Erschreckend? Männer tun weniger gegen den Klimawandel

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: Markus Spiske auf Unsplash
Lesezeit: 2 Minuten
Interessieren sich Männer weniger für den Klimawandel?

Eine repräsentative Online-Umfrage, die wir mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey durchgeführt haben, hat ergeben, dass sich die meisten Deutschen große Sorgen wegen des Klimawandels machen. Doch offenbar betrifft das vor allem Frauen. 

 

Das Thema lässt sich schon seit Längerem nicht mehr ignorieren und sollte auch auf keinen Fall ignoriert werden: Der Klimawandel betrifft uns alle und zeigt sich bereits in seiner vollen Härte. Die Temperaturen steigen, die Wetterextreme nehmen immer weiter zu, Tiere und Pflanzen sterben. Jetzt liegt es an jeder und jedem einzelnen von uns, einen Beitrag zu leisten – und sei er noch so klein. Einfache Maßnahmen, die sich leicht in den Alltag integrieren lassen, haben wir hier zusammengestellt

Den meisten Deutschen sorgen sich um künftige Lebensumstände 

Doch wie stehen eigentlich die Deutschen zu diesem Thema? In einer Umfrage, die wir zusammen mit dem Markt- und Meinungsforschungsinstitut Civey zwischen dem 15. und 19. November 2019 umgesetzt haben, wollten wir von 5.007 bevölkerungsrepräsentativ ausgewählten Befragten ab 18 Jahren unter anderem wissen, wie groß ihre Sorge darüber ist, dass sich der Klimawandel künftig negativ auf die Lebensumstände auswirken könnte. Das Ergebnis ist eindeutig: Rund die Hälfte der Befragten (ca. 51 %) macht sich große Sorgen darüber, während das Thema nur etwa 37 % von ihnen keine Sorge bereitet. 

Schauen wir uns dieses Ergebnis genauer an, lässt sich darüber hinaus schnell erkennen, wer vermehrt zu den Besorgten im Land gehört: Es ist vor allem die jüngere Generation (ca. 57 %), die sich so ihre Gedanken macht. Und das ist nur wenig verwunderlich: Schließlich sind es die jungen Menschen, die gern noch einige Jahrzehnte in Ruhe und Frieden auf dieser Erde verbringen und vielleicht auch Nachwuchs in die Welt setzen möchten. Stimmen die Aussichten, die uns von WissenschaftlerInnen mit zunehmender Dringlichkeit prognostiziert werden, könnte sich in den kommenden Jahrzehnten allerdings einiges zum Negativen verändern. Unser Planet könnte in vielen Teilen sogar unbewohnbar werden. Unter den über 65-Jährigen teilen übrigens nur rund 47 % diese Sorge. 

Frauen tun mehr für das Klima als Männer

Und dann gibt es da noch einen weiteren interessanten Unterschied, der sich bei unserer repräsentativen Umfrage herauskristallisiert hat. Denn auf die Frage, ob die TeilnehmerInnen dem Klima zuliebe in den letzten 12 Monaten bereits etwas an ihrem Konsumverhalten verändert hätten, gaben 32 % der Männer an, bisher nichts getan zu haben und auch künftig nichts tun zu wollen. Frauen hingegen achten bereits häufiger darauf, weniger Plastik zu verwenden, regional und saisonal einzukaufen und weniger bzw. kein Fleisch mehr zu essen. 

Hast du persönlich auch schon etwas an deinem Lebensstil geändert, um etwas gegen den Klimawandel zu tun? Teile es uns in den Kommentaren mit. 

Und nun noch ein interessanter Fakt: Die aktuelle intensive Debatte hätte schon viel früher ins Rollen kommen können. Wie es in diesem interessanten Beitrag auf SPIEGEL.de heißt, hatten bereits 1982 Wissenschaftler des Ölkonzerns Exxon in einem internen Dokument auf das Problem aufmerksam gemacht und eine Prognose des zu erwartenden CO2-Anstiegs und der daraus folgenden globalen Erderwärmung abgegeben. Diese ist bis heute fast exakt so eingetroffen. Da diese Prognose den Interessen des Ölkonzerns jedoch zuwider lief, hatte dieser damals die Warnungen nicht nur ignoriert, sondern stattdessen mit teuren PR-Kampagnen versucht, die Öffentlichkeit in die Irre zu führen und Zweifel an der Klimaforschung zu verbreiten. Aktuell soll der Ölriese für diese skrupellose Fehlinformation gerichtlich zur Rechenschaft gezogen werden. Ob das gelingt – und wie sehr das dem Klima dann noch nutzen kann – steht in den Sternen. 

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Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

1 Kommentar

Mogy
#1 — vor 8 Monaten 2 Wochen
Aus meiner Sicht ist der Klimawandel ein globales politisches Problem, das auch nur so gelöst oder zumindest abgemildert werden kann: durch politische Vereinbarungen im globalen Maßstab. Diese müssen auch Hilfen für ärmere Länder bei der Anpassung an die Folgen enthalten. Moralische Appelle dagegen halte ich für weitgehend wirkungslos; sie dienen in erster Linie der Beruhigung des eigenen ökologischen Gewissens. Abgesehen können sind einige der in diesem Zusammenhang diskutierten individuellen Strategien wie Energiesparen oder die Einschränkung des Fleisch- bzw. Plastikkonsums durchaus sinnvoll sein; ich würde den Fokus dabei allerdings nicht in erster Linie auf das Klima richten.

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