So sieht Gründer Matthias Lemcke die Zukunft der Mobilität

Words by Jana Ahrens
Photography: Evectro
Sponsored
Man mit kurzen grau-blonden Haaren und Brille in einem blauen Paisley-Hemd lacht freundlich in die Kamera

Matthias Lemcke hat vor zwei Jahren in Hamburg einen Store für intelligente Mobilität eröffnet. Viele rieten ihm ab. Er war aber schon damals  und ist auch weiterhin – davon überzeugt, dass ein Mobilitätswandel kommen muss. Wir sprechen mit ihm darüber, was noch immer schwierig ist, wo sich Dinge bewegen und wie auch eine sehr individualiserte Gesellschaft davon überzeugt werden kann, gemeinsam den richtigen Weg zu gehen. 

 

Anscheinend ist die Leidensfähigkeit der Menschen groß, wenn es um ein Gefühl von Autonomie geht. Viele Menschen verbinden mit dem eigenen Auto ein starkes Gefühl von Freiheit, obwohl der Straßenverkehr der am stärksten reglementierte öffentliche Raum ist, in dem man sich bewegen kann. Empfindest du das auch so?

Klar, und diese Diskrepanz wird sich noch verstärken. Am Beispiel Parkplätze: Unilever zieht in Hamburg gerade mit den Büroflächen von der grünen Wiese in die Innenstadt. Von einer Fläche, auf der es ungefähr 600 Parkplätze gab, geht es jetzt in eine Gegend, wo es nur noch 60 Parkplätze geben wird. Wenn ich keinen Parkraum mehr habe und den für andere Dinge zu Verfügung stelle, dann ist der Schmerz, einen Parkplatz zu finden, so groß, dass ich gar nicht erst mit dem Auto komme. Die Stadt Bremen macht gerade das größte Parkhaus in der Innenstadt zu. Die übrig bleibenden Parkhausplätze werden dann natürlich teurer.

 

Der Scrooser, irgendwo zwischen Kickscooter und Roller, im Alltag.

Man muss dazu stehen zu sagen: Ok, das wird mir selber auch wehtun, aber ich bin trotzdem dafür.

Matthias Lemcke

Wie wirkt man dann dem Privileg entgegen, was daraus entsteht.

Indem einfach gar keine Parkflächen mehr schafft. Weder für arm noch für reich. Es gibt dann keine Parkplätze mehr für Autos. Die Wohngebiete werden einfach in reines Anwohner-Parken verwandelt.

Es gibt so viele Möglichkeiten, die sich unsere alte Regierung – auch durch ihren Bezug zur Industrie – nie getraut hat umzusetzen. Die alten Säcke – ich bin auch ein alter Sack, deshalb darf ich das sagen ­– agieren nach dem Prinzip »Fighting-for-existenz«. Bloß nicht irgendwo anecken. Man muss aber anecken, um etwas zu verändern. Man muss Dinge klar benennen. Man muss dazu stehen zu sagen: »Ok, das wird mir selber auch wehtun, aber ich bin trotzdem dafür.« Denn nur so wird sich etwas verändern.

 

Müsste es dafür mehr Kompetenz an den richtigen stellen geben?

Ich glaube, wir brauchen vor allem mehr Konsequenz. In China läuft vieles nicht gut. Aber wenn in China entschieden wird dann läuft das so: In einer Stadt mit 11 Millionen Menschen kommt ein Dekret raus, das besagt, dass ab dem 15. eines bestimmten Monats kein Verbrenner mehr in die Zone 1 und 2 einer Stadt einfahren darf. Und dann ist das so. Wenn Menschen trotzdem mit Verbrennungsmotoren auftauchen, werden deren Autos direkt konfisziert. Ich war gerade in der 18 Millionen Metropole Guangzhou. Dort war ich auch öfter, als ich noch im Textilbereich gearbeitet habe. Früher habe ich dort Atemmaske getragen und konnte mein Hotelfenster nicht öffnen, weil draußen so ein Verkehrslärm war. Dieses Mal habe ich mich auf dem Weg vom Flughafen in die Stadt gefragt, ob ich in der Toskana gelandet bin. Alles grün, kein Krach mehr auf den Straßen, alles elektrisch. Einspurige Fahrzeuge waren locker zu 95% elektrisch angetrieben. Die Luft war sauber.

 

 

Nun haben wir hier ja kulturell eine andere Situation. Wie kann die Veränderung auch innerhalb einer demokratischen Kultur mit einem starken Hang zu Individualismus funktionieren, da wir jetzt wissen, dass wir nicht mehr viel Zeit haben?

Wir müssen diesen Individualismus mitdenken. Es geht um Lifestyle. Das Neue muss attraktiv sein. Wir machen ab und an Straßenfeste. Da habe ich erlebt, dass ein junges Mädchen mit ihrer Mutter zu uns kam und wirklich sagte: „Mama, ich kann mich mit meiner Vespa in der Schule nicht mehr sehen lassen.“ Das grenzt natürlich an Mobbing. Aber das ist die Einstellung der jungen Leute. Es muss cool sein, einen E-Roller zu fahren. Und es muss cool sein und Spaß machen, sich so durch die Innenstadt zu bewegen, statt mit lauten Autos durch die Gegend zu bollern. Es muss cool sein für Eltern, ihre Kinder nicht im SUV zum Kindergarten zu fahren, sondern sie mit dem Taxi von Moia bringen zu lassen.

Wir machen alles, außer verschenken.

Matthias Lemcke

Wie reagierst du auf die ganzen neuen Sharing-Services mit Elektro-Rollern?

Das ist eine super Bestätigung. Für mich als Unternehmer, war es nicht leicht, diesen Kampf für das Neue anzugehen. Aber es glauben immer mehr Leute daran, auch. Der Markt ­­­– die Veränderung des Marktes durch die vielen kleinen Entwicklungen – zeigt einfach, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Vieles ist noch nicht das Gelbe vom Ei. Aber es ist zumindest der Weg stimmt.

 

Ihr bietet ja sowohl die Möglichkeit zu Leihen als auch zu Kaufen. Wie gut wird denn das Leih-Angebot bei euch angenommen?

Sehr gut. Ich sag immer: Wir machen alles, außer verschenken. Das können wir uns noch nicht erlauben. Wir machen auch Touren. Da erleben lässt sich Mobilität noch einmal ganz anders erleben. Wie schön es ist, über einen Deich zu fahren und keinen Krach zu haben. Sondern nur so dahin zu surren. Da hörst du die Vöglein zwitschern und erlebst die Natur ganz anders.

Zurück zu Seite 1

Evectro-Gründer setzt auf intelligente Mobilität

Matthias Lemcke hat sich verhältnismäßig spät im Leben für einen Karriere-Neustart entschieden. Früher handelte er mit Mode, heute betreibt er einen Store für intelligente Mobilität in Hamburg. Der heißt Evectro und bietet Elektromobilität in ihrer sinnvollsten Form an. Warum Matthias diesen Schritt – trotz langer Arbeitstage, suboptimaler innerdeutscher Voraussetzungen und skeptischen Kunden – nie bereut hat, erzählt er im Interview.

Share:

Jana Ahrens

Chefredakteurin

Jana Ahrens liebt die Auseinandersetzung mit den Gegenständen und Situationen eines modernen Lebens. Dabei interessiert sich weniger für schöne Dinge, als eher für die Schönheit ihrer Umstände. Zum Schönen gehört natürlich auch, wenn sich komplexe Themen in verständliche Zusammenhänge zerlegen lassen. Im Januar 2018 hat sie die Chefredaktion des Monda Magazins übernommen.

Kommentieren