Was hat Ostern mit Fruchtbarkeit zu tun?

Words by Jana Ahrens
Photography: Heather Ford
Braune Hühnereier liegen auf einem Tischtuch mit lindgrünen und rosé Streifen

Ostern ist das höchste christliche Fest des Jahres. Doch was haben Osterhasen, Ostereier und das Osterfeuer damit zu tun? Irgendwie scheint es, als würden bei diesem Fest einige nicht-christliche Traditionen mitschwingen.

 

Eine Recherche ergibt: Nun ja, es ist kompliziert. Das moderne Ostern ist von vielen verschiedenen Bräuchen inspiriert. Und schon etliche Male sind die Ursprünge umgedeutet worden. 

Die Christen und die Göttin Ostara

Die vermeintliche Göttin Ostara, angelehnt an eine Darstellung der germanischen Göttin Frigg.

Gerade aufgrund der großen Bedeutung dieses Festes gab es unter christlichen Theologen über Jahrhunderte Debatten darüber, wann Ostern genau stattfinden sollte. Eigentlich gilt das jüdische Pessachfest als Orientierungspunkt. Doch im früheren Mittelalter war sich ein Mönch und Kirchenhistoriker namens Beda Venerabilis sicher, das Wort „Ostern“ gehe auf die germanische Göttin Ostara zurück, die eine Art Fruchtbarkeitsgöttin war und auf „heidnischen“ Frühlingsfesten im April verehrt wurde. Während der deutschen Romantik griff Jacob Grimm – der ältere der Gebrüder Grimm – diese Quelle wieder auf und stieß mit der Geschichte von der Göttin Ostara bei seinen Zeitgenossen auf offene Ohren. Sie fanden die Idee eines germanischen Ursprungs für ein solch wichtiges Fest offenbar sehr verlockend. Das Problem ist nur: Die Göttin Ostara ist eine Erfindung von Beda Venerabilis. Es gibt sie in der germanischen Mythologie nicht.  Er hatte schlicht den althochdeutschen Namen des Monats, in dem das germanische Frühlingsfest stattfand, auf eine Göttin übertragen, die es in dem Zusammenhang aus seiner Sicht hätte geben müssen.

 

Frühlingfeste und Fruchtbarkeitsgöttinnen

Die Göttin Freya in einer Illustration von Arthur Rackham.

Halten wir fest: Ostara ist zwar eine Erfindung, die vorchristlichen Frühlingsfeste hat es aber wirklich gegeben. Zu diesen wurden allerdings die Göttinnen Freya und Frigg verehrt. Erstere ist eine Art nordische Venus – also Göttin der Liebe, des Frühlings und des Glücks – zweitere die Schutzherrin der Ehe und Mutterschaft. Die christlichen Gelehrten warfen jedoch schon bald beide Göttinnen in einer Person zusammen und versuchten sie gar nicht erst in den christlichen Glauben zu integrieren. Ein Grund war, dass Freya Promiskuität schätze und für eine Menge Eifersucht unter den Göttern sorgte. Auch wollte sie sich nie in eine Heirat zwingen lassen.

 

 

Das Osterfeuer

Kommen wir zum Osterfeuer. Hier ist ein bisschen eindeutiger nachzuweisen, dass festliche Feuer im April auch schon vor der christlichen Ostertradition existierten – immerhin haben sich christliche Gelehrte lange darüber ausgetauscht, wie sich diese Tradition wohl ins Kirchenfest integrieren ließe. Gelungen ist ihnen das, indem sie das Feuer auf den Kirchenvorhof verlegten, hier rituell die gesegneten Öle des vergangenen Kirchenjahres verbrannten, um dann eine Kerze am Feuer zu entzünden, die zur Mitternachtsmesse die Kirche erleuchtete und Christus, das „Licht der Welt“, repräsentierte. Und schon gab es einen neuen Mythos zur alten Tradition. Vor diesem Hintergrund wurden dann auch weiterhin Osterfeuer abseits der Kirchhöfe gedultet.

 

Für wen war der Osterhase gedacht?

Der Mythos des Osterhasen ist relativ jung und entstand erst im 17. Jahrhundert. Obendrein hat er – man mag es bei diesem umtriebigen Tier kaum glauben – nichts mit Fruchtbarkeit zu tun. Immerhin ist hier die Frage, wer zuerst da war, das Ei oder der Hase, ganz einfach zu beantworten: Bei der uralten Tradition des Ostereierbemalens war ein beliebtes Motiv die Darstellung von drei Hasen, die so umeinander angeordnet waren, dass sich jeweils zwei Hasen ein Ohr teilten, so dass zwar jeder Hase zwei Ohren hatte, insgesamt aber nur drei Ohren dargestellt waren – ein Symbol für die heilige Dreifaltigkeit. Deshalb wurde in der Pfalz und im Elsass den Kindern erzählt, dass die Ostereier vom Hasen gelegt und versteckt würden. Erst im 19. Jahrhundert wurde der Osterhase dann überregional bekannt, was sich wiederum darauf zurückführen lässt, dass Rübenzucker immer billiger wurde und dadurch Osterhasen und Ostereier aus Schokolade massiv an Popularität gewannen. Seitdem liegen also Schokohasen und Schokoeier in den Nestern.   

 

Osterfuchs, Osterstorch und Osterglocken

Dass es der Hase so weit schaffen würde, war allerdings nicht von Anfang an klar. Denn er hatte regionale Konkurrenz vom Osterfuchs in Westfalen, dem Osterstorch in Thüringen und sogar von den Kirchglocken, die am Karfreitag nicht läuteten. Das wurde Kindern in Frankreich und Österreich nämlich damit erklärt, dass die Glocken an diesem Freitag nach Rom fliegen müssten, um am Ostersonntag auf ihrem Rückweg Süßigkeiten über das Land verstreuen zu können. Diese versteckten Süßigkeiten sollten die Kinder dann suchen. In Wirklichkeit soll das Ausbleiben von Glockengeläut von Karfreitag bis Ostersonntag in katholischen Gegenden die Trauer um Jesus vor seiner Wiederauferstehung symbolisieren.

 

Interessant bleibt, wie sich die Rolle von Ostern in Zeiten der Globalisierung entwickelt. Vielleicht entwickeln sich ha weiterhin allerlei absurde Mythen um die Ostertage herum. Denn diese Entwicklung ist ja bereits seit Jahrhunderten Tradition.

Share:

Jana Ahrens

Chefredakteurin

Jana Ahrens liebt die Auseinandersetzung mit den Gegenständen und Situationen eines modernen Lebens. Dabei interessiert sich weniger für schöne Dinge, als eher für die Schönheit ihrer Umstände. Zum Schönen gehört natürlich auch, wenn sich komplexe Themen in verständliche Zusammenhänge zerlegen lassen. Im Januar 2018 hat sie die Chefredaktion des Monda Magazins übernommen.

Kommentieren