchatsbegriff noch als so selbstverständlich definiert hatte. 1988 schrieb Maria Mies:

“‘Patriarchat’ bedeutet wörtlich ‚die Herrschaft von Vätern’. Aber heute geht männliche Dominanz über die ‘Herrschaft der Väter’ hinaus und schließt die Herrschaft von Ehemännern, von männlichen Vorgesetzten, von leitenden Männern in den meisten gesellschaftlichen Institutionen in Politik und Wirtschaft mit ein […]”

DAS PATRIARCHAT HAT AUCH NACHTEILE FÜR MÄNNER

Mies betont in ihren Texten auch, dass der Begriff des Patriarchats besser beschreibt, dass die Probleme zwischen Männern und Frauen eher durch gesellschaftliche Strukturen ausgelöst werden als durch natürlich – also biologisch – vorgegebene Bedingungen. Männliche Dominanz ist also weder angeboren, noch unausweichlich und vor allem kein Anrecht, von dem Männer Frauen gegenüber ausgehen können.

Wer sich gegen das Patriarchat ausspricht, möchte nicht automatisch den Männern etwas wegnehmen oder gar im Gegenzug sie wiederum unterdrücken. Im Gegenteil, viele Feministinnen und Feministen sind sich einig: Systeme wie das Patriarchat sind nicht nur schlecht für Frauen, sie bergen auch Nachteile für Männer. Denn sie beruhen auf einem stereotypen Sexismus (“Männer sind stark, Frauen sind schwach”), der auch Männern automatisch Dinge abverlangt, die diese unter Umständen gar nicht leisten wollen oder können.

 

“DAS PATRIARCHAT ABSCHAFFEN”

Also noch mal ganz wichtig: Wendungen wie “das Patriarchat abschaffen” oder das englische “Smash Patriarchy” sind kein Aufruf zur Unterjochung oder Unterdrückung von Männern. Sie sind der Aufruf, ein System in Frage zu stellen, das sowohl Männer als auch Frauen und Gendernonkonforme in Rollen zwingt, die keine Rücksicht auf ihre persönlichen Wünsche, Vorlieben oder Lebensziele nehmen. Sie wollen sagen: In einer Zeit, in der es nicht nur möglich, sondern auch nötig ist, sich auf neue Herausforderungen einzustellen, sollte alles auf den Prüfstand, was uns daran hindert, unser volles Potential als Gesellschaft auszuschöpfen.

Share:

Jana Ahrens

Chefredakteurin

Jana Ahrens liebt die Auseinandersetzung mit der Mode und mit den Gegenständen und Situationen eines modernen Lebens. Sie interessiert sich weniger für schöne Dinge, als eher für die Schönheit ihrer Umstände. Bis 2013 hat sie als Modedesignerin gearbeitet. Seitdem widmet sie sich dem Schreiben. Im Januar 2018 hat sie die Chefredaktion des Monda Magazins übernommen.

2 Kommentare

Martin Löwe
#1 — vor 2 Monaten
Das Patriarchat ist für den Feminismus das, was der Kapitalismus für den Sozialismus ist: theoretisch unschön, aber in der Praxis unersetzlich. Es gibt keine tragbare Alternative zum Patriarchat. Das was die Feministen derzeit treiben, zerstört die Familie und verwandelt die Kinder in verweichlichte Millenials. Frauen wollen die Männer nicht, die feministisch erzogen wurden. Also importieren sie patriarchalisch erzogene afrikanische Männer, die den ganzen Feminismus wieder umstürzen werden. Als Nebeneffekt wird der Weiße Mann ausgerottet und die westliche Kultur zerstört. Aber für ihre matriarchale Utopie nehmen die Feministen das gerne in Kauf.
Yvonne K
#1.1 — vor 6 Stunden 11 Minuten
Was für ein Schwachsinn :D.
Mein Freund ist weiß und Deutsch. Seine Eltern haben »wir« aus Schlesien importiert und nicht aus Afrika.
Frauen wollen durchaus Männer, die feministisch erzogen wurden. Ich will einen eigenständigen Mann mit einer eigenständigen Meinung, der in der Lage ist sein Verhalten zu reflektieren. Wer reflektiert, der merkt, dass Feminismus nicht die Männlichkeit abschaffen will, sondern lediglich ein gleichberechtigtes Verhalten erreichen will.

In reply to #1 by Martin Löwe

Kommentieren