Tabu-Thema: Sprecht endlich über euer Gehalt!

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: Randy Colas
Frauen demonstrieren für die Zukunft von Frauen
Noch immer verdienen Frauen durchschnittlich 21 Prozent weniger Geld als Männer. Der Equal Pay Day soll alle Arbeitnehmer*innen zu mehr Austausch ermutigen.

Ungerechte Bezahlung ist noch immer ein Problem. Mit dem Equal Pay Day (EPD) wird am 18. März verdeutlicht, dass immer noch eine große Lücke zwischen den Gehältern von Männern und Frauen klafft und dass der Weg zu einer echten Gehaltsgerechtigkeit noch weit ist. Denn bislang arbeiten Frauen in Deutschland noch immer für viel zu wenig Geld. Laut des Statistischen Bundesamtes bereinigt sich die sogenannte Gender Pay Gap seit 2006 nur sehr langsam.

Equal Pay: Nur Austausch & Transparenz bringen uns voran

Eine große Hürde auf dem Weg zur gerechten Bezahlung für eine gleichberechtigte Zukunft sind nicht nur fehlende Gesetze, sondern auch der fehlende Austausch. In einer Umfrage von 2015 gaben mehr als 40 Prozent der Deutschen an, dass sie nicht genau wüssten, was ihr Partner eigentlich verdient. Hier gilt wie so oft: Um Probleme aus dem Weg zu räumen, gibt es nur eine vernünftige Lösung – nämlich darüber zu reden und sich kontinuierlich auszutauschen.

Aus diesem Grund gibt es jedes Jahr rund um den EPD zahlreiche Veranstaltungen, die unter anderem deutlich machen sollen, dass wir erst dann von Gerechtigkeit sprechen können, wenn gleiche Arbeit auch gleich bewertet wird. »Lohngerechtigkeit ist möglich, wenn wir bei der Bewertung von Arbeit die gleichen Maßstäbe ansetzen – für Mann und Frau!«, heißt es dazu auf der offiziellen »Equal Pay Day«-Informationsseite.

Equal Pay: Ein Leitfaden für mehr Transparenz

Einen Ansatz, der die Kommunikation fördern soll, gibt es seit dem 6. Januar 2018. Das sogenannte »Entgelttransparenzgesetz« soll dafür sorgen, dass Arbeitnehmer*innen ohne Scham beim Arbeitgeber das Durchschnittsgehalt der Kollegen*innen erfragen können, die in einem vergleichbaren Tätigkeitsfeld beschäftigt sind. Einziges Manko: Der Auskunftsanspruch besteht aktuell nur für Unternehmen mit mehr als 200 Mitarbeiter*innen. Wie und wo genau die Abfrage erfolgen kann, zeigt dieser Leitfaden.

Mehr Transparenz = mehr Gerechtigkeit?

Mit bestem Beispiel geht übrigens Dänemark voran. Im Jahr 2007 trat hier der sogenannte »Equal Pay Act« in Kraft. Aufgrund dieses Gesetzes müssen selbst kleinere Unternehmen ihre Gehaltsstatistiken in Bezug auf das Geschlecht offenlegen. Eine Studie, die zwischen 2003 und 2008 – also vor und nach Inkrafttreten des Gesetzes – durchgeführt wurde, zeigt: Die neue Offenheit konnte die Gender Pay Gap um stolze 7 Prozent verringern – und das in nur einem Jahr.

Mehr Transparenz kann also tatsächlich zu mehr Gerechtigkeit führen. Wann diese Gerechtigkeit auch bei uns in Deutschland ankommt, liegt dabei an jeder und jedem Einzelnen von uns und vor allem an der Durchsetzung strengerer Gesetze. 

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Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

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