Ist Urlaub in der Probezeit verboten?

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: Campaign Creators auf Unsplash
Vier Personen in einem Büro
Wer einen neuen Job beginnt, hat in der Regel eine 6-monatige Probezeit und vielleicht sogar eine Urlaubssperre. Letztere sieht das Arbeitsrecht aber gar nicht vor.
 

Die erste Zeit im neuen Job kann sehr aufregend sein. Die Kolleginnen und Kollegen, das Umfeld, die Aufgaben – alles ist neu. Um in die Arbeit hineinzufinden, gibt es die sogenannte Probezeit, in der sich Arbeitnehmer*innen und Arbeitgeber*innen kennenlernen und herausfinden sollen, ob es für beide gleichermaßen passt. Tut es das nicht, können beide Parteien in dieser Zeit das Arbeitsverhältnis mit einer nur zweiwöchigen Kündigungsfrist beenden.

Jedem Arbeitnehmer steht von Anfang an Urlaub zu

Dem Ende der Probezeit wird also oft entgegengefiebert. Nicht nur, weil einem der Job dann endlich sicher ist, sondern weil es auch eine Art Meilenstein markiert und zeigt, dass die neue Chefin oder der neue Chef offenbar zufrieden ist. Worauf sich viele Arbeitnehmer*innen außerdem freuen, ist das Einreichen der ersten Urlaubstage. Doch das hätte laut Arbeitsrecht schon viel früher geschehen können.

Zwar steht neuen Mitarbeiter*innen tatsächlich erst nach sechs Monaten der volle Urlaubsanspruch zu – doch hat das nichts mit der Probezeit zu tun. Denn die Betonung liegt hier auf voll. Ein anteiliger Anspruch besteht auch vorher schon, und zwar ein Zwölftel für jeden vollen Monat, der bereits gearbeitet wurde. Bei durchschnittlich 28 Urlaubstagen im Jahr sind das zwei Tage pro Monat, die deutsche Arbeitnehmer*innen sich auch während der Probezeit genehmigen dürfen.

 

Probezeit: Sie ist nicht gesetzlich geregelt

Fakt ist, dass es kein Gesetz gibt, welches eine Probezeit überhaupt vorschreibt. Arbeitgeber*innen haben hier freie Hand – nur überschreiten dürfen sie die sechs Monate nicht. Aus diesem Grund gibt es auch keine allgemeingültige Regelung, was den Urlaubsanspruch in dieser Zeit angeht. Um den Urlaub zu verbieten, braucht es einen guten Grund, wie etwa den, dass die Urlaubstage mit denen anderer Mitarbeiter kollidieren würden und zu viele Personen auf einmal frei hätten. Aber auch das gilt ja immer und ist völlig unabhängig von der Probezeit.

Übrigens kommt es immer häufiger vor, dass Unternehmen das Einreichen von Urlaubstagen während der Probezeit sogar begrüßen. Immerhin verhindert dies einen Überschuss an Urlaubstagen in der zweiten Hälfte des Arbeitsjahres. Wer also auch während der Probezeit ein paar freie Tage benötigt, kann, sofern es die Umstände erlauben, durchaus darauf bestehen, sie auch zu bekommen.

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Alltag

Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

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