Lebensmittelverschwendung: Das plant die Bundesregierung

Words by Annekathrin Walther
Photography: Ali Inay auf Unsplash
Um einen voll gedeckten Tisch sitzen drei Menschen und frühstücken

Viel zu viele Lebensmittel landen im Müll. In Deutschland sind es tatsächlich rund elf Millionen Tonnen pro Jahr. Im Februar hat die Bundesregierung deshalb ihre »Nationale Strategie zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung« vorgestellt.

 

Erstmal vorab: Wer erwartet, dass sich hinter der »Nationalen Strategie zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung« konkrete Vorgaben oder Handlungsempfehlungen für die einzelne Verbraucherin verbergen, liegt erst einmal falsch. Tatsächlich beinhaltet das Papier vor allem Maßnahmen, durch die in nächster Zeit Strukturen geschaffen werden sollen. Mit Hilfe dieser Strukturen, an denen diverse Akteure beteiligt sind, will die Bundesregierung das Problem der Lebensmittelverschwendung angehen.

Als großes Ziel formuliert die »Nationale Strategie«, die Lebensmittelverschwendung bis 2030 pro Kopf auf Einzelhandels- und Verbraucherebene zu halbieren. Entlang der Produktions- und Lieferkette sollen Lebensmittelabfälle und Nachernteverluste verringert werden. Diese Ziele sind so auch im Koalitionsvertrag der Großen Koalition sowie in der »Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung« der Vereinten Nationen zu finden.

Komplexe Gründe für Lebensmittelverschwendung

Um die benannten Ziele zu erreichen, müssen alle Bereiche der Lebensmittelversorgungskette – oder »Sektoren«, wie es in der Strategie heißt – zusammenarbeiten. Denn Lebensmittelabfälle entstehen in jedem Sektor: Bei Produktion und Verarbeitung, im Groß- und Einzelhandel, in der Außer-Haus-Verpflegung – also in Restaurants oder beim Catering – und in Privathaushalten.

 

Die Ursachen für Abfälle – und somit für Verschwendung – sind sehr vielfältig: Verluste bei Transport und Lagerung, Beschädigung von Verpackungen, aber auch mangelnde hauswirtschaftliche Kompetenz der Verbraucher*innen sind nur einige wenige Gründe. An welcher Stelle wie viele Abfälle entstehen, ist bisher nicht ausreichend dokumentiert. Derzeit arbeitet eine Arbeitsgruppe mit bereits vorhandenem Datenmaterial daran, einen Ausgangswert zu bestimmen, an dem die Reduzierung von Lebensmittelverschwendung fortan gemessen werden kann.

Frisch auf den Tisch und nicht frisch in die Tonne, bitte!

 

Kern der »Nationalen Strategie« ist die Benennung von vier Handlungsfeldern, innerhalb derer die Verringerung von Lebensmittelverschwendung vorangetrieben werden soll. Das erste Handlungsfeld sieht die Schaffung eines politischen Rahmens vor: Dies bedeutet zunächst einmal, dass verschiedene Gremien gebildet werden. Das bereits existierende Bund-Länder-Gremium wird erweitert und fungiert als ressort- und länderübergreifende Schnittstelle. Hier werden die Umsetzung und der Fortschritt der Strategie überwacht. Des Weiteren soll es das Nationale Dialogforum geben, das die Akteure vernetzt und jährlich über Fortschritte berichtet. Darüber hinaus ist pro Sektor ein separates Dialogforum geplant. In diesen Foren sollen die konkreten Maßnahmen erarbeitet werden, mit denen der jeweilige Sektor Lebensmittelverschwendung verringern will.

Mögliche Lösung: Intelligente Verpackungen zeigen Genusstauglichkeit an

Als zweites Handlungsfeld benennt die »Strategie« die Prozessoptimierung in der Wirtschaft. Unternehmen sind dazu angehalten, eigenverantwortlich Maßnahmen zu ergreifen, um Lebensmittelverschwendung zu vermeiden und Kosten zu senken. Ein drittes Handlungsfeld widmet sich der »Verhaltensänderung bei allen Akteuren«. Hier wird angestrebt, Verbraucher*innen noch stärker für das Thema zu sensibilisieren und Aufklärungsarbeit zu betreiben.

Das vierte Handlungsfeld rückt Forschung und Digitalisierung in den Fokus. Hier sieht die Bundesregierung viel Potenzial. Komplexe logistische Verteilungsaufgaben sollen mittels Digitalisierung vereinfacht werden. So soll zum Beispiel ein Projekt der Tafel Deutschland e. V. gefördert werden, das mit Hilfe von Digitalisierung das Abgabesystem zwischen Handel und Tafeln verbessern soll. Darüber hinaus sollen intelligente Verpackungen – also Verpackungen, die der Verbraucher*in die Genusstauglichkeit und die Sicherheit des Lebensmittels anzeigen – zügig auf den Markt gebracht werden.

Lebensmittelverschwendung geht uns alle an

Die Strategie zeigt, wie komplex das Thema Lebensmittelverschwendung ist. Bei der Häufung von Gremien und Handlungsfeldern können einem leicht die Ohren schlackern. Tatsache ist jedoch, dass sich das Problem nicht lösen lässt, indem nur die Einzelne besser wirtschaftet und weniger wegschmeißt. Um wirklich etwas zu erreichen, wird einiges an nationaler und internationaler Zusammenarbeit vonnöten sein. Gleichzeitig ist jede Einzelne gefragt: Lebensmittelverschwendung geht uns alle an. Weltweit hungern 800 Millionen Menschen. Mehr als doppelt so viele leiden unter Fehl- oder Mangelernährung. Darüber hinaus werden zur Herstellung von Lebensmitteln jede Menge Ressourcen verbraucht. Gegen Lebensmittelverschwendung vorzugehen, ist also nicht nur aus ethischer, sondern auch aus ökologischer und wirtschaftlicher Sicht von höchster Wichtigkeit.

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Annekathrin Walther

Freie Redakteurin

Annekathrin Walther spielt mit Text seit ihr Lesen und Schreiben möglich ist. Auf ihr Studium der LIteraturwissenschaft folgten Exkursionen ins Stadttheater und den Buchhandel. Seit 2013 liegt sie als Freiberuflerin vor Anker und schreibt als solche für Theater, Audio und Internet.

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