War der Bitcoin-Hype pure Manipulation?

02.07.2018
Words by Jana Ahrens
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Gezielte Preismanipulationen könnten für mindestens die Hälfte der Wertsteigerungen von Bitcoin und anderen Kryptowährungen im Jahr 2017 verantwortlich sein. Vor Kurzem wurde dazu der Bericht eines Forschers veröffentlicht, der bereits andere spektakuläre Finanz-Täuschungen aufgedeckt hat.

Der Bericht von John Griffin, Professor für Finanzwirtschaft an der University of Texas, und Amin Shams, einem Studierenden in Griffins Graduiertenprogramm, wird sehr wahrscheinlich eine Debatte anstoßen. Die Frage wird sein, inwiefern die massive Wertsteigerung von Bitcoin im letzten Jahr durch verdeckte Maßnahmen einiger weniger zustande kam und nicht durch das große Interesse von Investoren ausgelöst wurde.

War der Bitcoin-Hype reine Manipulation?
Bildquelle: Unsplash

Bitcoin-Hype: Wurden die Preise bewusst manipuliert?

Griffin und Shams waren nicht die Ersten, die den Verdacht hatten, dass die Bitcoin-Preise zumindest teilweise durch gezielte Manipulation einer Börse namens Bitfinex in die Höhe getrieben wurden. Doch sie waren die Ersten, die sich Zeit für eine gründliche Analyse genommen haben. Bitfinex ist eine der größten Börsen für Kryptowährungen weltweit. Sie ist in der Karibik registriert und unterhält Büros in Asien. Jetzt wurden ihre Betreiber durch US amerikanische Regulationsbehörden vorgeladen, nachdem die New York Times und andere Zeitungen die Manipulationsvorwürfe durch Griffin und Shams publik gemacht hatten.

Professor Griffin untersuchte den Kursverlauf digitaler Währungen beim Ein- und Ausgang aus Bitfinex. Dabei identifizierte er verschiedene ausgeprägte Muster. Sie erwecken den Eindruck, dass eine oder mehrere Personen von Bitfinex erfolgreich die Bitcoin-Preise aufwärts manipulierten, sobald diese an anderen Börsen zu fallen begannen. Um dies zu erreichen, nutzte die Person – oder nutzten die Personen – bei Bitfinex eine zusätzliche virtuelle Währung, die als Tether bekannt ist und von den Betreibern von Bitfinex gegründet wurde, um andere Kryptowährungen aufzukaufen.

Bitcoin-Manipulation
Wurden Bitcoin-Preise zumindest teilweise durch gezielte Manipulation einer Börse namens Bitfinex in die Höhe getrieben? / Bildquelle: Unsplash

Tetherausgaben sorgten für enorme Preissteigerungen

Tether ermöglicht eine Transaktion nach Vorbild des amerikanischen Dollars, ohne dass eine Bankverbindung nötig wäre. Das würde aber voraussetzen, dass die U.S.-Dollar-Reserven die Tetherwährung decken können. Eine Währung ist dann gedeckt, wenn sie am Ende eines Monats durch die Einlagen – in diesem Fall die U.S.-Dollar-Einlagen – in einer Zentralbank oder beim internationalen Währungsfond bezahlt werden könnte. Es gibt begründeten Zweifel daran, dass diese Deckung durch Bitfinex eingehalten wurde. Scheinbar wurden mehr Tether ausgegeben, als über U.S.-Dollar gedeckt werden könnten.

Laut der Autoren des Manipulations-Berichts sorgt bereits diese unklare Deckung für große Risiken: “Offensichtlich gab es im letzten Jahr enorme Preissteigerungen, und dieser Bericht zeigt deutlich, dass diese durch Manipulation erzielt wurden”, sagt Professor Griffin.

