So funktioniert’s – Bitcoin-Briefing ohne Macho-Gehabe

27.06.2018
Words by Jana Ahrens
Bitcoin: Das kann die Kryptowährung

Die Tage der astronomischen Bitcoin-Preise sind wohl gezählt. Immer mehr News-Artikel drehen sich um die dunklen Seiten der Kryptowährung, wie Manipulation und Diebstahl. Umso wichtiger ist es, deren Funktionsweise verstehen zu lernen.

Was sind eigentlich die Vorteile von Bitcoin?

Viele Bitcoin-Käufer und -Nutzer empfinden es als großen Vorteil, dass die Kryptowährung Bitcoin vollkommen unabhängig von anderen Währungen, Werten und Banken ist. Bitcoin orientiert sich nicht am Wert von Gold oder dem US-Dollar, es gibt auch keine Scheine oder Münzen. Zudem wird der Austausch von Bitcoins direkt zwischen zwei Handeltreibenden vorgenommen, ohne den Umweg über Vertrauens-Broker wie beispielsweise Banken. Deshalb tauchten die ersten Konzepte für Bitcoin auch ziemlich direkt nach dem letzten großen Banken-Crash auf. Aber wie ersetzt Bitcoin die vertrauensbildende Wirkung von anderen Währungen oder Banken?

Was Bitcoin mit Blockchain zu tun hat

Schon landen wir direkt bei der Blockchain-Technologie. Dabei handelt es sich um ein dezentrales digitales Netzwerk, das unter anderem für die Verwaltung von Kryptowährungen genutzt wird. Das geht so: Für eine Transaktion loggen sich Handeltreibende in ein Konto ein, das sich Wallet, also Brieftasche nennt. Dafür haben alle Bitcoin-Besitzer ein privates Passwort, das aus einer einzigartigen Kombination von Zahlen und Buchstaben besteht. Sobald sie sich in die Wallet eingeloggt haben, ist ihr Rechner mit dem Blockchain-Netzwerk verbunden. Das Netzwerk setzt sich aus allen Händlern zusammen, die am Bitcoin-Austausch und Bitcoin-Abbau beteiligt sind. Zum Bitcoin-Abbau später mehr.

Was ist ein Bitcoin?
Was ist ein Bitcoin? / Bildquelle: Unsplash

Die Blockchain ist in diesem Fall das Währungseigene digitale Buchführungssystem. Die Technologie dahinter stellt sicher, dass zu jedem Zeitpunkt für alle Mitglieder des Netzwerks ein Konsens darüber besteht, dass die Datensätze in diesem Buchführungssystem korrekt sind. Das liegt daran, dass die Belege zu den Transaktionen innerhalb des Netzwerks so breit gestreut sind, dass eine Manipulation oder das Löschen einzelner Belege jederzeit durch andere Teilnehmer offen gelegt werden kann.

Sind zwei an einem Handel Beteiligte identifizierbar eingeloggt, wird der Austausch von Waren und Währung digital aufgezeichnet. Die Aufzeichnung wird wiederum einer Liste hinzugefügt, die sich Block nennt, und diese Liste wird spätestens nach 10 Minuten mit dem gesamten Netzwerk geteilt.

Das heißt also, dass im gesamten Netzwerk der Währung alle 10 Minuten ein weiterer Transaktionsblock mit allen anderen bereits existierenden Blöcken verkettet wird. Daher der Name Blockchain, also Block-Kette. Und das Ganze ist sehr viel weniger kompliziert als es klingt. Es handelt sich einfach um eine große Menge an Text-Dokumenten, von denen manche Informationen klug verschlüsselt und andere transparent mit allen Handeltreibenden geteilt werden.

Warum eigentlich Kryptowährung?

Jetzt kommt der kryptische Teil. Die Kryptologie ist ja eine Wissenschaft, die sich dem Verschlüsseln und Entschlüsseln von Informationen widmet. Eine entsprechende Technologie wird in der Bitcoin-Blockchain angewendet.

