Ist Reiten noch immer ein Elite-Sport?

Words by Jana Ahrens
Photography: julias_equinelife
Sportliches, dunkelbraunes Pferd mit Reiterin springt souverän über ein Hindernis

Das Reiten hat eine sehr lange Geschichte. Nachdem es über Jahrhunderte hinweg eine selbstverständliche Fortbewegungsart war, ist es heute in der westlichen Welt hauptsächlich sportliche Freizeitaktivität. Wegen hoher Haltungskosten, zeitaufwendiger Pflege und tradierter Regeln bekam dieser Sport dann schnell einen Elitestatus. Aber gibt es auch Wege, den Reitsport ohne dicken Geldbeutel und Unmengen an Freizeit zu genießen?

 

 

Die Anschaffung des Pferdes, die Stallmiete, der Hufschmied, die Impfungen, der Pferdezahnarzt, die Haftpflichtversicherung, der Unterricht und die Ausrüstung: Ein Pferd zu besitzen und zu reiten bringt einige Kosten mit sich. Doch heißt das, dass sich das Reiten nur Menschen leisten können, die überdurchschnittlich viel Geld verdienen?

 

Julia und ihr Pferd Galileo sind ein Team.

 

Pferdeliebhaberin und Instagrammerin Julia Bruns glaubt, dass es auch andere Wege gibt: »In unserem Stall trifft sich eine bunt gemischte Truppe. Sowohl Menschen die finanziell unabhängig sind als auch welche die sich ihr Hobby mit mehreren Nebenjobs finanzieren müssen. Uns alle verbindet die Liebe zu den Tieren und das Bedürfnis, so viel wir können für sie zu geben.«

 

Julia erzählt, dass es verschiedene Möglichkeiten gibt, den Traum vom eigenen Pferd möglich zu machen.

 

Das geliebte Pferd ohne Abstammung

 

Ein Pferd zu kaufen kann relativ günstig sein, wenn es sich beispielsweise um ein Pferd ohne Abstammung handelt. Der Preis für ein Pferd berechnet sich anhand der Rasse des Tieres, seiner familiären Abstammung (hat das Pferd erfolgreiche Eltern?), seinem Alter, seinen bereits erzielten Erfolgen und der Reputation des Reithofes, von dem es kommt. Da muss also einiges zusammenkommen, bis der Preis eines Pferdes so richtig in die Höhe schnellt. Allen, die vor allem erst einmal ein gutes Verhältnis zu einem Tier aufbauen und das Reiten lernen wollen, sei also angeraten, ein gesundes Pferd ohne besondere Abstammung und edle Rasse zu erstehen. So können die Anschaffungskosten massiv gesenkt werden.

 

Das eigene Pferd als Schulpferd

 

Wenn es sich um ein liebes und geduldiges Pferd handelt, können BesitzerInnen dieses auch zu Schulungszwecken oder als Voltigierpferd zur Verfügung stellen. Die Leihgabe wird meist mit einem Rabatt auf die Pferdebox-Miete vergütet, manchmal wird sie einem sogar völlig erlassen. So können auch die Kosten für die Pferdehaltung gesenkt werden. Ein weiterer Vorteil ist, dass das Pferd unter der Aufsicht von geschulten Lehrern regelmäßig bewegt wird, die BesitzerInnen müssen dann nicht täglich in den Stall fahren um ihr Pferd zu besuchen.

 

Reitbeteiligung statt Pferdebesitz

 

Deutlich weniger Verantwortung entsteht durch eine Reitbeteiligung an einem Pferd. PferdebesitzerInnen bieten eine solche Beteiligung nicht nur an, um für sich selber die Kosten zu senken, sondern auch, um bei Zeitmangel sicherzustellen, dass das Pferd trotzdem genug Aufmerksamkeit bekommt, ordentlich gepflegt wird, sowie genügend Bewegung erhält. Eine Reitbeteiligung ist also nicht nur ein Gewinn für die Beteiligten, die keine hohen Anschaffungskosten stemmen möchten. Sondern auch für die BesitzerInnen, die sich die Pflege des Pferdes gegen einen monatlichen Obolus teilen. Eine optimale Lösung für alle.

 

Das Pferd als Statussymbol

 

Die einzige Option, die nicht für einen schmalen Taler zu haben ist, ist das Pferd als Statussymbol. Denn nach oben hin sind beim Geldausgeben in der Pferdehaltung keine Grenzen gesetzt. Das aktuell teuerste Pferd, der Hengst Palloubet d’Halong, wechselte zuletzt für 24,5 Millionen Dollar den Besitzer.

 

 

 

Doch der Umgang der PferdebesitzerInnen mit diesen teuren Geschöpfen ist ein ganz anderer, als der, den die DurchschnittsreiterInnen anstreben.

Julias Verbindung zu Galileo hat auch viel mit der Zeit zu tun, die die beiden gemeinsam verbringen.

Julia Bruns erzählt: »Solche Pferde stehen in Ställen, in denen man – ähnlich wie in einem Hotel – sämtliche Leistungen mit dazu buchen kann. Aquatrainer, Pferdesauna oder Profiberitt des Tieres sind dort selbstverständlich. Das Verblüffende hierbei ist, dass ihre Besitzer oft nicht mal selbst reiten. Sie lassen die Profis reiten und freuen sich, wenn ihr Pferd auf Turnieren gewinnt. Ab und an besuchen sie ihr Pferd, lassen sich im Schatten eines Baumes ein Glas Champagner servieren und schauen zu, wie die Bereiter das Pferd vorreitet. Doch auch diesen Menschen möchte ich ihre Leidenschaft für die Tiere und den Sport nicht absprechen. Sie leben diese nur anders aus.«

 

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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Jana Ahrens

Chefredakteurin

Jana Ahrens liebt die Auseinandersetzung mit den Gegenständen und Situationen eines modernen Lebens. Dabei interessiert sich weniger für schöne Dinge, als eher für die Schönheit ihrer Umstände. Zum Schönen gehört natürlich auch, wenn sich komplexe Themen in verständliche Zusammenhänge zerlegen lassen. Im Januar 2018 hat sie die Chefredaktion des Monda Magazins übernommen.

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