Tempolimit: Müssen wir uns vor uns selbst schützen?

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: Jantine Doornbos
Frau am Steuer eines Volvos vom Beifahrersitz aus fotografiert

Bis 2020 möchte der schwedisch-chinesische Autohersteller Volvo ein allgemeines Tempolimit von 180 Kilometern pro Stunde für sämtliche Modelle der Marke einführen. Bringt das was?

 

Aktuell ist Deutschland die einzige Industrienation ohne Geschwindigkeitsbegrenzung. Im europäischen Ausland sowie in den USA gelten in der Regel 130 km/h als absolute Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen und Schnellstraßen. In Japan darf man sogar nur 100 Stundenkilometer fahren. Auch in Deutschland wird immer wieder über ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen diskutiert. Denn gerade dort kommt es immer wieder zu brenzligen Situationen, die aufgrund von extremen Geschwindigkeiten nicht mehr realistisch einzuschätzen sind und im schlimmsten Fall Todesopfer zur Folge haben. 

Weniger Verkehrsunfälle durch Tempolimit? 

Unabhängig von künftigen Entscheidungen der Bundesregierung zu möglichen Geschwindigkeitsbegrenzungen möchte der Autohersteller Volvo das Tempo in all seinen Modellen voreingestellt drosseln. Ab 2020 soll das Limit bei 180 Kilometern pro Stunde liegen. Diese Entscheidung begründet Volvo so: »Unsere Vision ist, dass bis zum Jahr 2020 niemand mehr in einem neuen Volvo sein Leben verlieren oder schwer verletzt werden soll.«. Seit der Gründung im Jahr 1927 gehört die Sicherheit zu den wichtigsten Kernwerten der Marke. Und diese Sicherheit soll nun noch viel weiter reichen. 

Beim Autofahren geht es nie ausschließlich um Pragmatismus. Es schwingen immer große Gefühle mit.
 

Autos mit eigenem Willen?

Dafür hat sich Volvo mit dem Fahrverhalten der Menschen beschäftigt. Neben der zu hohen Geschwindigkeit hat der Autohersteller auch die Ablenkung durch Smartphones sowie Alkohol- oder Drogenkonsum als größte Unfallursachen ausgemacht. Momentan wird bei Volvo untersucht, ob nicht nur die allgemeine Höchstgeschwindigkeit der Autos begrenzt wird, sondern unter bestimmten Umständen auch noch viel niedrigere Geschwindigkeiten vorgeschrieben werden sollten. So wird über eine automatische Tempobegrenzung im Umfeld von Schulen und Krankenhäusern nachgedacht. Bedeutet: Alle Volvofahrer*innen, die mit 50 km/h an einer Schule vorbeifahren möchten, werden dann vom Auto auf 30 km/h abgebremst. Technisch gesehen ist diese Funktion leicht umsetzbar. Schon jetzt sind alle neuen Autos in der EU für das Notrufsystem mit einem GPS-Sensor und einer eSIM-Karte ausgestattet. 

Tempolimit: Die Umwelt profitiert

Eine allgemeine Regulierung der Geschwindigkeit wäre somit nicht nur sicherer, sondern käme auch der Umwelt zugute. Das Umweltbundesamt hat untersucht, dass sich der CO2-Ausstoß bei einem Tempolimit von 120 km/h um ganze 9 % reduzieren ließe. Aber die Deutschen wollen sich das Rasen nicht nehmen lassen – erst Anfang 2019 hat die Bundesregierung die Einführung eines Tempolimits auf deutschen Autobahnen abgelehnt. 

Insofern bleibt Deutschland das einzige Land, in dem sich die von Volvo geplante eingebaute Höchstgrenze von 180 km/h überhaupt bemerkbar machen kann – denn in den Ländern, in denen man sowieso nicht schneller fahren darf als 130 km/h, wird diese Neuerung ja ohnehin nicht weiter auffallen. 

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Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

3 Kommentare

Fensch
#3 — vor 3 Monaten
Hoch interressante Reaktionen! Die beiden Schreiberlinge oben sagen damit, dass alle anderen Regierungen auf der Welt Idioten sind und damit auch deren Völker!!! An dem deutschen Wesen soll die Welt genesen!?
n.Olivier
#2 — vor 3 Monaten 3 Wochen
Bis jetzt wurde kein relevanter Zusammenhang mit hohen Geschwindigkeiten bei Unfällen gefunden (nicht zu verwechseln mit unangepasster Geschwindigkeit) Es Sterben mehr Personen auf Freilandstraßen, besonders in Alleen.
Ebenso ist der Umwelschutz so gering, dass er keinerlei relavante Auswirkungen hat.
Besser mit Hirn 200km/h als wie 100km/h mit Handy am Ohr, der Zigarette in der anderen Hand beim träumen vom nächsten Urlaub und die Spiegel zum Schminken eingestellt.
Dietrich Oldendorf
#1 — vor 7 Monaten 1 Woche
Was für ein tendenziöser, unintelligenter Artikel. Langsamfahren ist toll, Volvo machts richtig, und alle, die das anders sehen, sind böse Raser. Wie undifferenziert kann man denn schreiben oder als AutorIn sogar selbst sein? Interessant dabei: Oben alles Öko, und unter dem Artikel in den Links ist dann allein drei Mal die Formel 1 vertreten. Da werden dann eigene finanzielle Interessen über das Fazit des Artikels gestellt und den LeserInnen das Thema »Doof im Kreis fahren mit einem Verbrauch von mehr als 30 Liter Sprit auf 100km« wärmstens empfohlen. Nicht zu fassen ...

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