Landwirtschaft 4.0: Kann uns die Digitalisierung retten?

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: Raychan auf Unsplash
Kann die Digitalisierung die Landwirtschaft und uns retten?

Laut einer Prognose der UN müssen im Jahr 2050 weltweit rund 10 Milliarden Menschen ernährt werden. Doch wie soll das gehen, wenn uns schon jetzt fruchtbare Ackerflächen fehlen und die Erträge immer weiter zurückgehen? Die Digitalisierung soll uns retten.

 

Es ist eine Mammutaufgabe: Künftig müssen weltweit etwa 10 Milliarden Menschen versorgt werden. Doch schon jetzt hat die Agrarindustrie zu kämpfen. Extreme Wetterereignisse hat es schon immer gegeben. Doch zeigen der deutliche Anstieg der Temperaturen, vermehrt auftretende Trockenphasen und die Zunahme von Niederschlägen, dass uns der Klimawandel fest im Griff hat. Wie es in einem Beitrag des Bundesinformationszentrum Landwirtschaft heißt, können solche Wetterveränderungen aus landwirtschaftlicher Perspektive auch Vorteile haben: So ermöglicht eine verlängerte Vegetationsphase den Gemüsebetrieben, mehrmals im Jahr zu ernten. »Die schnellere Abreife beim Mais hat den positiven Nebeneffekt, dass inzwischen auch in nördlichen Gebieten Deutschlands höhere Erträge erzielt werden können«, heißt es in dem Beitrag.

Klimawandel fördert zunehmende Verschuldung der LandwirtInnen

Doch wird gleichzeitig auch auf klare Nachteile hingewiesen: »So macht zum Beispiel die frühere Blüte Obstbäume anfälliger gegenüber Spätfrösten. Mildere Winter führen dazu, dass sich pflanzenschädigende Pilze, Viren und Insekten stärker ausbreiten. Und die zunehmende Anzahl von Hitzetagen bedeutet deutlich mehr Stress für die Kulturpflanzen.« Darüber hinaus müssten wir uns auch auf immer mehr Dürre- und Starkregenperioden einstellen.

LandwirtInnen können sich aktuell noch mit zum Teil kostenintensivem Aufwand, der immer mehr Betriebe in die Verschuldung treibt, schützen und etwa Bewässerungsanlagen und Hagelschutznetze installieren. Zudem werden auch immer mehr Risikoversicherungen abgeschlossen, die einen Landwirtschaftsbetrieb nach einer schlechten Ernte vor dem Aus retten können. Doch wie lange werden solche Maßnahmen noch ausreichen?

Das Ziel: Lebensmittelproduktion steigern & Umwelt schonen

Wie aus der Roland-Berger-Studie »Farming 4.0: How precision agriculture might save the world« hervorgeht, wird sich die Landwirtschaft in den kommenden Jahren zunehmend digitalisieren müssen, um durch intelligente Managementsysteme betriebswirtschaftliche Risiken zu senken sowie Tiere und Umwelt zu schützen. Zum Beispiel sind digitale Systeme dazu in der Lage, Krankheiten bei Nutztieren frühzeitig zu erkennen oder den Einsatz von Düngemitteln punktgenau zu steuern. »Der technologische Wandel der Agrarindustrie ist weniger im Fokus der Öffentlichkeit, aber genauso tiefgreifend wie die Veränderung der Automobilindustrie«, erklärt Wilfried Aulbur, Partner bei Roland Berger.

 

Ein wachsender Markt, bei dem alle mitziehen müssen

Prognosen zufolge soll die digitalisierte Landwirtschaft bis zum Jahr 2021 um jährlich knapp 13 Prozent am Markt zulegen. Wie das finanziert werden soll, darüber hat sich Wilhelm Uffelmann, ebenfalls Partner bei Roland Berger, Gedanken gemacht: »Viele Landwirte sind traditionell eher risikoavers und können den Wandel im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten nicht alleine vorantreiben. Deshalb sollten Wertschöpfungspartner wie Landmaschinenhersteller in die Transformation eingebunden werden.« Denn für Uffelmann ist klar: »Wer sich nicht mit der Modernisierung befasst, gefährdet seine Marktposition.«

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Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

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