Rauchfreie Städte bald auch in Deutschland?

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: Thomas auf Unsplash
Frau mit einer Zigarette in der Hand

Die niederländische Stadt Groningen macht es vor und möchte mit gutem Beispiel vorangehen: Zigaretten sollen dort künftig komplett von den Straßen verbannt werden. 

 

Eine rauchfreie Stadt? Die gibt es bisher noch nicht. Doch das niederländische Groningen könnte schon bald den Anfang machen. Die »jüngste Stadt der Niederlande« hat rund 281.000 Einwohner – 50.000 davon sind Studierende. Viele der Bewohner haben den Entschluss des Groninger Stadtrates zu diesem Unterfangen positiv aufgenommen und sind bereit, die Stadt bei dessen Umsetzung zu unterstützen, damit das Rauchen in der Öffentlichkeit bald der Vergangenheit angehört. 

Rauchverbote im öffentlichen Raum

Die ersten Maßnahmen wurden inzwischen flächendeckend umgesetzt. Mehr als 20 städtische Organisationen, darunter Krankenhäuser, Apotheken, Schulen und die beiden Universitäten, haben ein Rauchverbot auf ihren Grundstücken – zum Teil auch rund um diese herum – ausgesprochen. Auf Kinderspielplätzen und sogar auf einigen Kneipenterrassen sind Zigaretten ebenfalls untersagt. 

Keine Strafen für Widersacher

Ins Rollen kam das Vorhaben durch den Suchtmediziner Robert van de Graaf. Dieser engagiert sich seit zwei Jahren dafür, dass seine Heimatstadt rauchfrei wird. Dafür brachte er die lokalen Organisationen zu einem Bündnis zusammen. »Wenn man Menschen rauchen sieht, dann animiert das zum Rauchen«, ist er sich sicher. »Vor allem Kinder müssen vor dem Rauchen geschützt werden«, erklärt van de Graaf. 

 

Wer sich trotz der Hinweise und Verbote eine Zigarette anzündet, muss jedoch nicht mit Strafen rechnen. Das Konzept sieht vor, dass die Menschen freiwillig auf die Glimmstängel verzichten. Vielmehr soll sozialer Druck dafür sorgen, dass auch der leidenschaftlichste Raucher vom Aufhören überzeugt wird. Helfen sollen außerdem Schulungen zur Rauchentwöhnung, die in vielen Unternehmen angeboten werden. 

Groningen als Vorbild für Deutschland?

Neben Groningen sprechen auch Amsterdam und Rotterdam über ein mögliches Rauchverbot. In Deutschland sind die Gesetzte in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich streng. Während Bayern das Qualmen in Kneipen, Gaststätten und auch Bierzelten konsequent verbietet, ist man in Hamburg weitaus freizügiger, solange in den jeweiligen Lokalitäten keine Speisen serviert werden und unter anderem nur Personen ab 18 Jahren Zutritt haben. Nach über zehn Jahren Rauchverbot hat sich für Raucher- und Nichtraucher vieles geändert, für die meisten zum Besseren. Auch hierzulande gibt es einzelne Bemühungen, das Rauchverbot noch weiter auszuweiten. So wird beispielsweise in Berlin diskutiert, Spielplätze oder Klinikeingänge zu nikotinfreien Zonen zu erklären. Und derartige Maßnahmen dürften nur die wenigsten stören. Seit Jahren schon wird Rauchen immer unbeliebter – die Zahl der Verfechter sinkt. 

Eigentlich könnte man meinen, dass es daher auch in Deutschland ein naheliegender Schritt wäre, das Rauchen im gesamten öffentlichen Raum zu untersagen. Solch weitreichende Schritte stehen bei uns jedoch aktuell noch nicht auf der Tagesordnung – da sind wir wohl insgesamt doch etwas weniger mutig als unsere fortschrittlichen Nachbarn…

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Alltag

Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

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