Technik-Unterricht im Kindergarten? Eltern sind dagegen!

Words by Arzu Gül
Photography: Freepik
Lesezeit: 2 Minuten
Kindergärtnerin und Kinder - Kindergarten Smartphone

In der Schule werden Kinder bereits heute mit diversen technischen Geräten konfrontiert. Wäre es aber nicht sinnvoller, schon im Kindergarten damit anzufangen? Wir haben nachgefragt.

Das Smartphone ist in unserem Alltag heutzutage allgegenwärtig. Wir nutzen es nicht mehr nur zur Kommunikation, sondern auch beruflich, zum Einkaufen, zum Online-Banking, als Terminkalender und Unterhaltungsmedium. Was einst als Gerät für Erwachsene gedacht war, ist heute auch aus Kinderhänden schon nicht mehr wegzudenken. Immer mehr Kinder und Jugendliche besitzen ein eigenes Smartphone, spielen Spiele auf dem Tablet, erhalten via E-Mail Schulaufgaben von ihren LehrerInnen oder erlernen im IT-Unterricht den Umgang mit Computern und dem Internet. 

Technik-Berufe werden für künftige Generationen immer wichtiger

Eines ist klar: Der Umgang mit technologischen Geräten gewinnt nicht nur privat immer mehr an Bedeutung, sondern wird auch im Berufsleben immer wichtiger. Viele Arbeitsplätze sind heutzutage vollständig auf den Umgang mit Laptops, Tablets und Smartphones ausgerichtet. Berufe wie »KI-SpezialistIn« oder »IT-Security-SpezialistIn« gehören inzwischen zu den wichtigsten Trendberufen auf dem Arbeitsmarkt. Nur verständlich, dass da die Überlegung aufkommt, Kinder schon früh an neue Technologien heranzuführen und somit für das spätere Arbeitsleben zu fördern.  

In vielen Schulen ist ein umfassender Medieneinsatz schon lange an der Tagesordnung. Aber wäre es nicht angebracht, Kindern schon viel früher einen verantwortungsvollen Umgang mit Medienprodukten zu vermitteln? Gemeinsam mit dem Meinungsforschungsunternehmen Civey haben wir eine repräsentative Umfrage durchgeführt und nachgefragt: Sollten Kinder den Umgang mit digitalen Geräten und Medien bereits spielerisch in Kindergärten erlernen?

Mehrheit der Deutschen lehnt Einsatz der Geräte im Kindergarten ab

Die Mehrheit der Deutschen (ca. 57 %) spricht sich eindeutig dagegen aus und möchte nicht, dass Kinder bereits im Kindergarten mit Technologie in Berührung kommen. Die meisten Befragten befürworten einen »natürlichen« pädagogischen Ansatz, in dem Kinder lernen zu kommunizieren, ihre Umwelt zu erkunden und ihre Sinne zu nutzen, ohne dabei von digitalen Geräten abgelenkt zu werden. Ca. 9 Prozent der Befragten sind sich unsicher und konnten keine klare Antwort auf die Frage geben. Nur rund 34 Prozent der Deutschen stimmen für »Ja« bzw. »Eher Ja«, wenn es um den Einsatz neuer Technologien im Vorschulbereich geht.

Männer (ca. 40 %) sind generell noch eher dazu geneigt, eine frühkindliche Medienbildung im Kindergarten zu akzeptieren. Im Vergleich dazu konnten sich nur 28 Prozent der Frauen mit diesem Gedanken anfreunden. Interessant: Menschen, die mit eigenen Kindern in einem Haushalt leben, sind in der Regel strenger, wenn es um den Medieneinsatz geht. 66 Prozent derjenigen, die Kinder im Haushalt haben, stimmten eindeutig für ein »Nein«, wohingegen »nur« 54 Prozent der Befragten ohne eigene Kinder im Haushalt den frühkindlichen Einsatz der Geräte vollständig ablehnten.

Eltern sollten Einsatz frühzeitig lehren und Grenzen setzen!

Allgemeingültige Empfehlungen für den Einsatz technologischer Geräte im Kindergarten gibt es noch nicht. Die vielfältigen Potenziale der Neuen Medien und Technologien stellen Bildungsinstitutionen für drei- bis sechsjährige Kinder aktuell noch vor die Herausforderung, überhaupt erstmal altersgerechte Konzepte für eine angemessene Medienbildung zu entwickeln. Wichtig ist, dass Kinder in ihren Kompetenzen für den aktiven Umgang mit Medien gestärkt werden, aber auch einen kritischen Umgang und die nötige Reflexion im Umgang mit den Geräten und Inhalten erlernen. 

Ob im Kindergarten oder im familiären Umfeld – Medien beeinflussen die frühe Kindheit und können als bedeutender Sozialisationsfaktor gesehen werden. ErzieherInnen und Eltern wird deshalb angeraten, sich die Zeit dafür zu nehmen, Kindern eine erste Orientierung und Einordnung zu vermitteln, aber gleichzeitig auch Grenzen zu setzen und ihnen einen kritischen Umgang mit den Neuen Medien beizubringen. 

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Arzu Guel

Redakteurin

Nach einem MBA in Medienmanagement und Stationen in der Produktentwicklung, Objektleitung und Vermarktung von Magazinen, hat Arzu Guel zurück zu ihrer eigentlichen Leidenschaft, dem Schreiben und Kreieren von Content, gefunden. Seit September 2019 schreibt sie nicht nur für Monda Magazin, sondern entwickelt auch Formate für unseren Instagram-Kanal. Sie brennt für die Themen Digitalisierung, Future Trends und für Menschen mit einzigartigen Geschichten.

1 Kommentar

HeinzEckhard
#1 — vor 6 Monaten 3 Wochen
Die Nutzung von Smartphones und allen weiteren Endgeräten im Digitalbereich wird in Zukunft immer leichter, weil die Software immer komplexer und damit userfreundlicher wird. Geben Sie einem 7-Jährigen mal ein internetfähiges Handy in die Hand. In wenigen Stunden wird er schon professioneller damit umgehen können, als ein Durchschnittserwachsener. Das Entscheidende ist aber: was macht der 7-Jährige damit? Wie lange spielt er mit seinem Handy, auch gegen die Ermahnungen seiner Eltern? Schaut er noch auf die Ampel, bevor er über die Strasse geht?

Sorry, aber bei aller Notwendigkeit, Medienkompetenz und digitales Verständnis zu erlernen: Handy & Co. gehören nicht in einen Kindergarten. Bringen wir doch unseren Kindern zuerst mal bei, wie Menschen »face-to-face« kommunizieren, zusammen Spaß haben, sich streiten und an der frischen Luft ihre tatsächliche Umwelt erkunden. In die virtuellen Räume werden sie schon früh genug kommen.

An unser Grundstück grenzt ein Kindergarten. Jedes Mal, wenn das Wetter gut ist, rennen, toben und schreien die Kinder draußen herum. Das bereitet mir eine unheimliche Freude.

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