Warum gibt es Emojis und warum sind sie so beliebt?

Words by Jana Ahrens
Photography: Lidya Nada
Frau steht vor einer Mauer, die in Regenbogenfarben gestrichen ist und verdeckt mit einem ganzen Bündel Emoji-Luftballons ihr Gesicht.
Heute ist der internationale Tag der Emojis. Was? Ein eigener Jahrestag für bunten Bildchen? Klar, denn sie werden im ganz großen Stil genutzt, haben sich zu einem eigenen weltweiten System entwickelt und überbrücken emotionale wie auch sprachliche Barrieren. Aber woher kommt diese recht neue, visuelle Sprache eigentlich? Und wer entscheidet, welche Emojis zum Sprachsystem gehören?
 

Allein im Facebook-Messenger werden täglich 5 Millionen Emojis versendet. Und über einen Emojitracker lässt auf Twitter live mitverfolgen, welches Emoji wie oft verwendet wurde – eine in ihrer Geschwindigkeit und Vielfalt fast schon hypnotisierende Erfahrung.

Warum werden Emojis so viel benutzt?

Mit Erfindung der E-Mail stieg das Interesse daran, Emotionen nicht nur über Text, sondern auch über verdeutlichende Bilder und Symbole vermitteln zu können. Zum ersten Mal war es möglich, sich nahezu in Echtzeit schriftlich auszutauschen. Im Gegensatz zu einem Telefonat oder einem persönlichen Gespräch konnten bei dieser Art der Kommunikation jedoch keine Tonalität und weder Mimik noch Gestik mitgeliefert werden, die dem reinen Inhalt der Nachricht eine Stimmungslage hinzugefügt hätten.

Das »Gesicht mit Freudentränen«-Emoji war 2018 das meist genutzte weltweit.

Um die elektronisch versendeten Nachrichten emotionaler zu gestalten, wurde es zunehmen üblich, sie durch Symbole aus Text‑ und Interpunktionszeichen zu ergänzen, die an ein (liegendes) menschliches Gesicht erinnerten und eine Reihe von Emotionen zum Ausdruck bringen konnten. Noch heute ist es durchaus üblich, Freude durch ein lachendes Gesicht aus Doppelpunkt und geschlossener Klammer :) oder umgekehrt Bedauern durch Doppelpunkt und öffnende Klammer :( auszudrücken oder die Nachricht durch ein augenzwinkerndes Gesicht aus Semikolon, Bindestrich und schließender Klammer ;-) ein wenig ironisch abzuschwächen. Der Fantasie waren hier keine Grenzen gesetzt. Diese Art der Symbole bezeichnete man als „Emoticon“ (eine Verschmelzung aus „Emotion“ und „Icon“).

Als Ersatz für Körpersprache bringen Emoticons, Kaomoji und Emoji wieder Menschlichkeit in das zutiefst unpersönliche und abstrakte Umfeld der elektronischen Kommunikation.

MoMA

Was waren die ersten Emojis?

Kein Wunder also, dass das erste Emoji-System in einem Land entstand, dessen Schriftsprache ohnehin zu einem großen Teil auf Symbolzeichen beruht und zudem eine extrem komplexe Höflichkeitssprache in elektronische Kommunikation übersetzen musste: Die Emojis kommen ursprünglich aus Japan.

 

Anfang der 90er, als der sprachliche Austausch nicht nur zunehmend elektronisch sondern auch zunehmend mobil wurde – sprich: mit der steigenden Bedeutung von Handys – beauftragte der japanische Telefonie-Anbieter NTT DOCOMO einen Designer mit der Erstellung einer Symbol-Sprache, die sich auf jeweils 12x12 Pixel pro Symbol beschränken ließ – mehr gaben die Handy-Displays damals noch nicht her. Diese Symbole wurden dann so schnell populär, dass auch viele andere Anbieter das Prinzip übernahmen. Aber einen Standard gab es für den Austausch zwischen Telefonen verschiedener Anbieter zunächst noch nicht. So konnte es passieren, dass das Symbol für „Herz“ aus dem einen System auf dem Telefon eines anderen Netzanbieters als trauriger Smiley dargestellt wurde.