Um einen einzelnen neuen Block der gesamten Kette anfügen zu können, müssen die einzelnen Blöcke von Teilnehmern des Netzwerkes verifiziert werden. Dafür machen sich für jeden Block viele Subnetze des Blockchain-Netzwerkes daran, so schnell wie möglich ein hochkompliziertes mathematisches Puzzle zu lösen. Das Subnetz, das das Puzzle am schnellsten löst, wird der offizielle Verwalter des Blocks und bekommt für die Leistung Bitcoins gutgeschrieben. Jetzt erst wird der Block der Kette angehängt und der Handel ist abgeschlossen. Dieser Prozess wird “Mining”, im Deutschen “Abbau” genannt. Der Begriff stammt ursprünglich aus dem Bergbau, wo er den Abbau oder das Schürfen von Edelmetallen bezeichnet, aus denen Münzen ursprünglich hergestellt wurden.

Doch warum lässt das Bitcoin-Netzwerk überhaupt so viele Subnetze gegeneinander antreten, wenn es um die Verifizierung geht? Auf diesem Weg wird sichergestellt, dass kein einzelner Rechner – und damit eine individuelle Partei – das gesamte Netzwerk, den Handel oder die Währung manipulieren kann. Zudem werden die mathematischen Puzzles immer komplexer und schwieriger, wenn mehr Computer einem Subnetzwerk beitreten. Denn um so mehr Computer-Prozessoren in einem Subnetzwerk verbunden sind, um so schneller können sie die Mathe-Puzzel lösen. Es steigt also die Verarbeitungsgeschwindigkeit. Um keinen Anreiz für ein einziges riesiges Netzwerk zu setzen, müssen also größere Subnetze schwierigere Aufgabe lösen. Kurz gesagt: Je stärker ein Subnetzwerk, je schwieriger die Aufgabe.

Die Verantwortung für die Glaubwürdigkeit eines Handelsaustausches, die früher auf einem persönlichen Verhältnis beruhte und später durch Banken gestützt wurde, wird bei einer Währung wie Bitcoin in die Hand der digitalen Gemeinschaft gelegt. Diese Gemeinschaft überprüft sich gegenseitig und wird für diese Überprüfung mit Bitcoins belohnt. Klingt erstmal nach einem sehr klugen, äußerst modernen Konzept.

Bitcoin: Kryptowährung
So läuft der Deal mit der Kryptowährung / Bildquelle: Pexels

Bitcoin kurz und knapp

Fassen wir also noch einmal zusammen, wie die anonymen Gründer von Bitcoin die Kryptowährung anpreisen würden:

Sie ist dezentral verwaltet durch die Blockchain-Technologie.
Sie ist nicht manipulierbar durch den komplexen Verifikationsprozess.
Ihr Wert ist nicht an andere Werte gebunden und somit unabhängig von den labilen Weltmärkten.
Die Ausgabe der Währung ist nicht an eine Zentralbank gebunden, sondern wird von der Aktivität der Netzwerk-Teilnehmer gesteuert.

Alles in allem ist diese Kryptowährung also vor allem kooperativ und auf den ersten Blick von anderen Märkten unabhängig. Klingt super. Ob diese Werte bis heute Bestand haben, lest ihr in unserem bald erscheinenden Artikel über die aktuellen Manipulationsvorwürfe bezüglich der exorbitant hohen Bitcoin-Kurse im Jahr 2017.

Das Beitragsbild ist übrigens von Chris Li auf Unsplash

share:
FacebookPinterest
Jana Ahrens

Jana Ahrens liebt die Auseinandersetzung mit der Mode und mit den Gegenständen und Situationen eines modernen Lebens. Sie interessiert sich weniger für schöne Dinge, als eher für die Schönheit ihrer Umstände. Bis 2013 hat sie als Modedesignerin gearbeitet. Seitdem widmet sie sich dem Schreiben. Im Januar 2018 hat sie die Chefredaktion des Monda Magazins übernommen.

kommentieren