Umstritten: Forschungen an Menschenaffen-Hybriden gestartet

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: Quentin Dr auf Unsplash
Umstrittene Experimenten mit Menschenaffen-Hybriden gestartet
Kontroverse Forschung: Wissenschaftler haben erstmals menschliche Zellen in Affenembryonen eingesetzt. Das Ziel soll sein, in den Tieren Organe heranwachsen zu lassen, die zu Transplantationszwecken herangezogen werden können. 
 

Allein in Deutschland stehen aktuell etwa 9.500 Menschen auf der Liste für ein Spenderorgan. Die meisten von ihnen warten auf eine Niere. Viele Leben ließen sich also retten, wenn genügend Spenderorgane vorhanden wären. Aus diesem Grund wird immer wieder darüber diskutiert, ob ein Organspende-Ausweis verpflichtend sein oder weiterhin freiwillig bleiben muss. 

So werden Chimären hergestellt 

Doch wie die spanische Tageszeitung El País berichtet, arbeiten Forscher aktuell an einer anderen, sehr umstrittenen Möglichkeit, um das Problem zu lösen. So soll das Team um den in Spanien geborenen Biologen Juan Carlos Izpisúa Belmonte in China Embryonen entwickelt haben, die zum Teil Mensch und zum Teil Affe sind. Perspektivisch soll es möglich sein, Tiere mit Nieren oder Lebern heranwachsen zu lassen, die vollständig aus menschlichen Zellen bestehen, um diese anschließend transplantieren zu können.

Bei der Herstellung der sogenannten Chimären wurden humane embryonale Stammzellen in die einen Tag alten Embryos einer anderen Primatenart, genauer von Makaken, injiziert. Die Hoffnung ist, dass die menschlichen Zellen mit dem Embryo mitwachsen. In einem vorherigen Experiment setzte Izpisúa Belmonte Schweine ein. Auch hier versuchte er durch Zugabe von menschlichen Zellen Embryos herzustellen – jedoch ohne Erfolg.

Experimente sind in den USA nicht erlaubt

Da Affen genetisch näher am Menschen sind, könnte es tatsächlich möglich sein, dass die aktuellen Experimente gelingen. Doch das Vorgehen ist äußerst umstritten. In den USA ist es aus ethischen und moralischen Gründen nicht erlaubt, die Mensch-Affen-Embryonen heranzuzüchten. Um den strengen Gesetzen im eigenen Land zu entgehen, verlagerte Izpisúa Belmonte seine Untersuchungen also nach China, wo es derartige Regelungen nicht gibt. Allerdings existiert auch hier eine Grenze. Die hybriden Embryonen dürfen sich lediglich bis zu zwei Wochen im Labor entwickeln und dort untersucht werden. Weiter darf das Experiment aktuell nicht getrieben werden.  

Menschliche Organe in Affen züchten nicht sinnvoll?

Die ersten Forschungsergebnisse sollen inzwischen vorliegen und kurz vor der Veröffentlichung stehen. Ob Juan Carlos Izpisúa Belmonte Erfolg mit seiner Studie hat und wie die umstrittenen Untersuchungen künftig weiter gehen, dürfte also schon bald bekanntgegeben werden. Inzwischen äußerte sich Pablo Ross, ein Veterinärforscher an der University of California, Davis, der zuvor ebenfalls mit Schwein-Mensch-Chimären gearbeitet hat. Er ist sich sicher, dass es nicht sinnvoll sei, menschliche Organe in Affen zu züchten. »Ich habe immer behauptet, dass es nicht sinnvoll ist, dafür einen Primaten zu verwenden. Der Grund ist ganz einfach: Sie sind meist sehr klein, und es dauert zu lange, bis sie sich entwickelt haben«.

Ross vermutet daher, dass die Forscher wesentlich grundlegendere wissenschaftliche Fragen vor Augen haben. Das Injizieren menschlicher Zellen in Affenembryonen könnte ernsthafte »Diskussionen über evolutionäre Distanz und die Barrieren zwischen verschiedenen Arten« ins Rollen bringen. 

 

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Alltag

Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

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