Erstes, 176 Zeichen umfassendes, Set von Emojis. 1998 entworfen von Shigetaka Kurita für NTT DOCOMO.

Als jedoch auch immer mehr internationale Anbieter – wie Google und Apple – den Einstieg in den japanischen Elektronik- und Telefonie-Markt versuchten, wurden die Rufe nach einer Vereinheitlichung der Emoji-Symbole immer lauter. Dieses Anliegen landete irgendwann beim Unicode-Konsortium, das sich seit Beginn der 1990er Jahre zum Ziel setzt, alle Sprachen der Welt mit einem festgelegten Set an standardisierten Zeichen in digitalem Code darstellbar zu machen.

Wer entscheidet über neue Emojis?

2010 waren also die Emojis dran. Sie wurden in den Unicode-Standard übersetzt und können seitdem anbieter- und softwareunabhängig übertragen werden. Deshalb ist es auch das Unicode-Konsortium, das darüber entscheidet, welche neuen Emojis international verfügbar gemacht werden.

Das viele Emojis auch metaphorisch genutzt werden, zeigt eine Nutzungsanalyse des Pfirsich-Emoji auf Twitter.

Dafür gibt es im Unicode-Konsortium einen eigenen Unterausschuss, der Vorschläge annimmt, vorsortiert und dann dem Technik-Ausschuss des Konsortiums vorlegt. Vorschläge einreichen können eigentlich alle Menschen dieser Welt, solange sie einen überzeugenden Antrag auf Englisch vorlegen können, der bestimmen Regeln folgt. Diese klingen einfach, können aber zu einer echten Herausforderung werden.

Ein neues Emoji sollte:

  • nachweislich bereits nachgefragt werden. Die Beantragenden sollten nicht erst selber die Nachfrage generieren müssen. Die bereits existierende Nachfrage kann über Social-Media-Kommentare oder bereits existierende Hashtags zum Thema belegt werden.
  • sich stark von bereits existierenden Emojis absetzen. Sollte der Inhalt des neuen Emojis schon auf irgendeine Weise mit einem bereits existierenden Emoji darstellbar sein, wird es den Test nicht bestehen.
  • nicht unbedeutend oder zu spezifisch sein. Ein allgemeines Emoji für „Hund“ hat eine größere Chance, standardisiert zu werden, als ein Emoji für eine seltene Art einer Pudel-Mischung.
  • zugleich nicht zu generisch sein, wie beispielsweise ein Antrag für das Emoji „Tier“.
  • nicht trendorientiert und damit kurzlebig sein. Deshalb gibt es beispielsweise kein Emoji für den kurzzeitig so beliebten Fidget-Spinner.

 

Die letzte Regel besagt, dass der Unicode Ausschuss alle Anträge auf Emojis für Logos, Markennamen, spezifische Personen oder Gottheiten aussortieren und gar nicht erst dem Technik Ausschuss vorlegen wird.

Seit 2017 werden auch Frauen mit Hidschāb und arabische Männer mit Kopftuch systemübergreifend im Emoji-Set repräsentiert.

Alle, deren Emoji-Wunsch allen oben genannten Kriterien standgehalten hat, können wir nur raten: Stellt einen Antrag und macht viele andere Leute glücklich damit, dass sie bald ein weiteres Emoji aus einer Palette auswählen können, die heute bereits 3019 Symbole umfasst. Denn, wie Rayouf Alhumedhi, die Antragstellerin für das Hidschāb-Emoji, bestätigen kann: Repräsentation ist wichtig!

Share:

Jana Ahrens

Chefredakteurin

Jana Ahrens liebt die Auseinandersetzung mit der Mode und mit den Gegenständen und Situationen eines modernen Lebens. Sie interessiert sich weniger für schöne Dinge, als eher für die Schönheit ihrer Umstände. Im Januar 2018 hat sie die Chefredaktion des Monda Magazins übernommen.

Kommentieren