Manipulation: Bitcoin
“Offensichtlich gab es im letzten Jahr enorme Preissteigerungen…” / Bildquelle: Unsplash

Griffin und Shams: Ihr Bericht brachte Bitcoin-Preise zum Fallen

Bitfinex hat in der Vergangenheit bereits betont, dass die Börse niemals an irgendeiner Form von Markt- oder Preismanipulation beteiligt war. “Die Währung Tether kann nicht genutzt werden, um den Preis von Bitcoin oder irgendeiner anderen Münze oder Wertmarke auf Bitfinex zu stützen”, sagte Jan Ludovicus van der Velde, Generaldirektor von Bitfinex.

Trotzdem sorgte der Bericht von Griffin und Shams dafür, dass der Abwärtstrend von Bitcoin und anderen Kryptowährungen weiterging. Nach Veröffentlichung des Berichts fiel der Preis von Bitcoin um bis zu 5% und erreichte damit seinen bisherigen Tiefpunkt im Jahr 2018. Im Vergleich zu seinem Hoch im letzten Jahr ist der Wert von Bitcoin um mehr als 65% gesunken.

Die Autoren des 66 Seiten starken Berichtes haben weder E-Mails noch andere Dokumente, die ihren Manipulationsvorwurf gegen Bitfinex stützen. Allerdings konnten die Forscher für ihre Untersuchung auf Millionen von Transaktionsdokumentationen zurückgreifen, die via Blockchain in der öffentlichen Buchhaltung verschiedener Kryptowährungen abgelegt sind. Wie das funktioniert, lässt sich in unserem Artikel zu Bitcoin und Blockchain nachlesen. In diesen digitalen Unterlagen suchten Griffin und Shams mithilfe von künstlicher Intelligenz nach auffälligen Mustern.

Besonders gezielt untersuchten Griffin und Shams den Flow von Tether, da diese Währung exklusiv durch Bitfinex in großen Bündelungen vertrieben wird.

Gab es Bitcoin-Manipulationen?
Es existieren weder E-Mails noch andere Dokumente, die ihren Manipulationsvorwurf gegen Bitfinex stützen… / Bildquelle: Unsplash

Griffin und Shams: Zwingt ihr Bericht die Bitfinex-Betreiber in die Knie?

Sie fanden heraus, dass die Hälfte der Bitcoin-Preissteigerungen im Jahr 2017 nur wenige Stunden nach einem Transfer von Tether eintrat. Solche Transfers wurden generell immer dann getätigt, wenn der Wert von Bitcoin gerade zu sinken begann.

Andere virtuelle Währungen, die ebenfalls mit Tether gekauft werden können, zum Bespiel Zcash, legten in diesen Situationen sogar noch schneller im Preis zu als Bitcoin. Auffällig war dabei, dass die Preise an Börsen, die Tether akzeptieren, erheblich mehr anstiegen als an Börsen, die dies nicht tun. Zudem wurde deutlich, dass diese Muster nicht mehr zu finden waren, nachdem Bitfinex 2018 die Zuteilung von Tether stoppte.

Die Untersuchungsmethode der Autoren ist nicht vor Gericht verwertbar. Doch verschiedene Finanzanalysten und Wissenschaftler haben die Arbeit von Griffin und Shams als solide und schwer abweisbar bewertet. Inzwischen wurden mehrere Klagen gegen Bitfinex angestrengt. Ergebnisse zur Vorladung der Bitfinex-Betreiber vor die U.S. Commodity Futures Trading Commission gibt es noch nicht.

Das Beitragsbild ist übrigens von Rawpixel auf Unsplash

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Jana Ahrens

Jana Ahrens liebt die Auseinandersetzung mit der Mode und mit den Gegenständen und Situationen eines modernen Lebens. Sie interessiert sich weniger für schöne Dinge, als eher für die Schönheit ihrer Umstände. Bis 2013 hat sie als Modedesignerin gearbeitet. Seitdem widmet sie sich dem Schreiben. Im Januar 2018 hat sie die Chefredaktion des Monda Magazins übernommen.

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